Freitag, 6. Juli 2012

Forscher zuversichtlich: Hinweise auf Mars-Leben könnten in Reichweite des nächsten Rovers liegen


Die mobile Laboreinheit "Curiosity" bei Einsatz auf dem Mars (Illu.). | Copyright: NASA / JPL 

Greenbelt (USA) - Am 6. August 2012 soll die mobile Landeeinheit "Curiosity" der aktuellen NASA-Mission "Mars Science Laboratory" (MSL) am Fuße des Mount Sharp im Marskrater Gale landen und hier im Boden nach Hinweisen auf einstiges oder sogar noch heute vorhandenes Leben auf dem Roten Planeten suchen. Eine neue Studie kommt nun zu dem zuversichtlichen Schluss, dass diese tatsächlich in Reichweite des Rovers zu finden sein könnten.

Während Kritiker zuvor angemahnt hatten, dass die für "Curiosity" erreichbare Grabungstiefe von kaum mehr als 5 Zentimetern möglicherweise nicht bis zu im Boden erhaltenen Biomolekülen oder sogar Organismen vorstoßen könne, bestätigt die aktuell unter Alexander Pavlov vom Goddard Space Flight Center der NASA durchgeführte und im "Geophysical Research Letters" erscheinende Studie, dass die Beweise für Marsleben durchaus in Reichweite des Rovers liegen.

Neben einfachen organischen Molekülen, die jedoch auch durch nicht-biologische Prozesse wie Vulkanismus oder Meteoriteneinschläge entstehen können, stellen komplexe organische Verbindungen einen deutlich stärkeren Hinweis auf Leben dar. Entsprechende Moleküle, die aus bis zu 10 oder mehr Kohlenstoffatomen bestehen, könnten den Bausteinen des Lebens gleichen, wie sie von der Erde in Form von Aminosäuren bekannt sind, aus denen die Proteine bestehen.

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Obwohl derartig komplexere Kohlenstoff-Strukturen schwerer zu finden sind, da sie für die zersetzende Wirkung kosmischer Strahlung, die auf die Oberfläche des Mars einwirkt, deutlich anfälliger sind, geben die neuen Ergebnisse Hinweise darauf, wo "Curiosity" am besten mit der Suche nach ihnen beginnen sollte, wenn etwa die Grabungstiefe von jener Tiefe abhängig gemacht werden sollte, in die die schädliche Strahlung in den Marsboden vordringen kann.

Entsprechend dem Studienergebnis liegt die Wahrscheinlichkeit, auf komplexe Moleküle innerhalb der obersten zwei Zentimeter des Marsbodens zu stoßen, bei nahezu Null, da diese Oberflächenschicht im Laufe der vergangenen eine Milliarde Jahre 500 Millionen Grays (Die Einheit Gray = Gy gibt die durch ionisierende Strahlung verursachte Energiedosis an und beschreibt die pro Masse absorbierte Energie) an kosmischer Strahlung absorbiert hat, was zur Zerstörung aller bekannten organischen Moleküle führt. Zum Vergleich: Für einen Menschen ist eine Dosis von 50 Gy - ob nun direkt oder über lange Zeiträume absorbiert - tödlich.

Während also die direkte Oberflächenschicht des Marsbodens frei von organischen Molekülen sein sollte, reduziert sich die Strahlungsdichte in 5 bis 10 Zentimetern Tiefe schon auf nur noch 50 Millionen Gy - Bedingungen also, unter welchen einfache organische Moleküle wie beispielsweise einzelne Formaldehyd-Moleküle noch existieren können. An einigen Orten, etwa in vergleichsweise jungen Einschlagskratern könnten in dieser Tiefe dann auch komplexe organische Moleküle zu finden sein. "Wir wissen aber, dass organische Moleküle auf dem Mars sie existieren müssen. Alleine in Form der ständig auf den Mars niedergehenden kleinen Meteore gelangen tagtäglich organische Verbindungen auf den Mars. Bislang konnten wir sie aber einfach noch nicht finden."

Während die ideale Grabungstiefe von eineinhalb Metern und mehr für derzeitige Missionen aus Kostengründen nicht zu erreichen ist, wäre laut Pavlov und Kollegen also schon eine Tiefe ab 20 Zentimetern ideal, um auf einfache aber auch komplexe organische Moleküle zu stoßen. Doch auch die für "Curiosity" erreichbaren 5 Zentimeter könnten schon genügen, da zu erwarten ist, dass an einigen Orten auf dem Mars selbst in dieser Tiefe die Strahlenbelastung bei deutlich unter 50 Millionen Gy liegt - beispielsweise in Kratern die nicht älter als 10 Millionen Jahre alt sind, wenn hier durch die Einschläge Fels und Böden aus deutlich tieferen Schichten an die Oberfläche befördert wurden. "Wenn man vor Ort gräbt, sollte man die Natur für sich arbeiten lassen und junge Krater nutzen, die schon Material aus größeren Tiefen an die Oberfläche gebracht haben."

Während der Gale-Krater selbst rund 3,5 Milliarden Jahre alt ist, sollten sich in seinem rund 154 Kilometer durchmessenden Innern zahlreiche jüngere Einschlagskrater finden.

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Quelle: nasa.gov, agu.org
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