Dienstag, 28. August 2012

Forscher finden ein Drittel weniger Leben auf der Erde als bislang vermutet


Satellitenmessung des Nährstoffgehalts in den Ozeanen. Die Punkte markieren die Stellen, an denen Proben genommen wurden. Im Südpazifik befindet sich eine große Zone, in der praktisch keine Nährstoffe messbar sind. | Copyright/Quelle: GFZ, Jens Kallmeyer

Potsdam (Deutschland) - Auf unserem Planeten gibt es deutlich weniger lebende Biomasse als bislang angenommen. Eine Untersuchung deutsch-amerikanischer Geoforscher stellt fest, dass bisherige Annahmen über die Menge an lebenden Organismen auf unserem Planeten um etwa ein Drittel reduziert werden müssen.

Wie die Forscher um Dr. Jens Kallmeyer vom Deutschen Geoforschungszentrum GFZ/Universität Potsdam aktuell im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Science" (PNAS) berichten, gingen bisherigen Schätzungen davon aus, "dass insgesamt etwa Tausend Milliarden Tonnen Kohlenstoff in allen lebenden Organismen auf der Erde gespeichert ist, davon etwa 30 % in den einzelligen Mikroorganismen im Meeresboden und 55% in Landpflanzen."

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Statt jedoch  etwa 300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff stecken nur etwa vier Milliarden Tonnen in den Mikroorganismen im Meeresboden. Damit sinke die Menge des global in allen Lebewesen gespeicherten Kohlenstoffs um etwa ein Drittel.

Wie die Forscher erläutern, beruhen die früheren Abschätzungen auf der Untersuchung von Bohrkernen, die hauptsächlich aus Bohrungen in der Nähe von Küsten oder in sehr nährstoffreichen Gebieten gewonnen wurden. "Etwa die Hälfte der Weltmeere sind aber extrem nährstoffarm, daher wurde schon seit etwa 10 Jahren vermutet, dass die Biomasse im Meeresboden stark überschätzt wird", erklärt Dr. Jens Kallmeyer den Forschungsansatz der Gruppe. "Allerdings gab es keine Daten zur Bestätigung dieses Verdachts."

Kallmeyer hat daher zusammen mit Kollegen von der Universität Potsdam und der University of Rhode Island Proben aus Sedimentbohrkernen fernab von Küsten und Inseln gesammelt. Die sechsjährigen Forschungsarbeiten zeigen, dass in diesen Meeresgebieten, die aufgrund ihrer Nährstoffarmut auch "Wüsten der Meere" genannt werden, bis zu hunderttausendmal weniger Zellen gefunden werden als in vergleichbaren Bohrkernen in Küstennähe.

Mit diesen neuen Daten berechneten die Wissenschaftler die Biomasse in marinen Sedimenten neu und kamen auf die genannten, drastisch niedrigeren Werte. Trotz des hohen logistischen und finanziellen Aufwands für marine Bohrexpeditionen gibt es mehr Daten über die Verteilung der lebenden Biomasse im Meeresboden als über ihr Vorkommen an Land. "Unsere neuen Ergebnisse zeigen, dass es erforderlich ist, auch die anderen Zahlen, wie z.B. für die Menge an Kohlenstoff in tiefen Sedimenten an Land neu zu berechnen", sagt Kallmeyer. Gerade die Erforschung der sogenannten "Tiefen Biosphäre", also des Lebens, das sich in mehreren Kilometern Tiefe im Gestein der Erdkruste findet, stecke in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen. Die nun vorliegenden Zahlen tragen dazu bei, ein genaueres Bild der Verteilung der lebenden Biomasse auf der Erde zu bekommen.


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