Montag, 16. Juli 2012

Studie warnt vor Gesundheitsrisiken durch Mondstaub


Archiv: Buzz Aldrins Stiefelabdruck im feinkörnigen Mondboden. | Copyright: NASA

Stockholm (Schweden) - Während die Apollo-Astronauten der Mondumgebung gerade einmal zwei bis drei Tage ausgesetzt waren, planen Raumfahrtvisionäres derzeit schon mittelfristig langzeitbesetzte Mondstationen. Eine aktuelle Studie hat nun erstmals die Gefahren quantifiziert, denen Menschen angesichts des Mondbodens Regolith bei einem längeren Aufenthalt auf der Mondoberfläche ausgesetzt sind.

Wie das Team aus interdisziplinären Wissenschaftlern aus insgesamt fünf Ländern um Dag Linnarsson vom schwedischen Karolinska Institutet berichtet, stellt das Einatmen des feinstkörnigen Regoliths, mit dem schon die Apollo-Astronauten außer- und innerhalb ihrer Schutzanzüge zu kämpfen hatten (s. f. Abb.), neben der Strahlung die größte gesundheitliche Gefahr für potentielle irdische Mondbewohner dar. Schließlich könne trotz Schutz- und Filtervorrichtungen nicht ausgeschlossen werden, dass der Mondstaub auch in die Arbeits- und Wohnbereiche und von dort direkt in die Lungen zukünftiger Mondkolonialisten gelangt.

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Im Innern der Atmungsorgane könnte der extrem feine und zugleich scharfkantige Staub eine Vielzahl von Schäden hervorrufen und so schnell zu Atemwegs- und Herzkreislaufbeschwerden und einem erhöhten Krebsrisiko führen. Ganz wie Schadstoffe in vulkanischer Asche, so sind einige Partikel des Mondstaubs zudem fein genug, um tief ins Innere des Lungengewebes vorzudringen und könnten hinzu bei längerem Ausgesetztsein gegenüber Protonen und ultravioletter Strahlung an Gefährlichkeit zunehmen. Auch die verringerte Schwerkraft dürfte zudem dazu beitragen, dass die Partikel leichter innerhalb der Lungen transportiert werden können.


Selbst ins Innere der Mondlandemodule der Apollo-Missionen drang der Mondstaub vor: Hier der mit dem dunklen Regolith bedeckte Apollo-17-Astronaut Gene Cernan. | Copyright: NASA

Da der Mondstaub aufgrund fehlender Erosion auf dem Mond sehr scharfkantig und oft sogar von einer glasigen Schicht überzogen ist, wie sie durch Meteoriteneinschläge entstanden ist, sind durch den Kontakt mit dem Regolith Hautschäden vornehmlich an Fingern, Knöcheln, Ellbogen und Knien zu erwarten.

Der gleiche Umstand führt auch zu einem erhöhten Risiko für Augenschäden, wenn der Mondstaub durch Luftbewegungen - und auch hier gefördert von der reduzierten Schwerkraft auf dem Erdtrabanten - aber auch durch direkten Kontakt über Finger und andere von Staub bedeckte Objekte, in Kontakt mit den Augen kommt. Auch und gerade auf dem Mond seien "Verkratzungen der Augenhornhaut kein Vergnügen und könnten auf einer Mondstation zu wirklichen Notfällen führen", berichtet das NASA-Onlineportal "Astrobiology Magazine" (astrobio.net).

Weitere Untersuchungen - auch vor Ort und damit auf dem Mond selbst - seien nun notwendig damit die Risiken noch besser eingeschätzt werden und besser Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden können, so die Forscher.

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Quelle: NASA, astrobio.net
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