Montag, 2. Juli 2012

Wissenschaftler vermuten: Heute noch Mars-Leben auf Marsmond Phobos möglich


Simulation des Auswurfs von Marsmaterial bei größeren Einschlägen auf dem Mars in Bezug zu den Umlaufbahnen der beiden Marsmonde Deimos und Phobos. (Illu.). | Purdue University, Loic Chappaz 

West Lafayette (USA) - Bei der Suche nach Leben im Mars-System schlagen US-Wissenschaftler nun erneut eine Mission zum Marsmond Phobos vor. Einstiges Marsleben könnte durch große Asteroideneinschläge und mit deren Auswurfmaterial auf den Marsmond gelangt und dort heute noch zu finden sein.

"Allerdings sprechen wir hier von Mikroben und nicht von kleinen grünen Männchen", erläutert Professor Jay Melosh von der Purdue University schon vorab. "Eine Probe von Phobos, der sehr viel einfacher zu erreichen ist als der Mars selbst, würde mit großer Wahrscheinlichkeit Material vom Mars beinhalten, das durch große Asteroideneinschläge einst vom Mars losgeschlagen wurde. Wenn also während der vergangenen 10 Millionen Jahre Leben auf dem Mars existiert hat oder sogar immer noch existiert, so könnte eine Mission zu Phobos dort Beweise dafür finden."

Melosh selbst stand einem Team aus Wissenschaftlern vor, das vor dem Hintergrund der gescheiterten russischen Phobos-Mission "Grunt" im Auftrag der NASA ergründen sollte, ob Proben von Phobos genügend geologisch jüngeres Marsmaterial enthalten könnten, sodass darin Marsorganismen enthalten sein könnten. Die Studie wurde trotz des Fehlschlags von "Phobos Grunt" (...wir berichteten) weitergeführt, um möglicherweise für die Neuausrichtung des Mars-Programms der NASA (...wir berichteten) genutzt werden zu können.

Eine Erkundung von Phobos könnte demnach ein wichtiges Ziel des "Mars Exploration Program" der NASA sein, wie es die Ziele einer bemannten Erkundung des Mars jedoch mit reduzierten Kosten und Risiken erreichen könnte.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Anhand von Modellberechnungen auf der Grundlage der Einschlagskraterverteilung und der Umlaufmechanik von Phobos um den Mars, berechneten die Forscher, wie viel mars'sches Auswurfsmaterial auf diese Weise auf Phobos landet.

Laut den Forschern könnte eine 200-Gramm-Probe entsprechenden Auswurfsmaterials eines Asteroideneinschlags auf dem Mars etwa ein Zehntel Milligramm Oberflächenmaterial vom Mars beinhalten, das innerhalb der letzten 10 Millionen Jahre vom Mars weggesprengt wurde. Dieser Anteil könnte wiederum im besten Fall 50 Milliarden einzelne Partikel vom Mars beinhalten. Insgesamt könnte eine Phobos-Proben bis zu 50 Milligramm Marsoberflächenmaterial beinhalten, das junger als 3,5 Milliarden Jahre alt ist.

"Für unsere Einschätzung sind die jeweiligen Zeitspannen von besonderer Bedeutung, da aufgrund der intensiven Strahlenbelastung auf Phobos mögliches einst biologisches Material nach 10 Millionen Jahren zerstört worden ist" so Kathleen Howell. "Natürlich wäre auch älteres Marsmaterial bestenfalls noch reich an Informationen, doch schwindet mit dem Alter zusehends die Chance, in diesem auch noch auf Spuren von Leben zu entdecken oder sogar lebensfähige Organismen zur Erde zurückbringen zu können."

Die Wahrscheinlichkeit, dass Partikel vom Mars auf Phobos landen, hängt dabei zum einen von der Kraft des Einschlags und zu anderen vom Ort des Einschlags ab. "Wir schätzen, dass es innerhalb der vergangenen 10 Millionen Jahre mindestens vier sehr große Einschläge dieser Art auf dem Mars gegeben hat und haben uns auf die besonders großen Einschlagskrater konzentriert", so Howell weiter. "Wie sich herausstellte, ist es ganz gleich, wo Phobos sich gerade auf der Umlaufbahn um den Mars befindet - er fängt auf jeden Fall Auswurfpartikel dieser Ereignisse ein."

Innerhalb ihrer Studie identifizierten die Forscher zudem einen großen, etwa 60 Meter durchmessenden Marskrater, dessen Alter sie auf weniger als fünf Millionen Jahre schätzen. Seine Existenz belegt für die Wissenschaftler, dass Phobos sogar noch größere Mengen an Marsmaterial abgefangen haben könnte.

"Es liegt absolut innerhalb der Möglichkeiten, dass eine Phobos-Probe schlummernde Organismen vom Mars beinhalten könnte, die auf der Erde unter lebensfreundlicheren Bedingungen wieder zu Leben erweckt werden könnten", so die Forscher.

Auf diese Art und Weise könnten Marsmikroben sogar auch schon zur Erde gelangt sein: "Etwa eine Tonne an Marsmaterial landet jedes Jahr auf der Erde. Innerhalb des Sonnensystems gibt es einen deutlich größeren Materialaustausch, als die meisten von uns sich da bislang vorstellen könnten."

"Es ist nur schwer vorstellbar, dass in den Weiten des Alls Leben nicht auch an anderen Orten entstanden sein soll", so Howell abschließend. "Die Frage ist nur, ob sich die Lebensdauer dieser unterschiedlichen Lebensausformungen mit der des irdischen Lebens überschneidet und wir diese auch entdecken können. Selbst wenn wir in den Phobos-Proben keine Hinweise auf Leben finden würden, wäre das noch keine definitive Antwort auf die Frage, ob es eist einmal Leben auf dem Roten Planeten gegeben hatte oder nicht. Es könnte immer noch sein, dass Leben dort einfach vor zu langer Zeit existiert hatte, als dass wir es heute noch nachweisen könnten"

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Sonde liefert neue Aufnahmen von Marsmond Phobos

24. Januar 2011
Hinweise auf flüssiges Wasser auf Marsmond Phobos
21. September 2010
Marsmond Phobos: USA spekulierten einst über künstlichen Ursprung25. Februar 2010

Bücher zum Thema:
 
- - -

grenzwissenschaft-aktuell.de

Quellen: purdue.edua

Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE