Mittwoch, 5. September 2012

Kontroverse um Ostee-Anomalie: Schatztaucher widersprechen Kritik von Geologen


Erste Sonaraufnahme (2011) der mysteriösen Struktur am Grunde der Ostsee. | Copyright: oceanexplorer.se

Norrtälje (Schweden) - Neue Kontroversen um die kreisrunde Struktur am Grund der Otsee, die Schatztaucher im Herbst 2011 auf Sonaraufnahmen entdeckt und seither in zwei Tauchgängen erkundet haben - ohne jedoch Natur oder Herkunft der "Ostsee-Anomalie" identifizieren zu können (...wir berichteten, s. Links). Jetzt haben Geologen den Fund kommentiert und bezweifeln, dass es sich dabei um etwas anderes als eine fast schon gewöhnliche Struktur handelt. Dieser Einschätzung widersprechen die Entdecker indes vehement.

Zuvor hatten die professionellen Schatztaucher Peter Lindberg und Dennis Asberg vom "Ocean-X-Team" (oceanexplorer.se) wiederholt erwähnt, dass auch hinzugezogene Geologen von dem Fund und den von den Tauchern an die Oberfläche gebrachten Materialproben verblüfft seien und ebenfalls keine Antwort auf die Frage nach Herkunft und Natur der Struktur geben zu können.

Tatsächlich wurden etwa dem Geologen Volker Brüchert von der Stockholms Universitet Proben vom Meeresgrund zur Analyse übergeben. Schwedische Zeitungen zitierten den Wissenschaftler danach mit den Worten: "Ich war überrascht als ich das Material untersuchte und dabei einen großen schwarzen Stein entdeckte, bei dem es sich um Vulkangestein zu handeln scheint. Meine Hypothese ist, dass die besagte Struktur während der letzten Eiszeit entstand."

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Auf Anfrage der Internetseite "LifesLittleMysteries.com" widersprach Brüchert dieser Interpretation seiner Aussagen dann jedoch deutlich und erklärt, dass er alles andere als davon überzeugt ist, dass an dem Ostsee-Objekt überhaupt irgendetwas mysteriös sein könnte: "Was das 'Ocean-X-Team' großzügig ignoriert ist die Tatsache, dass die meisten Proben, die uns bislang aus der Tiefe vorgelegt wurden aus Granit, Gneis und Sandstein bestehen." Es handele sich also um exakt jene Gesteinsarten, die man in einem Gletscherbecken wie der Ostsee erwarte.

Neben diesen gewöhnlichen Gesteinsproben wurde Brüchert auch ein Einzelfragment basaltischen Gesteins übergeben, wie es sich aus abkühlender Lava bildet. Zwar sei dieser Stein tatsächlich ortsfremd aber dennoch auch für die Ostsee nicht ungewöhnlich: "Die gesamte nordbaltische Region wurde derart stark von Gletscherprozessen beeinflusst, sodass sowohl die Struktur selbst als auch die Gesteinsproben wahrscheinlich das Ergebnis dieser Prozesse sind. (...) Wahrscheinlich wurde auch der Basaltstein von Gletschern an seinen Fundort transportiert."

Darüber hinaus zitiert "LifesLittleMysteries.com" den Sonar-Experten und Meeresgeologen Dan Fornari vom Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts mit dessen Kritik an der Sonaraufnahme selbst, die seit ihrer Veröffentlichung 2011 die Kontroverse um die mittlerweile sogenannte "Ostsee-Anomalie" überhaupt erst in Gang gebracht hatte: "Diese Sonaraufnahme weist zahlreiche Bildartefakte auf, die es schwer machen, das Bild eindeutig zu interpretieren. Ich selbst würde solange nicht viel auf diese Aufnahme geben, bis nicht deutlich bessere Versionen zur Verfügung stehen. Dieser Aufnahme (s. Abb.) mangelt es an Auflösung und Bestimmbarkeit."

Angesicht des von zahlreichen anderen Medienportalen (u.a. von "Fox News") übernommenen Artikels haben sich auch Asberg und Lindberg zu den zitierten Vorwürfen und Aussagen des Geologen geäußert.

Laut Dennis Asberg basieren diese lediglich auf falschen Gerüchten: "Der Hauptgrund hierfür ist, dass wir bislang noch gar nicht in der Lage waren, direkte Proben der eigentlichen Struktur an die Oberfläche zu bringen. Aus was diese also besteht, kann bislang überhaupt niemand wissen. (...) Bei den bislang untersuchten Gesteinsproben handelt es sich (in der Tat) nur um Proben aus der Umgebung des Objekts (und damit wahrscheinlich tatsächlich vom normalen Ostseegrund).

Auch Peter Lindberg hat sich auf der Seite der Facebook-Gruppe des "Ocean-X-Teams" zu den Aussagen erklärt: "An Volkers Aussagen ist nichts ungewöhnliches und seine Theorie ist bislang so gut wie jede andere. Volker hat die losen Steine untersucht, die wir nach oben gebracht haben und uns gesagt, dass es sich in einem Fall um basaltisches Gestein handelt und das dies ungewöhnlich sei, da es in dieser Gegend nicht natürlich vorkomme, dass es aber sein könne, dass dieses Gestein mit dem (Gletscher-)Eis hierher gekommen ist."

Tatsächlich hat auch gerade Lindberg immer wieder erklärt, dass es sich bei dem Objekt seiner Meinung nach auch um ein Ergebnis der eiszeitlichen Gletscher handeln könnte. "Es macht mich natürlich schon traurig, wenn mir in dieser Form also unterstellt wird, dass ich eine Art Schwindler sei. In Wirklichkeit glaube ich immer noch, dass das Objekt als eine natürliche Formation erklärt werden wird. Aber ich muss auch immer wieder betonen, dass wir da unten Dinge entdeckt haben, die ich nur schwer (auf diese Weise) erklären kann. Vielleicht werden aber auch diese merkwürdigen Dinge während unserer weiteren Erkundung der Kreisstruktur erklärt werden."

Die abwertenden Aussagen Brücherts bezeichnet Lindberg als "Gambit" und damit im umgangssprachlichen Englisch als eine trickreiche Argumentations-Strategie, um einen eigenen Vorteil zu erlangen und kontert: "Ich stelle es mir ziemlich angenehm vor, Dinge von einem Büroschreibtisch zu beurteilen und dennoch auf alle Fragen eine Antwort zu wissen..."

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Quellen: oceanexplorer.se, lifeslittlemysteries.com, facebook.com/groups/178384865554985
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