Dienstag, 15. Mai 2012

Studie: Unsere Sonne bewegt sich anders durch den interstellaren Raum als bislang gedacht


Aus den bisherigen Schaudiagrammen zu Aufbau und Eigenschaften der Heliosphäre muss die bislang vermutete Schockwelle (Bow Shock) zukünftig herausgestrichen werden (Illu.). | Copyright: Southwest Research Institute

San Antonio/ USA - Neue Messungen der NASA-Sonde IBEX (Interstellar Boundary Explorer) widerlegen die von Astrophysikern seit rund 25 Jahren gehegte Vorstellung einer Schockwelle, wie sie - so die bisherigen Vorstellungen - von der Sonne, bzw. deren Heliosphäre, durch das interstellare Medium vor sich her getrieben werden soll.

Als Heliosphäre bezeichnen Sonnenforscher einen weiträumigen, blasenförmigen Bereich um die Sonne, in dem der Sonnenwind mit seinen mitgeführten Magnetfeldern gegen das von außen wirkenden interstellare Medium aus Partikeln, Gas und Staub wirkt und so die Grenze des Sonnensystems, den sogenannten Termination Shock, bewirkt.

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Während also diese magnetische Sonnenblase durch den interstellaren Raum pflügt, tritt zugleich interstellares Helium in das Sonnensystem anders ein, als dies bisherige Modelle vorhergesagt hatten.

Offenbar, so die im Fachmagazin "Science" veröffentlichten Schlussfolgerungen der Wissenschaftler um David McComas vom Southwest Research Institute (SwRI), bewegt sich unser Sonnensystem mit rund 22 Kilometer pro Sekunde und damit um rund 11.250 Km/h deutlich langsamer durch den interstellaren Raum als bislang gedacht. Zu langsam, als dass die bislang vermutete Schockwelle vor der Sonnenblase überhaupt entstehen könnte.


Beispiele bekannter Schockwellen um die "Astrosphären" anderer Sterne. | Copyright: NASA/ESA/JPL-Caltech/Goddard/SwRI

"Während solche Schockwellen zweifelsohne von einigen anderen Sternen erzeugt werden (s. Abb.), erreicht unsere Sonne die kritische Geschwindigkeit zu deren Bildung nicht", so McComas. "Es reicht eher für eine leichte Welle als für einen Schock – vielmehr vergleichbar mit der Bugwelle eines Schiffes, das durchs Wasser gleitet als mit der Schockwelle eines Überschallflugzeugs."

Derzeit sei es noch zu früh, um genau abzusehen, welche Konsequenzen die neue Erkenntnis für unser Wissen über die Heliosphäre haben wird - schließlich gingen alle bisherigen Modelle von der Existenz der solaren Schockwelle aus. "Diese Forschungsarbeit muss nun mit den neuen Daten erneut gemacht werden", so der Forscher. "Schon jetzt vermuten wir aber, dass dieser Umstand Auswirkungen darauf haben wird, wie galaktisch-kosmische Strahlung zum einen von der Heliosphäre abgelenkt wird aber auch in diese und damit ins Sonnensystem eindringen kann. (...) Diese Erkenntnisse sind auch für die bemannte Raumfahrt von großer Bedeutung."

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Quelle: swri.org
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