Montag, 10. September 2012

Einige Tonmineralien auf dem Mars könnten auch von Lava herrühren


Satellitenaufnahme des Mururoa Atolls im Pazifik. | Copyright: NASA

Poitiers (Frankreich) - Tonmineralien, wie sie auf dem Roten Planeten bereits an verschiedenen Orten entdeckt wurden, galten bislang als fast schon eindeutiger Beweis dafür, dass diese Böden einst am Grunde großer und langfristig vorhandener Gewässer durch den Kontakt mit Wasser entstanden waren. Eine neue Studie stellt diese Schlussfolgerung nun jedoch in Zweifel und zeigt, dass zumindest einige der bislang bekannten Tonerden auch das Ergebnis von Lava sein könnten. Die Studie stellt somit zugleich die bislang gehegte Vorstellung einiger Marsregionen als einst lebensfreundliche Regionen in Frage.

Die Tonminerale, wie sie mittlerweile in zahlreichen Marsregionen nachgewiesen werden konnten, stammen aus der sogenannten Noachischen Periode vor etwa 4,2 bis 3,5 Milliarden Jahren. Damals war die Marsoberfläche offenbar warm genug, um die Existenz flüssigen Wassers und damit die Grundlage für Leben, wie wir es von der Erde kennen, zu ermöglichen.

Die Mineralien, so bisherige Vorstellungen von Planetenwissenschaftlern könnten sich damals auf zwei Arten gebildet haben: Entweder durch den Kontakt des Oberflächenbodens mit stehenden Gewässern oder andererseits durch Wasser, dass aus tieferen Schichten durch hydrothermalen Quellen an die Oberfläche sprudelte.

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Die neue Analyse internationaler Wissenschaftler um Alain Meunier von der Université de Poitiers von Marsmeteoriten wurde im Fachmagazin "Nature Geoscience" veröffentlicht und weist nun auch auf die Möglichkeit hin, dass einige der auf dem Mars entdeckten Tonminerale auch auf eine andere Weise entstanden sein könnten.

Die Ergebnisse offenbaren auffallende chemische Ähnlichkeiten der Marsmineralien aus der Noachischen Periode mit Tonerden auf Mururoa, ein Atoll in Französisch Polynesien, das sich aus sich abkühlender wasserreicher Lava gebildet hatte.

Auch der Umstand, dass einiger der alten Mars-Tonminerale mehrere hundert Meter dick sein können, spreche sehr viel eher für die Vorstellung, dass sie durch Lavaflüsse statt durch Kontakt mit Wasser entstanden seien.

Ein Weg, die Theorie von Allain Meunier und Kollegen zu überprüfen, wäre eine Analyse der Struktur der betroffenen Böden mit einem hochauflösenden Mikroskop, da jedes der bekannten Szenarios der Entstehung der Tonmineralien individuelle Merkmale erzeugt. Zwar verfügt die seit etwa einem Monat auf dem Mars im Rahmen der NASA-Mission "Mars Science Laboratory" (MSL) agierende mobile Laboreinheit "Curiosity" auch über ein Mikroskop, doch sei dieses nicht gut genug, um diese Unterscheidung zu ermöglichen, so die Forscher.

Eine andere Möglichkeit, so berichtet der "New Scientist" (newscientsit.com), wären chemische Analysen und die Suche nach seltenen Elementen. Hierzu wäre jedoch der Transport von Marsproben zur Erde notwendig - auch hierfür ist die derzeitige Mars-Mission nicht in der Lage. 

Dennoch zeigen sich Wissenschaftler weiterhin hoffnungsvoll, dass der Mars-Rover "Curiosity" in seinem Einsatzgebiet, dem Gale-Krater, auf Tonmineralien stoßen wird, die eindeutig durch die Interaktion mit flüssigem Wasser entstanden sind: "Die Tatsache, dass es sich bei dem Gale-Krater kurzum um ein sehr tiefes Loch in der Marsoberfläche handelt, lässt die dortigen Tonerden viel eher mit der Theorie erklären, dass es sich hier einst um einen große See und nicht um einen Vulkan gehandelt hat", erläutert Bethany Ehlmann vom California Institute of Technology in Pasadena, eine der Mitautorinnen der Studie. "Ich glaube Gale ist ein sicheres Ziel für Wasser als Erklärungen für die Tonmineralien. Wenn wir die neue Theorie überprüfen wollen, müssen wir an anderer Stelle auf dem Mars suchen."

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