Dienstag, 26. Juni 2012

Archäologen: Stonehenge war ein Monument der Vereinigung Britanniens


Der Steinkreis von Stonehenge. | Copyright: A. Müller, grewi.de

Sheffield (England) - Während frühere archäologische Theorien im großen und heute noch so markanten Steinkreis von Stonehenge ein prähistorisches Observatorium, einen Sonnentempel, ein Heilzentrum oder einen Tempel antiker Druiden sahen, lehnen die seit 10 Jahren am "Stonehenge Riverside Project" (SPRP) beteiligten Wissenschaftler diese Erklärungstheorien nun ab und sehen in der Hauptbauphase des Monuments zwischen 3.000 und 2.500 v. Chr. einen Britannien vereinigenden Akt zuvor verstrittener und unverbündeter regionaler Gruppen.

Wie die Wissenschaftler der Universitäten von Sheffield, Manchester, Southampton, Bournamouth und dem University College London erläuterten, erforschten sie nicht nur den Steinkreis und seine Landschaft, sondern auch die weiteren sozialen und ökonomischen Zusammenhänge der Hauptbauphase von Stonehenge zwischen 3.000 und 2.500 v. Chr.

"Als Stonehenge errichtet wurde, gab es eine stets anwachsende inselweite Kultur. Dieselben Stile etwa beim Bau der Häuser oder von Töpferware und anderer verarbeiteter Materialien gab es sowohl auf den Orkney Inseln als auch an der Südküste", erläutert Professor Mike Parker Pearson von der University of Sheffield. "Dieser Umstand unterschied diese Epoche von den staken Regionalismen früherer Jahrhunderte."

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Folgt man der Interpretation der Wissenschaftler, so stellte die Hauptbauphase ein gewaltiges Unterfangen dar, dass die Arbeitskraft von Tausenden benötigte, um die tonnenschweren Steine von weither - etwa aus dem westlichen Wales ins heutige Wiltshire - zu transportieren, hier zu bearbeiten und zu einem Steinkreis aufzurichten. "Alleine für die Arbeit selbst war es notwendig, dass alle zusammenhielten und das war ein Akt der Vereinigung."

Dennoch hatte Stonehenge auch schon zur damaligen Zeit eine besondere Bedeutung für die prähistorischen Briten. Hinweise darauf geben die von den Forschern entdeckte Ausrichtung der sog. Avenue, die auf einer ganzen Reihe von natürlichen Landformen sitzt und eine Achse genau zwischen den Sonnenaufgangspunkten der Sonnenwenden im Sommer und Winter bildet.

"Als wir über diese besondere natürliche Ausrichtung nach dem Weg Sonne in der Landschaft stießen, bemerkten wir, dass die prähistorischen Menschen diesen Ort, an dem sie Stonehenge errichten wollten, nicht zufällig gewählt hatten sondern, weil er schon zuvor eine besondere Bedeutung für sie hatte", so Pearson weiter. "Das könnte erklären, warum sich rund um Stonehenge acht Monumente mit einer Ausrichtung auf die Sonnenwenden finden - eine Anzahl, wie wir sie sonst von nirgendwoher kennen. Vielleicht sahen die frühen Briten diesen Ort als das Zentrum ihrer Welt."

Die Forscher erklären weiter, dass die Wintersonnenwende für die damaligen Menschen vor 5.000 bis 5.400 Jahren wahrscheinlich bedeutsamer und wichtiger war als die Sommersonnenwende. Diese Erkenntnis ziehen die Forscher aus der Untersuchung von Funden von Schweinezähnen in der Stonehenge-nahen Siedlung Durrington Walls und damit aus den Resten umfangreicher Gelage, deren Anteil verzehrter Schweine im Winter jene im Sommer deutlich überstieg. "Zudem sind die meisten Monumente auf den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende ausgerichtet - während allerdings die Hauptausrichtung von Stonehenge selbst dazu entgegengesetzt, also auf den Mitsommer-Sonnenaufgang ausgerichtet ist."

Dass Stonehenge von anderen fernen Kulturen wie etwa den alten Ägyptern oder gar von Außerirdischen inspiriert worden sein könnte, lehnen die Archäologen in ihrer Presseerklärung explizit und strikt ab: "Alle architektonischen Einflüsse können in früheren Monumenten und Bauten innerhalb Britanniens, mit Ursprüngen in Wales und Schottland gefunden werden. Tatsächlich waren die neolithischen Briten vom Rest Europas Jahrhunderte lang isoliert. Britannien mag vereint worden sein, aber es hatte Interesse daran, sich mit den Menschen auf der anderen Seite des Ärmelkanals auszutauschen. Stonehenge wirkt somit wie ein letzter Aufschrei einer Steinzeit-Kultur, die von Europa und damit von neuen Technologien wie Metallwerkzeuge und dem Rad isoliert war."

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