Montag, 18. Juni 2012

C-14-Datierung und DNA-Analyse: Reliquien könnten von Johannes dem Täufer sein


Salome mit dem Kopf Johannes’ des Täufers, Gemälde von Michelangelo Caravaggio (1607). | Copyright: Public Domain

Oxford (England) - Vor zwei Jahren entdeckten Archäologen im Innern eines Kirchenaltars des St. Johannesklosters auf der Schwarzmeerinsel Sweti Iwan einen kleinen Reliquienschrein, dessen Inhalt sie für Teile des Skeletts von Johannes dem Täufer halten (...wir berichteten). Eine Datierung eines der darin entdeckten Handknochens durch Experten der Oxford University und eine DNA-Analyse durch dänische Wissenschaftler stützen nun diese Vermutung: Die Knochen datieren zumindest zu Lebzeiten und stammen aus dem Wirkungsregion des Mannes, der Jesus selbst getauft haben soll.

Wie die Forscher um die Oxford-Professoren Thomas Higham und Christopher Ramsey berichten, zeigte die Altersbestimmung eines rechten Fingerknöchels an der "Oxford Radiocarbon Accelerator Unit", dass dieser tatsächlich aus dem ersten Jahrhundert. "Wir waren überrascht, dass die Radiokarbondatierung (C-14) tatsächlich ein derart hohes Alter des Knochens ergab. Zuvor hatten wir vermutet, dass der Knochen aus dem dritten oder vierten Jahrhundert stammt. Ob es sich bei dieser Person jedoch um Johannes den Täufer handelt, das ist eine Frage, die wir so derzeit und wahrscheinlich auch später wohl nie definitiv beantworten können werden", so Higham.

Eine hinzu von Dr. Hannes Schroeder und Professor Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen durchgeführte Rekonstruktion der mitochondrialen DNA aller drei in dem Schrein gefundenen Menschenknochen belegt zudem, dass alle Knochen von ein und derselben Person stammen und diese Person zu einer Familiengruppe aus dem Nahen Osten - und damit dem Wirkungsgebiet Johannes' des Täufers - gehört. Weiterhin lege die Analyse nahe, dass die Knochen von einer männlichen Person stammen.

"Wir befürchteten zunächst, dass die Proben durch moderne DNA kontaminiert sein könnten", so Schroeder. "Doch die gefundene DNA zeigte Schadenspuren, wie sie zu derart alter DNA passen, was uns wiederum in unserem Ergebnis bestätigte. (...) Auch unsere Ergebnisse können zwar nicht beweisen, dass die Knochen von Johannes dem Täufer stammen, aber die beweisen auch nicht das Gegenteil."

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Dass es sich bei dem Inhalt des Reliquienschreins, einer kleinen Kiste aus vulkanischem Tuffstein, um Knochen des Täufers handelt, darauf deutete zunächst die Inschrift in Altgriechisch hin, die den Namen Johannes' des Täufers und dessen Feiertag direkt benennt.


Der an der University of Oxford untersuchte Handknochen. | Copyright/Quelle: ox.ac.uk

Eine weitere Inschrift, die Gott darum bittet "Hilf Deinem Diener Thomas", deuten die Archäologen um Prof. Kazimir Popkonstantinov als Hinweis darauf, dass der genannte "Thomas" einst mit der Aufgabe betraut wurde, den Schrein auf die Insel zu bringen.

Die Kiste selbst war – das zeigten Untersuchungen der bulgarischen Archäologen – wahrscheinlich wasserfest und stammte ursprünglich aus Kappadokien in der heutigen Türkei. Demnach wäre also der Schrein wahrscheinlich über Antiochia, wo laut den Legenden bis ins zehnte Jahrhundert die rechte Hand des Heiligen aufbewahrt worden sein soll, nach Bulgarien gelangt.

Aus einer weiteren Studie historischer Dokumente durch den Oxford-Wissenschaftler Dr. Georges Kazan geht zudem hervor, dass im Ende des vierten Jahrhunderts Mönche Reliquien - unter anderem Teile des Schädels, die Johannes dem Täufer zugeschrieben wurden - aus Jerusalem nach Konstantinopel gebracht hatten, wo der römische Kaiser um sie herum eine Kirche errichten ließ. Zudem zeigen Kazans Ergebnisse, dass das der Reliquienschrein, in dem damals die Überreste der Gebeine des Täufers aufbewahrt worden sein sollen, jenem Sarkophag glich, der unmittelbar neben dem kleinen Reliquienkästchen auf Sweti Iwan gefunden wurde.

"Meine Nachforschungen legen nahe, dass während des fünften oder frühen sechsten Jahrhunderts, das Kloster von Sweti Iwan tatsächlich einen großen Teil von Reliquien Johannes des Täufers als auch den Reliquienschrein aus Konstantinopel überstellt bekommen hatte. Dieses Geschenk, das möglicherweise von Mitgliedern der dortigen höheren Gesellschaft stammte, könnte dazu gedient haben, die Kirche und das Kloster des Heiligen Johannes zu weihen, die von den Absendern möglicherweise finanziell unterstützt wurden."

Die wissenschaftlichen Analysen an den Reliquien durch die Forscher aus Oxford und Kopenhagen wurden von der "National Geographic Society" unterstützt, deren Dokumentation "Head of John the Baptist" (Der Kopf von Johannes dem Täufer) am 17. Juni 2012 erstmals gesendet werden soll.

Johannes der Täufer ist eine der Zentralfiguren des Christentums, der Evangelien und wird zugleich auch von Moslems und Anhängern Mandäismus, besonders aber innerhalb der orthodoxen Kirche verehrt. Durch seine Prophezeiungen des Erscheinens des Messias gilt der Täufer im Christentum als direkter Wegbereiter der unmittelbar bevorstehenden Ankunft Jesu Christi. Zu seinen Anhängern zählte später auch Jesus selbst, der sich von ihm Taufen ließ und danach möglicherweise selbst mit dessen Billigung und in seinem Namen taufte. Wahrscheinlich aus politischen Gründen und wegen seiner direkten Kritik an der Heiratspolitik des herrschenden Herodes Antipas, ließ dieser den Täufer im Frühjahr 35 n. Chr. festnehmen und auf der Festung Machaerus am Toten Meer festsetzten. Laut biblischer Erzählung soll Salome, die Tochter von Herodes’ Frau Herodias, den Kopf Johannes' des Täufers als Belohnung für einen Tanz gefordert haben, wozu sie von Herodias angestiftet worden sein soll.

Neben dem Johanneskloster auf Sweti Iwan gibt es mehrere Orte, die für sich in Anspruch nehmen, etwa den Kopf Johannes des Täufers als Reliquie zu besitzen, darunter die Kirche San Silvestro in Capite in Rom, die Kathedrale von Amiens aber auch die Omayadden-Moschee in Damaskus, die in vorislamischer Zeit als Johanniskathedrale genutzt wurde. Erst vor wenigen Jahren behaupteten Archäologen zudem, die Gebeine des Täufers im Iran gefunden zu haben.



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