Mittwoch, 16. Mai 2012

Deutscher Katholikentag fordert neuen Aufbruch in der Gesellschaft


Alois Glück auf dem Katholikentag 2012 in Mannheim. | Copyright/Quelle: katholikentag.de

Mannheim/ Deutschland - In Mannheim begehen derzeit Zehntausende deutsche Katholiken derzeit ihren KirchentagZu Beginn der Veranstaltung hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, davor gewarnt, dass die Kirche nach der Jugend nun noch die Frauen verliere. Die Frauen müssten mehr geistliche Aufgaben erhalten. Der Katholikentag müsse und werde nicht nur in dieser Frage neue Zeichen setzen.

In einem Interview mit der Sendung "Ortszeit" auf "Deutschlandradio Kultur" (dradio.de), erläuterte Glück das Motto des Kirchentages: "Einen neuen Aufbruch wagen" damit, dass es zur Geschichte der Kirche gehöre, immer wieder neue Aufbrüche, Durchbrüche gewagt zu haben. "So etwas geschieht immer aus besonderen Situationen heraus." Die jetzige Situation sei denn auch "in mehrfacher Weise eine, die nach einem neuen Aufbruch" verlange.

Mit diesen Worten bezieht sich der ZdK-Präsident ausdrücklich und direkt auf die "Schockwirkung des sexuellen Missbrauchs und wie damit umgegangen wurde" und erläutert weiter: "Das war ein großer Vertrauensverlust, und Vertrauen gewinnt man nicht so schnell zurück. Es verlangt vor allen Dingen auch ein Stück Veränderungsprozess. Es ist auch so, dass der Generationenbruch immer mehr erspürbar und sichtbar wird. Das heißt, es gelingt immer weniger, junge Menschen zu erreichen. Es gibt immer weniger getaufte und gefirmte, und insofern ist es wichtig - und das ist nicht nur ein Thema der katholischen Kirche, sondern der christlichen Kirchen insgesamt - sich damit auseinanderzusetzen, wie wir in der Zeit von heute die Menschen von heute mit der Botschaft des Evangeliums vertrauter machen können. Das andere ist ein notwendiger Aufbruch, eine Veränderung in der Gesellschaft, denn auch hier geht ein 'weiter so' sicher nicht mehr."

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Auf die Frage danach, wo genau und bei welchen Themen die katholische Kirche einen neuen Aufbruch brauche, erläutert Glück, die vom Zentralkomitee unmittelbar zuvor beschriebene Zukunftsvision für Kirche als Leitbild einer dem Menschen dienenden Kirche. Kirche dürfe demnach nicht zum Selbstzweck werden, sondern sich mehr dem Menschen zuwenden: "Kirche ist nicht um ihrer selbst willen da, sonst kreist sie um sich selbst. Ihre Aufgabe, ihre Stiftung ist es, die Sendung des Evangeliums zu vermitteln, und das heißt, auf die Menschen zuzugehen, sich auf sie einzulassen."

Vertrauen gewinne man auch erst zurück, "wenn man die ernst nimmt, denen zuhört, die Vertrauen verloren haben, und das umfasst nun eine ganze Bandbreite dessen, wie Kirche erlebt wird".

Vor diesem Hintergrund seien gerade auch Themen wie der Position der Kirche gegenüber Geschiedenen, Homosexuellen und  Frauen in der Diskussion. Andere Einstellungen bezüglich der Situation von geschiedenen Wiederverheirateten in der katholischen Kirche, aber auch der Einstellung im Bereich der Homosexualität seien Beispiele für derzeit im Gang befindliche Prozesse innerhalb der Kirche, die fortwährend auf der Tagesordnung stünden. "In besonderer Weise geht es gegenwärtig auch darum, dass die Kirche nicht nach der Jugend auch noch mehr die Frauen verliert", so Glück. "Frauen tragen bislang schon sehr stark die Kirche, aber Frauen müssen noch mehr Verantwortung, mehr geistliche Aufgaben mitbekommen."

Zugleich erläutert Glück im Interview jedoch auch ausdrücklich, dass Frauen im Priesteramt weiterhin kein Thema seien. "Aber diakonal sind die Frauen durchaus, und das ist lehramtlich nicht negativ entschieden." Zudem könne die Frage des Zölibats nur weltkirchlich entschieden werden. "Dass dieses Thema aber immer wieder auf der Tagesordnung schon von drei Bischofskonferenzen war und ist, zeigt, dass es die Weltkirche bewegt, und es ist letztlich, denke ich, weithin unbestritten, dass es nicht theologisch zwingend ist, dass das Zugang zum Priesteramt nur in der Form möglich ist."

Eine Kirche, "in der es nicht mehr möglich wäre, die Themen, die die Menschen bedrängen, immer wieder miteinander und in einen ernsthaften, respektvollen Gespräch zu bereden, die würde den Zugang zu den Menschen verlieren."

In seiner Eröffnungsansprache zum  Katholikentag (katholikentag.de) setzte sich Glück für einen Dialogprozess als Chance "in wechselseitigem Respekt, mit der Erfahrung der verschiedenen Glaubenswege und der Vielfalt der Frömmigkeit" den richtigen Weg zu finden, ein.

Nicht zuletzt appelliere das ZdK für Toleranz und Verständigung: "Wir werden nie tolerieren, dass in Deutschland gewalttätige Extremisten Menschen gegeneinander aufhetzen und selbst vor Mord nicht zurückschrecken. Wir wollen mitknüpfen an einem Band, das die Menschen in unserem Land zusammenführt - unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Kultur und Religion."

(Das ZdK (zdk.de) steht für die katholischen Frauen und Männer, die sich in den Laienräten, in Verbänden, Bewegungen, Initiativen und Organisationen aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft und der Kirche in Deutschland beteiligen.)

- Das vollständige D-Radio-Interview finden Sie HIER


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