Freitag, 21. September 2012

Meteoriten-Methan könnte Leben auf fernen Planeten vortäuschen


Kohlige Chondriten sind die Quelle für eine Vielzahl flüchtiger Elemente und könnten ferne Exoplaneten als Heimat von Lebewesen vortäuschen. | Copyright: NASA's Goddard Space Flight Center/Chris Smith

London (England) - Methan, das durch auf ferne Planeten treffende Meteoriten entsteht, könnte die entsprechenden Welten als von Lebewesen bewohnt erscheinen lassen - auch wenn diese dies gar nicht sind. Eine Unterscheidung wird indes höchst schwierig, wenn nicht sogar mittelfristig unmöglich.

Sollte ein ferner Planet seinen Stern innerhalb dessen habitabler Zone, jener Abstandregion also umkreisen, innerhalb derer aufgrund gemäßigter Oberflächentemperaturen Wasser in flüssiger Form und damit die Grundlage zumindest des irdischen Lebens, existieren kann, und zudem Beobachtungen und Spektralanalysen Methan und Sauerstoff in seiner Atmosphäre nachweisen, so könnte dies ein deutlicher Hinweis darauf sein, dass es auf diesem Planeten Leben gibt.

Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass Sauerstoff chemisch zu reaktiv ist, als dass es in der Atmosphäre eines erdähnlichen Planeten für längere vorhanden sein könnte, ohne dass es von Organismen fortwährend nachproduziert wird. Methan wiederum ist ein bekanntes Produkt biologischer Stoffwechselprozesse.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Obwohl der Großteil des irdischen Methans tatsächlich durch biologische Prozesse entsteht, kann das Gas auch durch geologische Prozesse wie etwa die Interaktion von Vulkanismus mit Wasser, Kohlenstoffdioxid und Mineralien entstehen, weswegen der Nachweis von großen Methanmengen in der Marsatmosphäre auch Inhalt kontroverser Diskussionen über dessen Quelle ist.

Eine zusätzliche potentielle Methanquelle könnten kohlenstoffreiche Mikrometeoriten sein, die das Gas entstehen lassen, wenn ihre Bestandteile beim Eintritt in die Planetenatmosphäre stark erhitzt werden. Auch in Hauptgürtel des Asteroidengürtels unseres Sonnensystems vermuten Forscher zahlreiche derart kohlige Asteroiden, den Mutterkörpern der Meteoriten.

Auch wenn die geschätzte Anzahl der den Mars treffenden Mikrometeoriten nicht die großen Mengen des Mars-Methans erklären kann, so könnte dies doch in fernen staubigeren Planetensystemen durchaus der Fall sein. Hier könnten entsprechende Meteoriten genügend Methan produzieren, um einem Planeten fälschlicherweise eine Lebens-Signatur zu verpassen.

"Dieses Szenario könnte für die Suche nach Leben in derartigen Exo-Planetensystemen durchaus zu einem Problem werden, da Untersuchungen aufgrund der enormen Entfernungen nur auf Fernbeobachtungen und spektrografischen Analysen der Atmosphäre der entsprechenden Planeten basieren können", erläutern die Geologen Richard Court und Mark Sephton vom Imperial College London aktuell im Fachmagazin "Planetary and Space Science ".

Bisherige Untersuchungen legen jedoch nahe, dass nur sehr junge Planetensysteme oder Systeme, in welchen es zu gewaltigen Zusammenstößen von Himmelskörpern kommt, genügend Staub aufweisen, um eine derartig falsche Methan-Signatur für Leben imitieren zu können.

Um herauszufinden, wie viel Methan kohlige Mikrometeoriten auf Exoplaneten erzeugen könnten, haben die Forscher eine frühere und staubigere Version unseres Sonnensystems errechnet. Derzeit fallen jedes Jahr rund 40.000 Tonnen (1t = 1.000 Kilogramm) an Mikrometeoritenmaterial zur Erde. Der Mars bekommt hingegen nur 12.000 metrische Tonnen ab.

Die Forscher vermuten, dass während des letzten Großen Bombardements, in der vor rund 4 Milliarden Jahren auf die noch jungen inneren Planeten (die Gesteinsplaneten Merkur, Venus, Erde, Mars) zahlreiche große Asteroiden und andere Restkörper der Planetenbildung stürzten, Erde und Mars etwa 1.000 bis 10.000 Mal so viel Material niederging wie heute. Für die Erde würde dies eine Gesamtmenge von etwa 33 Millionen Milliarden (Billiarden) Tonnen - für den Mars von 1,7 Billiarden Tonnen bedeuten. "Das könnte genug sein, um einem Exoplaneten genügend Methan zu verabreichen, damit er den Anschein abgeben könnte, dass auf ihm Leben existiert."

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMAMars-Methan könnte auch von elektrisierten Wirbelwinden stammen 18. September 2012
Kein eindeutiges Anzeichen für Leben: Mars-Methan könnte auch von Meteoriten stammen 1. Juni 2012
Auf der Spur des Mars-Methans
18. Mai 2011
Kontroverse: Stammen Signale des Mars-Methans von der Erde?
27. Dezember 2010
Belege für einstiges Wasser überall auf dem Mars
26. Juni 2010

Mars-Methan stammt nicht von Meteoriten - Biologische Herkunft wird wahrscheinlicher 9. Dezember 2009
Mars-Orbiter fotografiert Windhose in Aktion 20. August 2009

Rätselraten um Methan auf Mars geht weiter 10. August 2009
 

Nachgewiesen: Elektrisch geladene Wirbelwinde auf dem Mars 24. Juni 2009
NASA-Pressekonferenz: Mars ist ein aktiver Planet - biologisch oder geo-chemisch?
15. Januar 2009
grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: astrobio.net
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE