Mittwoch, 9. Mai 2012

Forscher erklären Aurasichtigkeit mit Synästhesie


Grafische Interpretation der menschlichen Aura (Illu.). | Copyright: grewi.de

Granada/ Spanien - Die sogenannte Aura und damit einen wissenschaftlich noch nicht beschriebener Energiekörper des Menschen sehen und psychologisch wie physiologisch deuten zu können, ist eine Fähigkeit, die in spirituellen und esoterischen Lehren tiefverwurzelt ist. Viele Heiler und Medien behaupten von sich, über diese Fähigkeit zu verfügen. Spanische Neuropsychologen haben nun einige dieser spirituellen Heiler untersucht und glauben, eine Erklärung für deren Aurasichtigkeit gefunden zu haben.

Diese Fähigkeit, so berichten die Forscher um Óscar Iborra, Luis Pastor and Emilio Gómez Milán von der Universidad de Granada aktuell im Fachmagazin "Consciousness and Cognition", lasse sich durch die Kopplung zweier oder mehrerer physisch getrennter Wahrnehmungsbereiche im Hirn vieler derart begabter Personen erklären. Menschen, die Wahrnehmungen derart verknüpft erfahren, werden als "Synästhetiker", das Phänomens selbst als "Synästhesie" bezeichnet.

Durch die Koppelung der normalerweise getrennten Wahrnehmungsbereiche, beispielsweise jene für Farbe und Temperatur, kommt es dazu, dass Synästhetiker etwa bestimmten Buchstaben automatisch eine Farbe zuordnen. Neben der Verknüpfung visueller oder akustischer (Musik) Eindrücke mit Farben, Gerüchen und Geschmäckern, gibt es auch das Phänomen der Gefühlssynästhesie, wenn Menschen mit dieser Kondition Emotionen mit bestimmten Bildern und Formen gleichsetzten und diese auch derart bildhaft wahrnehmen.

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In ihrer Studie haben die Wissenschaftler verschiedene Heiler untersucht und festgestellt, dass zwar "nicht alle Heiler Synästhetiker sind, dass diese Kondition jedoch unter besagter Personengruppe - ähnlich wie dies bei darstellenden Künstlern der Fall ist - verbreiteter ist als unter 'normalen' Menschen."

Zu den untersuchten Heilern gehörte auch der besonders in Spanien als "El Santón de Baza" bekannte Esteban Sánchez Casas, von dessen besonderen Fähigkeiten viele Menschen überzeugt sind und der ebenfalls die Fähigkeit der Aurasichtigkeit besitzen soll.

"Tatsächlich handelt es sich hier um einen ganz eindeutigen Fall von Synästhesie", erklären die Forscher. El Santón habe gleich mehrere Arten von Synästhesie: Zum einen sind bei ihm jene Hirnbereiche, die zur Gesichtserkennung beitragen, mit denen verbunden, die für die Verarbeitung von Farben verantwortlich sind. Zum anderen spürt er, wenn er sieht, wie sein Gegenüber berührt wird oder Schmerzen erleidet, den gleichen Sinneseindruck dieser Person. Auch verfüge der Heiler über ausgeprägte Empathie, also über die Fähigkeit zu spüren, was eine andere Person empfindet. Zugleich leide er aber auch an einer schizotypischen Persönlichkeitsstörung, die sich in leichten Formen von Paranoia und Wahnvorstellungen abzeichne.

"Alle diese Fähigkeiten zusammengenommen ermöglichen es dem Synästhetiker anderen Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass sie verstanden werden und auf ihre Emotionen und Schmerzen eingegangen werde", so die Forscher.

Während die Studie bis dahin, statt den Behauptungen der Heiler bezüglich der Wirksamkeit ihrer Aurasichtigkeit zu widersprechen, vielmehr deren Wirksamkeit indirekt sogar zu beweisen scheint, kommen die Wissenschaftler abschließend jedoch zu einer gänzlich anderen Deutung der Fähigkeiten von Menschen wie El Santón und verweisen bei den von zahlreichen Patienten beschriebenen Heilerfolgen auf den Placebo-Effekt, also jene Scheinwirkung aufgrund des Glaubens der Patienten an die Wirksamkeit einer Methode oder eines Medikaments. Dieser werde von den beschriebenen synästhetischen Fähigkeiten der Heiler gefördert.

"Auch wenn einige Heiler tatsächlich die Fähigkeit haben, eine Farbaura um Menschen herum zu sehen und etwa deren Emotionen und Schmerzen wahrnehmen, so handelt es sich doch lediglich um Synästhesie", so die Forscher. "Einige dieser Heiler haben die Fähigkeit und Eigenart sich selbst die Fähigkeit des Heilens einzureden. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Form der Selbsttäuschung, da Synästhesie keine übersinnliche Fähigkeit sondern eine subjektive und verschmückte Realitätswahrnehmung ist."

Bleibt zu Fragen, warum es nicht gerade die synästhetische Wahrnehmung der Heiler ist, die sie direkt zu den von ihren Patienten vielfach beschriebenen Heilerfolgen befähigt. Zudem gelang es 2009 japanischen Forschern nachzuweisen, dass auch der menschliche Körper tatschlich bioluminiszente Lichtphotonen abgibt, die jedoch für das normale Auge nicht sichtbar sind (...wir berichteten). Schließlich gilt im besten Fall auch hier: Wer heilt, hat recht. Und mal ehrlich: Wünschen wir uns nicht alle einen Zahnarzt, der die Fähigkeit hat, unsere Schmerzen und Emotionen während einer Wurzelbehandlung mit uns zu teilen?

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Quelle: ugr.es
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