Donnerstag, 31. Mai 2012

SETI: Erste VLBI-Suche findet keine außerirdischen Radiosignale aus dem "Gliese 581"-System


Archiv: Die Radioteleskopantenne des Warkworth Radio Telescope ist Teil der Australian Long Baseline Array. | Copyright: IRASR, Sdweston, cc-by-sa 3.0

Bentley/ Australien - Astronomen haben die erste gezielte Suche nach außerirdischen Signalen aus dem sonnennahen Planetensystem um den Stern Gliese 581 mit Hilfe der Langbasisinterferometrie (VLBI) abgeschlossen, von dort jedoch bislang keine intelligenten Signale empfangen. Das bislang negative Ergebnis schließt dortiges intelligentes Leben, das sich auch der Radiotechnologie bedienen könnte, jedoch noch nicht aus.

Mit der Langbasisinterferometrie (Very Long Baseline Interferometry, VLBI), mit der Radioastronomen Messungen mit höchster räumlicher Auflösung und Positionsgenauigkeit erreichen können, haben Hayden Rampadarath und Kollegen am "International Centre for Radio Astronomy Research" der australischen Curtin University das von der Sonne nur 20 Lichtjahre entfernte Planetensystem um den roten Zwergstern Gliese 581 abgesucht, der von mindestens zwei sogenannten Super-Erden wahrscheinlich innerhalb der habitablen Zone umkreist wird (...wir berichteten, s. Links). Von "Super-Erden" sprechen Astronomen angesichts von Felsplaneten von der vielfachen Masse der Erde. Die "habitable Zone" hingegen beschreibt jene Abstandsregion um einen Stern, innerhalb derer sich ein Planet befinden muss, damit aufgrund gemäßigter Oberflächentemperaturen Wasser in flüssiger Form und damit die Grundlage für Leben - zumindest nach irdischem Maßstäben - existieren kann.

Wie die Forscher vorab auf "arxiv.org" (s. Link u.) berichten, wurde die VLBI-Methode trotz ihrer unerreicht hohen Auflösung bislang noch nie zur Suche nach intelligenten Radiosignalen aus dem All (Search for ExtraTerrestrial Intelligence, SETI) eingesetzt.

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Mit der "Australian Long Baseline Array" (ALBA), die aus drei mehrere Hundert Kilometer von einander entfernt positionierten Radioteleskopen besteht, erreichen die Astronomen eine Auflösung, wie sie in etwa mit der des Weltraumteleskops Hubble vergleichbar ist.

Insgesamt acht Stunden hat das Team um Rampadarath das System um Gliese 581 bereits im Juni 2007 abgesucht. Warum sie mit der Publikation der Ergebnisse dieser Suche so lange gewartet haben, ist bislang nicht bekannt. Bald jedoch soll ihr Artikel im Fachmagazin "The Asronomical Journal" erscheinen, berichtet der "The Physics arXiv-Blog (technologyreview.com/blog/arxiv).

Zwar fanden die Astronomen zunächst 222 Kandidaten für mögliche SETI-Signale, doch konnten alle Signalen menschlicher Quellen, vornehmlich australischer geostationäre Kommunikationssatelliten, zugeordnet werden.

Dennoch seien die Ergebnisse dieser ersten SETI-Suche mit Hilfe der VLBI-Methode interessante und beweisen, dass sich die Langbasisinterferometrie schon alleine deshalb für SETI als nützlich erweist, da sie automatisch eine Vielzahl von irdischen Störungsquellen, die leicht mit SETI-Signalen verwechselt werden können, aufgrund der weiten Entfernung der beteiligten Teleskope zueinander, aussortiert.

Obwohl die australischen Radioastronomen bei ihrer ersten VLBI-SETI-Suche also keine intelligenten außerirdischen Signale entdecken konnten, schließt dies weder die Existenz von intelligentem Leben im System um Gliese 581, noch die Nutzung von Radiokommunikation dort möglicherweise existierender Außerirdischer gänzlich aus.

Stattdessen beschreiben die Ergebnisse vielmehr die Grenzen der Stärke eventuell dennoch vorhandener künstlicher Signale. Um mögliche Signale von Gliese 581 mit der angewandten Methode entdecken zu können, müssten diese mit einer Ausgabeleistung von mindestens sieben Megawatt pro Hertz gesendet worden sein.

Wie der arXiv-Blog erläutert, hätte die VLBI-Suche ein aus dem Gliese-System gezielt gesendetes Signal, vergleichbar etwa mit dem, wie wir es beispielsweise 1974 mit dem 300 Meter durchmessenden Radioteleskop von Arecibo ins All gesendet haben, mit Leichtigkeit entdeckt. Normale Radiosignalübertragungen, wie etwa irdische Radio- und TV-Sendungen hingegen, wären viel zu schwach, als dass sie von Rampadaraths Team hätten entdeckt werden können.

Auch wenn also die Auflösung der ALBA-Anlage für derartige Signale zu gering ausfällt, könnten diese mit bereits existierenden größeren Anlagen und gerade von dem derzeit geplanten Riesen-VLBI-Teleskop, Square Kilometre Array (SKA) detektiert werden. Mit dem SKA wird es zukünftig möglich sein, schon Radiosignale mit einer Ausgabestärke von einigen wenigen Kilowatt pro Hertz aus dem System um Gliese 581 und anderer Planetensysteme zu empfangen.

Der Bau des Square Kilometre Array soll 2016 beginnen. Mit Empfangsstationen, die bis zu einer Distanz von 3000 km von einem Zentrum entfernt aufgestellt werden, soll die Anlage eine Auflösung erreichen, die bisherige Radioteleskope um das bis zu 50fache übertreffen wird. Die ersten Daten werden 2019 erwartet. 2023 soll das SKA dann in vollem Umfang genutzt werden können

- Den vollständigen Artikel von Rampadarath und Kollegen finden Sie HIER

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