Dienstag, 22. Mai 2012

Forscher wollen Fragment des Tunguska-Objekts gefunden haben


Noch im Mai 1929 zeigten die Wälder der Tunguska-Region ein Bild der Zerstörung. | Copyright/Quelle: Public Domain, th.bo.infn.it

Bologna/ Italien - Schon seit Jahren verfolgen italienischen Wissenschaftler die Theorie, dass es sich beim Tscheko-See um den Einschlagskrater jenes Objekts aus dem All handelt, das am 30. Juni 1908 zu einer der gewaltigsten Explosionen der Neuzeit über der sibirischen Tunguska-Region gesorgt hatte und dabei rund 80 Millionen Bäumen wie Streichhölzer umknicken ließ. Jetzt sehen die Forscher ihre bisherige Theorie bestätigt, dass ein Fragment des Tunguska-Objekts den Tscheko geschlagen haben soll und noch heute an dessen Grund zu finden ist.

Bereits 2008 veröffentlichten die Geologen der Universita di Bologna die Ergebnisse ihrer Untersuchungen des Tscheko, wonach das Profil des Sees keinem der sonstigen Seen der Region, stattdessen jedoch dem von Kraterseen, etwa dem des Odessa-Kraters, gleicht (...wir berichteten 1, 2).

Seit Jahrzehnten sorgt das Tuguska-Ereignis in unterschiedliche Kreisen für hitzige Diskussionen und Theorien unterschiedlicher Couleur: Von den eher exotischen Theorien über den Absturz eines außerirdischen Raumschiffs, über eine frühe Kernwaffe gleicher Herkunft oder Mini-Schwarze Löcher, bis hin zur naturwissenschaftlichen Annahme, dass es sich um den bislang gewaltigsten Einschlag eines Kometen oder Asteroiden in der jüngeren Geschichte der Erde handelt.

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Wie die Wissenschaftler um Luigi Gasperini aktuell im Fachmagazin "Geochemistry, Geophysics, Geosystems" berichten, glauben auch sie, dass ein Asteroid, bzw. dessen Meteorit, die Tunguska-Explosion verursacht und rund fünf Kilometer vom Epizentrum der Explosion entfernt, den Tscheko geschlagen hat.


Seismogramm: Rund zehn Meter unter dem Boden des Tscheko schlummert ein flacher, noch unbekannter Körper (Pfeil) im Grund. | Copyright: Gasperini et al. / Università di Bologna

Die seit 1999 erstellten seismischen Messungen am Boden des Sees belegen, so die Forscher, dass sich die dortigen Sedimente erst seit rund 100 Jahren abgesetzt haben - was mit dem Alter des Ereignisses selbst in etwa übereinstimmt. Zudem befinde sich am Grund des Sees, in etwa 10 Metern Tiefe, ein ungewöhnlich geformtes Gebilde, dass die Wissenschaftler entweder für extrem verdichtete Sedimentschichten oder aber ein Reststück des vermeintlichen Asteroiden halten.

Zusammengenommen sprechen die Daten in den Augen der Forscher eine eindeutige Sprache: Der Tscheko-See ist in Wirklichkeit ein Krater, an dessen Grund noch heute ein großes Fragment jenes Objektes vergraben liegt, dass die Wissenschaftler aus Bologna für einen Meteoriten halten.

Bis das Objekt selbst jedoch (wenn überhaupt) geborgen und untersucht wird, dürften auch Kritiker weiterhin an der Theorie rund um den Tscheko-See zweifeln sowie die Diskussionen darum, um was es sich bei dem im Boden vergrabenen Objekt handelt, alles andere als beendet sein.

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