Freitag, 10. August 2012

Seedrache: Neue Fischsaurierart und -gattung am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart entdeckt


Der Schädel der noch nicht wissenschaftlich benannten Fischsauerier-Art von Henningen.
| Copyright: Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, T. Buhl


Stuttgart (Deutschland) - Am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart wurde erstmals ein bedeutender Fischsaurierfund von 1975 wissenschaftlich untersucht. Wie sich zeigte, handelte es sich bei dieser Meeresechse um eine völlig neue Gattung und Fischsaurierart. Der Fund schließt zum einen die bisherige weltweite Fundlücke dieser Saurierart und belegt zum anderen, dass große Fischsaurier, sogenannte Ichthyosaurier, im Südwesten Deutschlands länger gelebt haben, als bisher angenommen.

Wie die Forscher um den kanadischen Gastwissenschaftlerin Dr. Erin Maxwell und den Stuttgarter Paläontologen Dr. Rainer Schoch aktuell berichten, stammt der Ichthyosaurier aus einem bisher praktisch "saurierfreien" Zeitalter (Mittlere Jura-Zeit) und ist ca. 175 Mio. Jahre alt.

Der neue Fischsaurier gehört in die Verwandtschaft des "Schwäbischen Seedrachen" (Suevoleviathan), der aus älteren Schichten von Holzmaden bekannt wurde. Damit können die Forscher nun davon ausgehen, dass die urtümlichen Seedrachen im Südwesten Deutschlands länger gelebt haben, als bisher angenommen.

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"Der Fischsaurier-Fund stammt aus einer inzwischen aufgelassenen Tongrube bei Heiningen im Kreis Göppingen und wurde im Jahr 1975 bei einer Grabung geborgen", erläutert die Pressemitteilung des Museums (naturkundemuseum-bw.de). "Danach kam der Fund in die Sammlungen des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart und lag seit damals sicher verwahrt in der wissenschaftlichen Sammlung des Museums. Dort ruhen zahlreiche fossile Schätze – und Arbeit für Jahrhunderte. Denn die geborgenen Fossilien müssen meist in oft monatelanger Arbeit präpariert werden, bevor sie Informationen für die Wissenschaftler preisgeben oder reif für die Präsentation in Ausstellungen sind. Da die Arbeitskraft knapp ist, müssen die Forscher sorgfältig auswählen, welche Fossilien bearbeitet werden"

Alleine der Schädel des einstigen "Seeungeheuers" ist 1,6 Meter lang, weswegen die Forscher von einer Gesamtkörperlänge von etwa 7,5 Metern ausgehen. "Der Fischsaurier-Fund widerlegt frühere Vorstellungen und hilft uns bei der weiteren Erforschung der Saurier, ihrer Entwicklung und Lebensweise", so Schoch. "Aufgrund dieses Fundes können wir sogar Aussagen über die Umwelt der Meeresechsen vor 175 Mio. Jahren treffen.“ Für den Urzeit-Forscher ergeben sich dadurch weitere wichtige Rückschlüsse auf die Evolution dieser Tiergruppe.


Alle Teile des Fundes in der Sammlung des Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. | Copyright: Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, T. Wilhelm

Damit zeigt auch der Henninger Fund, dass Fischsaurier mit ihrem stromlinienförmigen Körper vollkommen an die Lebensweise im Jura-Meer angepasst und echte Erfolgsmodelle der Evolution waren. Die delphinähnlichen Meeresechsen erlangten bisher vor allem durch viele spektakuläre Funde aus den Ölschiefern in Holzmaden am Fuße der Schwäbischen Alb (Untere Jura-Zeit vor ca. 180. Mio. Jahren) große Berühmtheit. Die weltweit einmalige Besonderheit der baden-württembergischen Fundexemplare unterstreicht nun auch der aktuell bearbeitete, 3-dimensional erhaltene Fund. Da es sich bei diesem Fischsaurier um eine neue Gattung und Art handelt, hat die Meeresechse noch keinen wissenschaftlichen Namen. Dieser wird von den Forschern noch festgelegt.

Für die Besucher des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart ist der Schädel des Fischsauriers im September und Oktober 2012 im Museum am Löwentor zu sehen.

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