Dienstag, 25. September 2012

Einzigartiger Planet: Merkurs Oberfläche gleicht seltenen Meteoriten


Die Oberflächenfarben des Merkur (u.) im Vergleich zur früheren Ansicht des innersten Planeten (o.). | Copyright: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington

Washington (USA) - Der innerste Planet Merkur unterscheidet sich deutlich von allen anderen Planeten im Sonnensystem. Tatsächlich erscheint die Oberfläche von Merkur vielmehr wie die einer seltenen Art von Meteoriten als der eines Planeten. Immer noch offen ist zudem die Frage nach Wassereis an den Polen des Planeten.

Wie die Forscher um Shoshana Wieder von der Carnegie Institution of Washington im "Journal of Geophysical Research-Planets" berichten, stützt sich die neue Studie auf Analysen der Daten der NASA-Merkur-Sonde "Messenger".

Frühere Untersuchungen hatten nahe gelegt, dass große Teile des Merkur (etwa sechs Prozent seiner Oberfläche und damit rund 60 Prozent der Landfläche der USA) mit einer dicken Schicht verfestigter Lava überdeckt sind, die sich vor 3,5 bis 4 Milliarden Jahren begann abzukühlen und so vor allem die nördlichen sanften Ebenen formte.

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Während derartige Lava-Ebenen auf Planeten im Sonnensystem nicht selten und sowohl auf der Venus, der Erde und dem Mars zu finden sind, belegen 205 Messungen der Messenger-Sonde mit einem Röntgenspektrometer, dass sich der größte Teil der Oberfläche des Merkur von den anderen inneren Planeten des Sonnensystems deutlich unterscheidet.

"Da es sich um den der Sonne am nächst gelegenen Planeten handelt, hat sich seine frühe Entstehungsgeschichte wahrscheinlich unter anderen, extremeren Bedingungen abgespielt als die der anderen Planeten", erläutert Wieder. So sei Merkur erwartungsgemäß deutlich heißeren Temperaturen und stärkeren Gravitationsfeldern ausgesetzt gewesen als etwa Venus, Erde und Mars.

Die Oberfläche des Merkur wird demnach von magnesiumreichen Mineralien dominiert und ist mit Schwefel angereichert, weswegen diese vielmehr Enstatit-Chondriten, einer seltenen Art von Meteoriten, die unter hohen Temperaturen und in Umgebungen mit niedriger Sauerstoffkonzentration im inneren Sonnensystem entstanden sind, gleicht.

"Die Ähnlichkeit der wesentlichen Bestandteile dieser Meteoriten und der Merkuroberfläche führen uns zu der Annahme, dass entweder der Merkur durch die Akkretion des selben Materials - aus dem auch diese Enstatit-Chondriten bestehen - entstand, oder, dass sowohl diese Meteoriten als auch der Merkur einen gemeinsamen Vorgänger-Körper besitzen", zitiert "Space.com" den Planetenwissenschaftler.

Falschfarbendarstellung der Südpolregion des Merkurs. | Copyright: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington

Immer noch offen ist hingegen die Frage nach Wassereis an den Polen des Planeten. Zumindest offenbarten die Radarmessungen der Sonde entsprechend charakteristisch reflektierende Ablagerungen, für die Wissenschaftler bislang nur Wassereis in immerdunklen Kratern als beste Erklärung finden konnten. Tatsächlich bestätigen die neuen Aufnahmen nun, dass die Orte, an denen dieses reflektierende Material bislang geortet wurde, mit immerdunklen Kratern am Südpol des Planeten und ausschließlich mit schattigen Regionen am Nordpol übereinstimmen - was die Wassereishypothese ein weiteres Mal zu bestätigen scheint. Ein eindeutiger Beweis ist es jedoch noch nicht. Diesen erhoffen sich die Wissenschaftler nun von den noch andauernden und ausstehenden Messungen des Neutronenspektrometers und des Laser-Höhenmesser (MLA) an Bord der Sonde.

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Quelle: NASA, space.com
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