Donnerstag, 5. Juli 2012

Kein Weg zurück - Studie belegt: Durch Geo-Engineering entsteht ein neues Klima


Symbolbild: Klima | Copyright: grewi.de

Hamburg (Deutschland) - "Geo-Engineering", also das künstlich-technologische Eingreifen in natürliche klimatische Kreisläufe zur Umgestaltung klimatischer Verhältnisse auf der Erde und oder anderen Planeten, galt lange Zeit als potentielle Zauberformel gegen den vom Menschen verursachten Klimawandel. Ein Szenario anhand vier verschiedener Klimamodelle belegt nun jedoch, dass das sich der klimatische Zustand des vorindustriellen Zeitalters nicht wieder herstellen lässt und resümiert: Greift der Mensch in klimatische Prozesse ein, erzeugt er ein anderes, ein neues Klima.

Bisherige Geo-Engineering-Planspiele erhofften sich beispielsweise durch eine Reduktion der Sonneneinstrahlung bei gleichzeitiger Erhöhung des Treibhausgases CO2 die Klimaerwärmung wieder auf ein vorindustrielles Niveau reduzieren zu können. Selbst wenn eine Reduktion um zwei Grad auf diese Weise erreicht werden könnte, würde ein solcher Eingriff jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach die Verteilung der Niederschläge beeinflussen, so die im Fachjournal "Earth System Dynamics" erschienene Studie. Besonders in Nordamerika, in Europa und in der Amazonasregion würde es weniger regnen.

Für ihr Experiment fütterten die Forscher um Hauke Schmidt vom Max-Planck-Institut für Meteorologie die Klimamodelle mit einer vierfach so hohen CO2-Konzentration (GI-Szenario), verglichen mit dem vorindustriellen Referenzwert. Sie wollten herausfinden, wie das Klimasystem reagiert, wenn man die entstehende Erwärmung gegenreguliert - durch eine Reduktion der Sonneneinstrahlung.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Eine derartige Reduktion der Sonneneinstrahlung entsteht in der Natur nur kurzzeitig, etwa durch den Ausbruch eines Supervulkans und dem dabei entstehenden Schwefeldioxid in der Atmosphäre und hat einen kühlenden Effekt auf das Klima.

Mittels Geo-Engineering könnte man derartige Vorgänge imitieren. Beispielsweise, indem man die Atmosphäre mit Schwefel anreichert oder reflektierende Spiegel im All platziert. "Das Ergebnis des Simulationsexperiments zeigt aber, dass eine derartige Manipulation des Strahlungsantriebs ungeahnte Folgen für das Klima haben könnte", so die Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts. Statt des alten, vorindustriellen, würde allerdings ein neues Klima mit global veränderten Niederschlägen entstehen.

Den Grund hierfür erläutern die Forscher wie folg: "Die Minimierung von Treibhausgasen einerseits und eine reduzierte Sonneneinstrahlung andererseits wirken sich höchst unterschiedlich auf die globale Strahlungsbilanz aus. Während Treibhausgase relativ homogen die langwellige terrestrische Strahlung beeinflussen, wirkt ein 'Dimmen' der Sonne, beispielsweise durch Reflektoren im Weltall, nur auf den kurzwelligen Anteil der Strahlung. Dies hat lokale Auswirkungen auf die Regionen: dort wo die Sonneneinstrahlung stark ist (ganzjährig in den Tropen, in höheren Breiten während des Sommers) wirkt sich das 'Dimmen' auf die Entstehung von Niederschlägen aus. Durch die verminderte Sonneneinstrahlung verdunstet in den Tropen weniger Ozeanwasser. Außerdem werden die Luftmassen in den mittleren Breiten und Tropen nicht mehr so stark durchmischt. Beide Faktoren reduzieren den Transport von Wasserdampf, die Wolkenbildung und dadurch die Entstehung von Regen.

Das hat zur Folge, dass sich die globale Niederschlagsverteilung ändert. In weiten Teilen Nordamerikas und im nördlichen Europa wird, verglichen mit vorindustriellen Werten, bis zu 15 Prozent weniger Regen fallen. Mengenmäßig handelt es sich dabei um etwa hundert Millimeter jährlich, doch diese können gerade in trockeneren Vegetationszonen ausschlaggebend sein. Im Amazonasgebiet wird die Regenmenge sogar um 20 Prozent zurückgehen. Die Veränderungen in anderen tropischen Regionen sehen ähnlich aus. Global gesehen, entsteht ein Niederschlagsrückgang von durchschnittlich fünf Prozent, ein Wert, den alle vier Modelle gleichermaßen wiedergeben."

Stattdessen kommt die Studie zu dem Schluss, dass eine Minderung der Treibhausgase das Klima effektiver schützt als die Reduktion des Strahlungsantriebs. Die Autoren der Studie mahnen deshalb, dass ein derartiger Eingriff in die Klimaprozesse keine Ersatz-Strategie sein kann, um die globalen Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMAAbschwächender Golfstrom bringt Superstürme nach Europa

5. April 2012

Unabhängige Studie bestätigt globale Erwärmung

11. Oktober 2011
 
Climate Engineering: Bundesregierung legt Studie zur künstlich herbeigeführten Klimaveränderung vor
6. Oktober 2011

Klimawandel verkehrt: Chinas Schwefelemissionen bremsten Klimawandel

6. Juli 2011

Klimaforscher befürchten: Antarktisches Eisschild könnte schon "gekippt“ sein

27. Juni 2011

Meeresspiegel steigt heute schneller als je zuvor in den letzten 2000 Jahren

22. Juni 2011

Sonnenforscher: Solares Minimum führt nicht zur Klimaabkühlung
21. Juni 2011



Bücher zum Thema:

- - -

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quellen: mpg.de, mpimet.mpg.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE