Freitag, 29. Juni 2012

Cassini-Sonde findet Hinweise auf Wasserozean auf Saturnmond Titan


Künstlerische Darstellung des möglichen inneren Aufbaus des Saturnmondes Titan, wie er sich aus neuen Daten der Raumsonde Cassini ableiten lässt. (Illu.). | Copyright: A. Tavani, NASA 

Pasadena (USA) - Neue Beobachtungen der Raumsonde Cassini bestätigen frühere Vermutungen, die darauf hindeuten, dass unter der eisigen und mit Meeren und Seen aus flüssigem Kohlenwasserstoffen wie Methan und Ethan bedeckten Oberfläche des größten Saturnmonds Titan ein Ozean aus flüssigem Wasser verborgen liegt.

Die Beobachtungsdaten der Sonde belegen starke Stauchungen und Dehnungen des Mondes während dessen elliptischen Umlaufs um seinen Planeten. Würde Titan vollständig aus festem Gestein bestehen, so würde dieses wechselhafte Kräftezwischenspiel Aufwölbungen, sogenannter fester Gezeiten- bzw. Flutwellen von gerade einmal einem Meter Höhenunterschied erzeugen. Die Cassini-Daten jedoch belegen entsprechende Unterschiede von etwa 10 Metern und können so nur mit der Schlussfolgerung erklärt werden, dass Titan nicht vollständig aus festem Gesteinsmaterial bestehen kann.

"Der Nachweis derart hoher Gezeitenwirkungen auf Titan verweist unausweichlich darauf, dass sich tief unter der Oberfläche ein verborgener Ozean befindet", erläutert Luciano Iess von der Sapienza – Università di Roma und Hauptautor der aktuell im Fachmagazin "Science" veröffentlichten Studie. "Die Suche nach Wasser ist ein wichtiges Ziel bei der Erforschung unseres Sonnensystems und jetzt haben wir einen weiteren Ort gefunden, an dem es offenbar vorkommt."

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Auf der Erde sind Flutwellen das Ergebnis der Anziehungskraft des Mondes und der Sonne auf das Wasser der Ozeane. Auf unseren offenen Meeren kann dies zu einem Anstieg von bis zu 60 Zentimetern führen. Während Wasser vergleichsweise einfach von der Schwerkraft von Sonne und Mond in Bewegung versetzt werden kann, wirkt letztere sich aber auch auf die Erdkruste aus und kann auch hier zu Aufwölbungen von bis zu 50 Zentimetern führen.

Um die nun von Cassini auf Titan gemessenen Gezeitenwirkungen hervorzurufen, müsste der Ozean allerdings nicht zwangsläufig besonders groß bzw. tief sein. Schon eine Schicht flüssigen Wassers zwischen der äußeren, verformbaren Hülle und dem festen Mantel würde genügen. Da die Oberfläche von Titan vornehmlich aus gefrorenem Wassereis besteht, und dieses auf den Monden im äußeren Sonnensystem reichlich vorhanden ist, gehen die Forscher davon aus, dass auch der nun postulierte verborgenen flüssige Titan-Ozean vornehmlich aus Wasser besteht.

Die Existenz eines sozusagen "unterirdischen" Wasserozeans auf Titan wäre jedoch alleine genommen noch ein Hinweis auf Leben. Wissenschafter vermuten jedoch, dass Leben immer dann sehr viel wahrscheinlicher wird, wenn Wasser auch mit Felsgestein in Berührung kommen. Ob das Wasser des auf Titan verborgenen Ozeans jedoch mit Fels oder Eis in Berührung kommt, kann aus den nun vorgelegten Daten noch nicht gefolgert werden.

Allerdings könnte ein Wasserozean den Wissenschaftlern Hinweise auf die Beantwortung der Frage geben, wie das Gas im Innern des Mondes gespeichert und daraus wieder an die Oberfläche abgegeben wird. "Alles, was den Titan so einzigartig macht, hängt vom reichlichen Vorhandensein von Methan ab. Das Methan in der Atmosphäre des Mondes ist jedoch zu instabil und wird schon auf geologische Weise in relativ kurzen Zeiträumen aufgelöst", erläutert der Cassini-Wissenschafter Jonathan Lunine von der Cornell University. "Wasser eines flüssigen Wasserozeans, angereichert mit Ammoniak, könnte durch die Eiskruste aufsteigen und dabei das im Eis gebundene Methan befreien. Zugleich könnte ein solcher Ozean auch als Tiefenreservoir des Methans dienen."


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