Mittwoch, 15. August 2012

Studie weckt Zweifel an Beweis für Vermischung von Neandertalern und modernen Menschen


Symbolbild: Modelldarstellung der DNA (Illu.). | Copyright: Univsersity of Cambridge

Cambridge (England) - Die Nachricht ging 2010 um die Welt: Europäer tragen Spuren der Vermischung des modernen Menschen mit Neandertalern in den Genen. Mit dieser Erkenntnis aus der erstmaligen Entschlüsselung der vollständigen Genomsequenz des Neandertalers galt die Theorie, dass frühe modernen Menschen sich mit Neandertalern erfolgreich gepaart hatten, als bewiesen (...wir berichteten). Eine neue Studie britischer Wissenschaftler stellt diese Schlussfolgerung nun jedoch in Frage.

Wie die Wissenschaftler um Dr. Andrea Manica, von der University of Cambridge aktuell im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, deuten die Daten vielmehr auf einen gemeinsamen Vorfahren der beiden Menschenarten hin als auf eine Vermischung von Homo sapiens und Neandertaler.

Aus den Analysen, die Wissenschaftler um Prof. Dr. Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig (eva.mpg.de) 2010 präsentierten, wurde abgeleitet, dass etwa 1 bis 4 Prozent der DNA heutiger Europäer auf DNA des vor rund 30.000 Jahren ausgestorbenen Neandertalers zurückgeht. "Diejenigen von uns, die außerhalb Afrikas leben, tragen ein kleines bisschen Neandertaler in sich", erläuterte Pääbo die damaligen Ergebnisse. Zur Vermischung der beiden Arten sei es gekommen, als die frühen modernen Menschen den afrikanischen Kontinent verlassen hatten und in Europa auf die hier bereits beheimateten Neandertaler trafen.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Die nun vorgelegte Studie der britischen Forscher kommt zu einem anderen Ergebnis und behauptet, dass ein gemeinsamer Vorfahre die gemeinsame DNA viel besser erklärt, als eine sexuelle Vermischung der Arten. "Sämtliche Gemeinsamkeiten", so die Forscher, "können durch einen gemeinsamen Ursprung erklärt werden, ohne dass Neandertaler-DNA in die moderner Menschen eingeflossen sein muss."

Der gemeinsame Vorfahr von modernem Menschen und Neandertaler müsste demnach vor etwa einer halben Million Jahren sowohl in Afrika als auch in Europa beheimatet gewesen sein. Populationen dieses Vormenschen hätten sich nicht in allen Teilen der Kontinent gleich miteinander vermischt, sodass es Populationen gegeben hatte, die sich genetisch näher standen als andere, weit von einander entfernte Populationen.

Vor rund 350.000 bis 300.000 Jahren, so das neue von Manica und Kollegen, sollten sich dann die europäische und afrikanische Linie dieses gemeinsamen Vorfahren voneinander getrennt haben: Während die europäischen Teile sich zum Neandertaler entwickelten, entstanden in Afrika die ersten modernen Menschen.

"Unsere Studie zeigt, dass die Muster, wie wir sie derzeit im Neandertaler-Genom finden, nicht außergewöhnlich sind", erläutert Manica. "Sie liegen sogar auf einer Linie mit unseren Erwartungen dessen, was wir auch ohne eine Vermischung sehen sollten. Sollte also eine Vermischung stattgefunden haben - ein Szenario, das wahrscheinlich nie vollständig widerlegt werden kann - so hatte diese einen deutlich geringeren Einfluss auf das Genom des Homo sapiens als derzeit behauptet wird. (...) Die Muster der Neandertaler-DNA in unseren Genen sind aber kein Beweis für eine solche Vermischung."

WEITERE MEDUNGEN ZUM THEMA
DNA-Analyse belegt: Urzeitmenschen paarten sich mit unbekannter Spezies 31. Juli 2012
Wissenschaftler entschlüsseln vollständiges Genom einer ausgestorbenen Menschenform aus einem Fossil 8. Februar 2012
Denisova-Mensch war weder Neandertaler noch moderner Mensch 26. Dezember 2010
 
Gen-Analyse beweist: Menschen und Neandertaler haben sich doch vermischt 7. Mai 2010
Sensationsfund: Unbekannte Menschenart in Sibirien entdeckt
25. März 2010


grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: am.ac.uk
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE