Dienstag, 18. September 2012

Funde belegen: Schon vor 300.000 Jahren waren Frühmenschen geschickte Jäger


Einer der am besten erhaltenen Speere an der Fundstelle Schöningen. | Copyright: Nicholas J. Conard, Universität Tübingen, uni-tuebingen.de

Tübingen (Deutschland) - Die Entdeckung der bislang ältesten Jagdwaffen in Form von acht erstaunlich gut erhaltenen und etwa 300.000 Jahren alten Speeren an der altpaläolithische Fundstelle in Schöningen, lösten heftige Diskussionen und neue Fragen zur damaligen Lebensweise der Hominiden in Mitteleuropa aus. Die Speere sowie Steinartefakte und Tierreste zeigen, dass die Menschen bereits damals geschickte und erfolgreich angepasste Jäger waren, die dem modernen Menschen in ihrer Planungstiefe, ihrem Abstraktionsvermögen und ihrer reichen Erfahrung sehr ähnlich waren.

Wie die Forscher um Prof. Nicholas Conard und Dr. Jordi Serangeli, beide vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen aktuell berichten, gehörten die Waffen zwar höchstwahrscheinlich zur Art "Homo heidelbergensis", allerdings wurden bisher noch keine Knochen von Menschen am Fundort entdeckt.

Unter Luftabschluss blieben sowohl große Knochen von Säugetieren wie Elefanten, Nashörnern, Pferden und Löwen, als auch Reste von Amphibien, Reptilien, Muscheln und sogar Käferflügel erhalten. Ähnliches gilt für die Flora, von der nicht nur Hölzer von Schwarzerle, Kiefer und Tanne, sondern auch Zapfen, Blätter, Pollen und Samen vieler anderer Pflanzen in bester Qualität erhalten sind. "Alle Funde lagen bis zu der Eröffnung des Schöninger Braunkohle-Tagebaus unter dem Grundwasserspiegel, der vor 30 Jahren künstlich gesenkt wurde", erläutert die Pressemitteilung der Universität.

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Zu den wichtigsten Funden der letzten vier Jahre gehören die Reste eines Wasserbüffels im archäologischen Kontext, ein fast vollständig erhaltener Auerochse, einer der ältesten in Mitteleuropa, und mehrere Konzentrationen von Steinartefakten, Knochen und einzelne Hölzer. "Die Funde zeigen, dass hier nicht eine einzelne Fundstelle, sondern eine ganze Fundlandschaft untersucht wird. Schöningen ist dadurch nicht nur für Archäologen, sondern auch für die Quartärökologie und die Klimaforschung eine weltweite Referenz", so die Archäologen.

Um der Öffentlichkeit einen Einblick in die Arbeit der Archäologen zu verschaffen, entsteht derzeit das "paläon", ein Forschungs- und Erlebniszentrum, das auch als außerschulischer Lernort 2013 eröffnet wird.

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