Freitag, 3. August 2012

Kontroverse Erklärungstheorien zum "Lotus-Phänomen"


Standbild aus den Aufnahmen des "Lotus-Phänomens" | Quelle: youtube.com

Saarbrücken (Deutschland) - Wenngleich geradezu zauberhaft anzuschauen, so haben die Videoaufnahmen von sich auf den ersten Blick wundersame Weise in einem Fluss in der chinesischen Provinz Sichuan bildende Blütenmuster unbekannter Herkunft (...wir berichteten) doch auch die Meinungen darüber stark entzweit, was das Phänomen verursacht so und zu einer Vielzahl von unterschiedlichen Reaktionen und Zuschriften an unsere Redaktion geführt. Im Folgenden haben wir diese Reaktionen und Meinungen darüber, was die "Blüten" entstehen lässt zusammengefasst.

Grundsätzlich können die zahlreichen Meinungen in drei Kategorien gefasst werden: Während die einen ein übersinnliches oder gar spirituelles Phänomen hinter den Lotusformen vermuten, glauben andere an eine Manipulation entweder der Filmbilder oder durch eine gezielte Einwirkung von Menschenhand in Form eines Tricks. Die dritte Gruppe hält die Bilder zwar selbst für authentisch, zeigt sich jedoch von einer natürlichen Erklärung für das Phänomen überzeugt.

Alles nur getrickst?


Die Vermutung, dass es sich schon bei den Aufnahmen selbst um manipulierte Bilder handelt, leiten die meisten Vertreter dieser Theorie davon ab, dass die "Blüten" angeblich immer dann nicht mehr zu sehen sei sollen, wenn sie in schattige Bereiche gleiten bzw. von Schatten und Spiegelungen - etwa von Palmen und Häusern - auf der Wasseroberfläche verdeckt werden. Betrachtet man die Videoaufnahme jedoch genau, dann ist zu erkennen, dass diese Beobachtung so nicht stimmt und die "Blüten", wenn auch nur sehr schwach, auch in diesen Bereichen des Flusses zu sehen sind. In einem Fall spiegelt sich sogar die (offenbar gekachelte) Struktur eines Gebäudes gitterartig in einer Blüte (siehe Timecode 2:45). Allerdings ist der Kontrast der Schatten bzw. der dunkel gespiegelten Objekte (Bäume, Häuser und Stromleitungen) gegenüber der den Himmel reflektierenden Wasseroberfläche des stark trüben Wassers so stark, dass die Blütenformen nahezu überdeckt werden - was jedoch wiederum Rückschlüsse auf ihre Eigenschaften ermöglicht (dazu später mehr). Anhand dieser Beobachtung kann auch die Vermutung ad acta gelegt werden, dass es sich bei den "Blüten" um eine – wie auch immer geartete Projektion von oben handelt.




Die "Blüten" sind auch im Schatten bzw. unter den Spiegelungen zu erkennen (s. Pfeile). | Quelle: youtube.com 

Auch für die Idee, dass es sich um einen Trick handelt, bei dem Öl oder Benzin (von oben) auf die Wasseroberfläche getropft wird und durch einen steifen Faden in Form einer Blüte am Ausbreiten über diesen Rand hinaus gehindert wird lässt sich anhand der Aufnahmen nicht erhärten. Die Bilder zeigen keinerlei Hinweise auf ein solches "Fadengerüst" noch darauf, dass hier etwas auf die Wasseroberfläche getröpfelt wird. Auch für die schon frühe Ausprägung der Blütenform die dann weiterhin anwächst liefert dieses Szenario keine Erklärung.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Über-Natürliche und spirituelle Energieformen?

Viele Zuschriften vermuten hingegen in den Blüten eine - wie auch immer geartete - Ausdrucksform unbekannter Naturkräfte oder gar Elementarwesen. Um letztere Vorstellung besser zu verstehen, wurde mehrfach auf die anthroposophische Sicht dieser "Naturgeister" und ihrer Ausdrucksformen mit folgendem Link verwiesen, den wir hier ebenfalls (unkommentiert) teilen möchten: http://wiki.anthroposophie.net/Elementarwesen.

Ungeschnittene Rohaufnahmen der Erscheinung im Lotus-Fluß


Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

Ein schönes aber ganz natürlich erklärbares Phänomen – natürlich oder (unbeabsichtigt) vom Menschen herbeigeführt?

Wie auch wir schon in unserer ersten Meldung angesichts des sich deutlich abzeichnenden schimmernden Films in der Mitte der Blüten vermuteten, gründet sich die "natürliche Erklärung" der meisten Zuschriften zum Phänomen grundsätzlich auf die Vorstellung, dass hier eine Flüssigkeit aus dem Flussbett austritt und sich an der Wasseroberfläche in der zu sehenden Blütenform ausbreitet.

Das Hauptproblem dieser Theorie ist jedoch die sich offenbar immer wieder einstellende Blütenform, da sich Flüssigkeiten in anderen Flüssigkeiten meist er chaotisch oder in sogenannten Fingern und Schlieren ausbreiten.

Eine Erklärung für diesen formbildenden Effekt könnte darin liegen, dass die an die Oberfläche tretende Flüssigkeit (um was auch immer es sich handelt) an oder unmittelbar unterhalb der Wasseroberfläche - etwa durch dein Einfluss von Licht oder in Kontakt mit der Luft und aufgrund unterschiedlicher Druck und Oberflächenspannungsverhältnisse - an der dünneren Außenseite plötzlich verhärtet, durch die weitere Ausbreitung einreißt und so die Peripherie der Blüten bildet, während sich der Prozess im noch dichteren Zentrum noch kurze Zeit fortsetzt und die "Blüte" so weiterhin wachsen lässt. Ein solcher Effekt würde dann auch den verfliegenden bzw. vermeintlich zusammenziehenden ölähnlichen Farbschimmer im Zentrum der Blüten als auch den Eindruck erklären, dass die Blüten zur Mitte zu dichter sind.

Würde dieser Effekt zudem noch kurz unmittelbar unter der Wasseroberfläche stattfinden, könnte dies auch erklären, warum die Blüten von leichteren Wellenbewegungen des Flusses offenbar unbeeinflusst bleiben (s. bei Timecode ca. 1:00; 1:43 u.ä.) während es ab 3:12 den Anscheint hat, als würden sie von einer stärkeren Störung der Wasseroberfläche mitbewegt werden.

Die meisten Vertreter dieser Erklärung stimmen jedoch darin überein, dass dieses "Verhalten aber ein sehr genaues Gleichgewicht zwischen Aushärtungsgeschwindigkeit, Härte und Ausbreitungsgeschwindigkeit erfordert, weswegen dieses Phänomen trotz der einfachen Erklärung nicht wirklich alltäglich".

Auch im Forum des "Abeitskreises Meteore e.V." (http://www.meteoros.de/php/viewtopic.php?t=9741) wurde das Phänomen ausschließlich wissenschaftlich diskutiert. Hier vermutet man etwa, "dass es sich um eine aus einer undichten Leitung (oder "entsorgtem" Kanister) tröpfchenweise austretende stark verdunstende Flüssigkeit handelt (z.B. Aceton oder Äther), wie man an der schnell verschwindenden Mitte der Blume sieht. Darin gelöst müsste eine sehr kleine Menge eines an Luft oder Wasser polymerisierenden Kunststoffes sein, der als beständiger Film übrig bleibt. Woher der äußere blumige Umriss kommt, kann ich aus dem Stegreif nicht sagen, das wird wohl stark vom gelösten Stoff abhängen. Aber unerklärlich scheint es mir nicht (...)"

Grundsätzlich werden neben von Menschen herbeigeführten Verunreinigungen auch austretende Fäulnisgase, Gemische aus flüchtigen Kohlenwasserstoffen oder paraffinhaltige Substanzen diskutiert, die den wie obig beschriebenen Effekt herbeiführen könnten.

Bislang ist uns allerdings noch nicht bekannt, dass der zu sehende Effekt schon zuvor künstlich herbeigeführt wurde oder seither gezielt reproduziert werden konnte.

Wäre doch nur jemand der offenbar ebenso erstaunten wie teilweise belustigten Zuschauer auf die Idee gekommen, vor laufender Kamera eine dieser Blüten herauszufischen oder auch nur einmal einen kleinen Stein danach zu werfen - wir wären schon sehr viel schlauer...

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Mysteriöses Lotus-Phänomen in China gefilmt 30. Juli 2012

grenzwissenschaft-aktuell.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE