Montag, 17. September 2012

Hat NASA-Rover Beweise für Leben auf dem Mars gefunden?


Die 2004 im Marskrater Endeavour entdeckten Sphärulen. | Copyright: NASA/JPL

Perth (Australien) - Im Sommer 2004 überraschte der Mars-Rover "Opportunity" die Forscher mit der Entdeckung kleiner kugelförmiger Einschlüsse in einem geologischen Aufbruch an seiner Landestelle. Die als "Blueberries" (Blaubeeren) bezeichneten Sphärulen (...wir berichteten, s. Links) waren einer der ersten direkten Hinweise auf eine einst wärmere, feuchtere und damit potentiell lebensfreundliche Umgebung auf dem Roten Planeten - entstanden ähnliche Einschlüsse auf der Erde doch in einst wässrigen mineralreichen Umgebungen. Nachdem bislang rein chemische Vorgänge für die Bildung der "Blaubeeren" verantwortlich gemacht wurden, zeigt eine neue Studie australischer Wissenschaftler nun, dass zumindest bei der Entstehung der irdischen Gegenstücke Mikroben eine wichtige Rolle spielen. Die Sphärulen auf dem Mars könnten also ebenfalls zumindest auf einstiges mikrobisches Leben hindeuten.

Wie die Forscher um David Wacey und Matt Kilburn von der The University of Western Australia gemeinsam mit Kollegen von der University of Nebraska aktuell im Fachjournal "Geology" berichten, bestehen die irdisches Gegenstücke der "Mars-Balubeeren", wie sie im Navajo-Sandstein in der Nähe des Colorado River im US-Bundesstaat Utah in unterschiedlichen Größen gefunden werden können (sogenannte Moqui-Marbles, s. Abb.), aus einer harten Schale aus Eisenoxid und einem weicheren sandigen Kern im Innern.


Irdische Gegenstücke der "Mars-Blaubeeren": Hämatit-Konkretionen aus Utah, sogenannte Moqui Marbles (der Würfel "W" hat eine Kantenlänge von einem Zentimeter). | Copyright: Paul Heinrich, cc-by-sa 3.0

Frühere Theorien erklärten ihre Entstehung durch einfache, rein chemische Reaktionen (Konkretion), ohne, dass hierzu Lebensprozesse notwendig wären. Wie die Forscher nun jedoch aufzeigen, spielen Mikroben eine wichtige Rolle bei der Entstehung der irdischen Sphärulen. "Diese Erkenntnis" so die Forscher wirft die berechtigte Frage auf, ob auch die mars'schen Blaubeeren nicht nur Beweise für einstiges Wasser sondern auch für Leben sind".

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Für ihre Analysen verwendeten die Wissenschaftler die hochauflösenden Analyseverfahren der NanoSIMS am Centre for Mikroscopy, Characterisation and Analysis der Universität und konnten damit einen deutlichen Zusammenhang zwischen Formen mikrobischer Fossilien und der Konzentration biologischer Elemente wie Kohlenstoff und Stickstoff in den irdischen Sphärulen nachweisen.

Jetzt hoffen die Wissenschaftler, dass auch die mobile Laboreinheit "Curiosity" der aktuellen NASA-Mission "Mars Science Laboratory" (MSL) im Gale-Krater auf "Blueberries" stößt, da dieser u. a. speziell darauf ausgerichtet ist, mineralogische Analysen durchzuführen, organisches Material nachzuweisen und hochauflösende Aufnahmen anzufertigen.

Tatsächlich kam dieser Tage jedoch eine neue Entdeckung des immer noch aktiven Rovers "Opportunity" seinem Nachfolger "Curiosity" zuvor: Acht Jahre, nachdem er erstmals auf die "Blueberries" gestoßen ist, hat die mobile Landeeinheit am 6. September weitere kugelförmige Einschlüsse im Marsgestein entdeckt, die sich jedoch von den 2004 entdeckten Sphärulen unterscheiden und so die Forscher erneut vor ein Rätsel stellen.


Diese am 6. September 2012 von "Opportunity" entdeckten kugelförmigen Einschlüsse unterscheiden sich von den 2004 entdeckten "Blueberries". (HIER finden Sie eine vergrößerte Version der Aufnahme.) | Copyright: NASA/JPL-Caltech/Cornell Univ./ USGS/Modesto Junior College

Entdeckt hat der Rover die neuen Einschlüsse in einem geologischen Aufbruch mit der Bezeichnung Kirkwood im sogenannten Cape-York-Segment im Endeavor-Krater. Die Kügelchen messen 3 Millimeter im Durchmesser. Erste Analysen legen nahe, dass diese Sphärulen jedoch keinen mit den Blueberries vergleichbaren hohen Anteil von Eisen(oxid) aufweisen.

"Diese Aufnahme gehört zu den außergewöhnlichsten Entdeckungen der gesamten Mission", erläutert der Hauptuntersucher der "Opportunity"-Mission, Steve Squyres von der Cornell University in Ithaca. "Kirkwood ist dicht gepackt mit diesen kugelförmigen Objekten. Natürlich dachten wir zunächst direkt an die zuvor entdeckten Blueberries. Doch dann stellten wir fest, dass es sich hier aber um etwas anderes handelt. Wir haben noch nie zuvor eine vergleichbar dicht konzentrierte Ansammlung von Sphärulen auf dem Mars gesehen. (...) Sie unterscheiden sich in ihrer Konzentration, Zusammensetzung, Struktur und Verteilung. Das ist ein wunderbares geologisches Rätsel. Bislang haben wir verschiedene Erklärungsansätze aber noch keine favorisierte Hypothese. Die Lösungsfindung wird wohl auch noch eine ganze Weile dauern. Wir müssen jetzt offen für alles sein."

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Quelle: uwa.edu.au, nasa.gov
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