Dienstag, 24. Juli 2012

Archäologen finden Sonnenmasken-Pyramide der Maya


Eine von zahlreichen Maskendarstellungen des Maya-Sonnengottes auf der Außenseite der "Teufelspyramide" nahe El Zotz. | Copyright/Quelle: Stephen Houston, brown.edu

El Zotz (Guatemala) - Oberhalb der Maya-Stadt El Zotz in Guatemala haben Archäologen eine Pyramide entdeckt, deren Außenwände mit gewaltigen bemalten Stuck-Masken verziert sind und von der die Forscher vermuten, dass sie als Verbindung zwischen unter der Pyramide beigesetzten Herrscher und dem Sonnengott der Maya errichtet wurde.

Aufgrund früherer Funde an selbigem Ort im Jahre 2010, als das Team um Stephen Houston von der Brown University in Providence (USA) ein mit Artefakten und menschlichen Überresten angefülltes Grab fand, vermuten die Wissenschaftler nun, dass die Pyramide als Verbindung zwischen dem hier verstorbenen und beigesetzten Herrscher und der Sonne errichtet wurde.

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Laut den Archäologen stellen die großen Masken unterschiedliche Phasen des Tageslaufs der Sonne bzw. des Sonnengottes dar. Der Tempel selbst stammt aus der Zeit zwischen 350 und 400 n. Chr. und befindet sich direkt über dem herrschaftlichen Grab. Die sogenannte "Teufelspyramide" (Diablo Pyramid) selbst wurde später selbst wiederum teilweise zerstört, bedeckt und überbaut, weswegen die nun unterirdisch freigelegten Außenwände bis heute so gut erhalten sind.


Die unterirdischen Arbeiten an den Stuckreliefs der Teufelspyramide. | Copyright/Quelle: Stephen Houston, brown.edu

"Die Teufelspyramide gehört zu den am aufwändigsten dekorierten Bauten im antiken Amerika", erläutert Houston den Fund. "Die Stuckarbeiten erlauben einen bislang nicht dagewesenen Einblick in die Vorstellungswelt der Maya über ihren Götterhimmel, die Sonne und ihre direkte Verbindung zu den Maya-Königen und ihren Dynastien dar."

Bislang konnten die Archäologen erst 30 Prozent des Pyramidentempels freilegen. Anhand der bisherigen Funde gehen die Forscher davon aus, dass die knapp zwei Meter hohen Maskenreliefs die Basis der Pyramide verzieren und weitere flachere Terrassenebenen noch darüber liegen.

"Die Sonne", so erläutert Houston die derzeitige Interpretation der Maskendarstellungen, "war ein Symbol, das absichtlich mit den königlichen Herrschaftsdynastien und königlicher Macht verbunden wurde - schließlich handelt es sich bei der Sonne um das dominierende Himmelsobjekt. Sie geht jeden Tag auf und durchdringt alles, jede Ecke und jedes Versteck - ganz so wie man sich dies auch von der königlichen Macht erhoffte. (...) Das Gebäude diente also wahrscheinlich dazu, die Verbindung zwischen der Herrscher-Dynastie und der Sonnenmacht abzubilden. Auch stammt sie aus einer Zeit, in der Menschen von El Zotz und der nahen Maya-Stadt Tikal zum ersten Mal in Kontakt mit den Menschen von Teotihuacan, nahe dem heutigen Mexiko-Stadt, kamen. Die Pyramide könnte also auch aus diesem Grund als Symbol und zur Unterstreichung der lokalen Machtverhältnisse errichtet worden sein."

Auf einem Hügel oberhalb der Maya-Stadt El Zotz gelegen, war die gänzlich rot bemalte Pyramide vor rund 1.600 Jahren wahrscheinlich ein spektakulärer Anblick, der gerade bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang noch aus 25 Kilometern Entfernung zu sehen war.




Weitere Maskendarstellungen des Maya-Sonnengottes auf der Außenseite der Teufelspyramide nahe El Zotz. | Copyright/Quelle: Stephen Houston, brown.edu

Die Masken stellen wahrscheinlich den Sonnengott “K’inich Ajaw” dar. Eine Maske hat fischartige Eigenschaften und repräsentiert damit den Sonnenaufgang über dem östlichen Horizont, den die Maya mit der Karibik im Osten verbanden. Weitere Symbole zwischen den Masken stellen, so die Forscher, offenbar archaische Darstellungen der Venus und anderer Planeten dar.

Der Umstand, dass den Sonnenmasken in späterer Zeit die Atemregion, also Nasen und Münder (s. Abb.) sowie die sie genauer identifizierenden Glyphen zerschlagen wurden, deutet für die Forscher daraufhin, dass die Masken nicht nur als physische Strukturen sondern als lebendige (atmende) Wesen angesehen wurden. Ihre Zerstörung ging mit dem Erweiterungsbau der Anlage einher, der die Pyramide selbst bedeckte und stelle eine Form der Deaktivierung der Funktion des einstigen Gebäudes dar.

"Obwohl die Erbauer offenbar soviel Wert auf die Verzierung und Errichtung der Pyramide gelegt hatten, wurde sie nicht lange benutzt", erläutert Houston abschließend. "Vor Ort gibt es Hinweise, dass das Gebäude schon im fünften Jahrhundert nicht mehr benutzt wurde. Möglicherweise gab es damals einen Bruch in der herrschaftlichen Dynastienfolge."


A mask-nificent discovery
from Brown University on Vimeo.

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