Samstag, 22. September 2012

Auch Krähen erkennen verdeckte Ursachen


Die Neukaledonische Geradschnabelkrähe (Illu). | Copyright: John Gerrard Keulemans, Public Domain

Auckland (Neuseeland) - Neukaledonische Krähen gelten schon lange als besonders intelligente Vögel, die selbst komplexe Aufgaben lösen können und nicht nur Werkzeuge nutzen sondern diese auch selbst herstellen (...wir berichteten, s. Links). Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass Krähen auch in der Lage sind verdeckte Ursachen zu erkennen. Diese Fähigkeit, auf eine versteckte Ursache schließen zu können, galt bislang als rein menschliche Domäne.

Wie Alex Taylor von der University of Auckland gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Cambridge und Wien aktuell im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) berichtet, wurde acht Neukaledonischen Geradschnabelkrähen (Corvus moneduloides) beigebracht, mit Hilfe von Werkzeugen Futter aus einer nur mit einem kleinen Loch zugänglichen Kiste zu entnehmen.

In der Voliere war vor diesem Kasten nun auch ein Vorhang montiert, hinter dem ein Stock hervorschaute. In einem ersten Versuch betraten, während die Vögel nach Futter angelten, zunächst zwei Personen den Käfig. Während eine Person für die Vögel sichtbar neben dem Vorhang still stehen blieb, ging die zweite Person hinter den Vorhang, war somit für die Tiere nicht mehr sichtbar, woraufhin sich der Stock deutlich sichtbar zu bewegen begann. Auf diese Bewegung reagierten die Krähen verunsichert - wie durch eine potentielle Bedrohung. Danach verließen wieder beide Personen, für die Tier deutlich sichtbar - die Voliere.

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"Wenn die Krähen in der Lage sind, den sich hinter dem Vorhang versteckenden Menschen als Ursache der Bewegung des Stocks zu verstehen, dann müssten sie ebenso schlussfolgern können, dass sich der Stock nicht mehr bewegen kann, wenn beide Personen die Voliere verlassen haben, sollten sich dann auch wieder entsprechend sicher fühlen und mit er Futtersuche fortfahren", so die Forscher.

In einem zweiten Versuch betrat dann nur noch eine Person den Vogelkäfig und verblieb ebenfalls für die Tiere sichtbar jedoch reglos. Der Platz hinter dem Vorhang blieb also leer. Durch eine vor den Vögeln verborgenen Mechanik wurde der Stock nun aber dennoch von außerhalb der Voliere bewegt und auch nach diesem Vorgang verließ die Person deutlich sichtbar den Käfig.

"Wenn die Krähen Zusammenhänge begreifen können, müssten sie jetzt davon ausgehen, dass sich der Stock weiterhin bewegen könnte", sagen die Forscher. Denn die verborgene Ursache, ein Mensch hinter dem Vorhang, könnte rein theoretisch ja immer noch da sein, weil sich der Stock bewegt, und sie keine weitere Person dabei beobachten konnten, wie sie den Käfig verließ."

Tatsächlich so berichten die Forscher, unterschied sich das Verhalten der Krähen in den beiden Durchgängen deutlich: "Die Vögel blieben im zweiten Versuch misstrauischer und untersuchten Stock und Vorhang ganz genau. (...) Vier Vögel hörten danach ganz auf, im Kasten nach Futter zu suchen." Noch im ersten Versuch, bei dem die versteckte Person den Käfig deutlich sichtbar verlassen hatte, sei dies nicht vorgekommen.

Aus diesem Verhalten schlussfolgern die Forscher, dass die Vögel den ursächlichen Zusammenhang zwischen der Anwesenheit eines Menschen hinter dem Vorhang und dem sich bewegenden Stock erkannt hätten - auch wenn der Mensch zum Zeitpunkt der Stockbewegung für sie nicht sichtbar war.

"Die Fähigkeit zu überlegen und zu erkennen, warum sich ein unbelebtes Objekt bewegt, ist in vielen ökologischen Situationen von großem Vorteil", so Taylor. Die Studie ist damit die erste ihrer Art, deren Ergebnisse nahe legen, dass auch Tiere die Fähigkeit haben, Folgerungen aus beobachteten Situationen heraus zu ziehen. Ob auch andere Tierarten diese Fähigkeit besitzen, sollen nun zukünftige Experimente klären.

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