Mittwoch, 26. September 2012

Lebensfreundlicher Jupitermond? Europas Eispanzer könnte tiefer sein als gedacht


Der Jupitermond Europa. | Copyright: NASA

Prag (Tschechien) - Eine aktuelle Studie tschechischer Wissenschaftler legt nahe, dass flüssiges Wasser direkt unterhalb des kilometerdicken Eispanzers des Jupitermond Europa vergleichsweise schnell gefriert. Unter dem Eis vermuten viele Planetenwissenschaftler dennoch einen gewaltigen Wasserozean. Die neuen Forschungsergebnisse sollen nun dabei behilflich sein, zukünftige Missionen genauer planen zu können, die auf dem Mond nach Leben suchen sollen.

Während bereits bekannt war, dass sich eine entsprechende Sonde wahrscheinlich kilometertief durch das Eis bohren bzw. schmelzen muss, bevor sie den wahrscheinlich vorhandenen flüssigen Ozean erreicht, deuten die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler um Klára Kalousová von der Karlsuniversität in Prag nun an, dass auch das dem Eispanzer nahe Wasser nach geologisch-biologischen Maßstäben nicht lange verflüssigt bleibt, sondern schon nach einigen zehntausend Jahren einfriert. Der notwendige Weg der Sonde könnte also länger sein als bislang vermutet.

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Wie die Forscherin gestern (25. September 2012) auf dem "European Planetary Science Congress" in Madrid berichtete, sei der vermutete Ozean zwar rund 100 Kilometer tief und werde von den Gezeitenkräften des Jupiter, die an Europa ziehen erwärmt und so in flüssiger Form gehalten, doch gefriere das Wasser an der Grenze zum äußeren Eispanzer des Mondes vergleichsweise schnell bzw. bilde eine zähflüssige Mischschicht aus Eis und Wasser. Der wirklich flüssige Ozean liege also tiefer als bislang vermutet und beginne wahrscheinlich erst ab einer Tiefe von 25 bis 50 Kilometern. Zwar könnte es auch Wassertaschen in nur 5 Kilometern Tiefe geben, doch bleiben auch dieser nur einige zehntausend Jahre flüssig - zu kurz also, als dass darin Leben hätte entstehen, geschweige denn entwickeln können.

Flüssiges Wasser in der Nähe des Eispanzers, der den Jupitermond Europa bedeckt, wandert vergleichsweise schnell in deutlich größere Tiefen (Illu.). | Copyright: K. Kalousová

Die neuen Erkenntnisse sind das Ergebnis mathematischer Berechnungen der Forscher um Kalousova, die aufzeigen, dass sich umgebungsabhängig flüssiges Wasser vergleichsweise schnell in größere Tiefen zurückzieht.

In einem nächsten Schritt will die Forscherin auch andere Himmelskörper im Sonnensystem mit ihren Modellen untersuchen. "Neben einem besseren Verständnis des Wasserkreislaufs auf Europa, könnten die Ergebnisse auch dabei helfen, neue Erkenntnisse über derartige Eismonde als geologisch aktive Himmelskörper, wie etwa dem Saturnmond Enceladus, zu erlangen. Welten also, die über einen Wasserkreislauf verfügen, der ihr Inneres mit der Oberfläche und ihrer Atmosphäre verbindet, wie dies auf dem Saturnmond Titan der Fall ist."

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