Freitag, 21. September 2012

Neu entdeckte Super-Erde in den Top 5 der potentiell lebensfreundlichen Exoplaneten


Künstlerische Darstellung von des Exoplaneten "Gliese 168c" als exotischen Wasserwelt (Illu.). | Copyright: phl.upr.edu

Grenoble (Frankreich) - Mit der Super-Erde "Gliese 163c" haben Astronomen einen neuen Exoplaneten entdeckt, der sogleich unter die fünf am wahrscheinlichsten lebensfreundlichen Planeten außerhalb des Sonnensystems fällt.

Wie Xavier Bonfils von der Université Joseph Fourier berichtetet, umkreist der Planet seinen Stern am inneren Rande der sogenannten habitablen Zone und damit jener Abstandsregion, innerhalb derer ein Planet sein Zentralgestirn umkreisen muss, damit aufgrund gemäßigter Temperaturen Wasser - und damit die Grundlage zumindest für erdartiges Leben - existieren kann.

Entdeckt wurde der Planet bei einer Untersuchung von 400 Roten Zwergsternen mit dem "High Accuracy Radial Velocity Planet Searcher" (HARPS), einem Spektographen am 3,6-Meter-Teleskop des La Silla Observatoriums der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile.

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

"Gliese 163c" ist einer von bislang zwei bekannten Planeten, der den Stern "Gliese 163" umkreist, der nur 50 Lichtjahre von der Erde im Sternbild Schwertfisch (Dorado) liegt. Erste Hinweise auf einen dritten Planeten um diesen Stern konnten bislang noch nicht bestätigt werden.

Mit der mindesten 6,9-fachen Erdmasse könnte "Gliese 163c" einen Radius vom 1,8- bis 2,4-fachen Erdradius besitzen. Abhängig ist dies von seiner Zusammensetzung. So könnte es sich um einen großen erdartigen Felsplaneten, eine gewaltige Wasserwelt oder aber auch um einen neptunartigen Gasplaneten handeln


Umlaufdiagramm der Planeten um "Gliese 163" mit grün eingezeichneter habtiabler Zone (Illu.). | Copyright: phl.upr.edu

Für eine Umrundung seines Sterns, der selbst deutlich lichtschwächer ist als unsere Sonne, benötigt der Planet 26 Tage. Der zweite Planet ("Gliese 163b") hat eine Umlaufdauer von nur neun Tagen. Die Astronomen hoffen nun, dass "Gliese 163c" auf seinen Stern auf einer gemeinsamen Ebene mit der Erde passiert, wodurch zukünftig Beobachtungen dieser sogenannten Transits weitere Informationen und Rückschlüsse über seine Zusammensetzung bis hin zu einer spektografischen Analyse möglich wären.

Potentiell lebensfreundliche Planeten im Umfeld von Roten Zwergen sind schon lange Inhalt kontroverser Diskussionen unter Planetenwissenschaftlern. So könnten die Gezeitenkräfte des Sterns die Planetenoberfläche zusätzlich aufheizen oder die Rotation des Planeten sogar an den Stern binden, sodass - ganz wie der Erdmond zur Erde - immer nur eine Seite des Planeten in Richtung seiner "Sonne" blickt. Auch sind derartige Sterne sehr viel aktiver als etwa unsere Sonne. Stärkere und häufigere Sonnenwindstürme könnten also auch die Atmosphäre dortiger Planeten schneller zersetzen und fortreißen. Während diese Umstände die Chancen für Leben auf einem kleineren Planeten mit dünner Atmosphäre also schwinden ließen, würde dies einem größeren Planeten mit dichter Atmosphäre nur wenig seiner potentiellen Lebensfreundlichkeit rauben: Da es in unserem eigenen Sonnensystem keine Super-Erden gibt, können Astronomen bislang über deren mögliche lebensfreundlichen Merkmale nur spekulieren.

Schon kurz nach Bekanntwerden der Bestätigung des neuen Exoplaneten hat das Planetary Habitability Laboratory (PHL) an der University of Puerto Rico "Gliese 163c" in seine Liste der am wahrscheinlichsten lebensfreundlichen Exoplaneten (...wir berichteten) aufgenommen. Hier nimmt "Gliese 163c" sogleich sogar Platz 5 ein und misst dem Planeten einen Wert von 0,73 im "Earth Similarity Index" zu (s. Abb.). Dieser bestimmt die Erdähnlichkeit jeweiligen Exoplaneten. Während die Erde den Referenzwert von 1,0 vorgibt, liegt "Gliese 163c" damit sogar noch vor dem ebenfalls in der Liste als Referenz zum erdähnlichsten Planeten im Sonnensystem aufgeführten Mars, der es "nur" auf einen Wert von 0,66 bringt.


"Gliese 163c" nimmt derzeit Platz 5 der potentiell erdähnlichsten und damit lebensfreundlichsten bekannten Exoplaneten ein (Illu.). | Copyright: phl.upr.edu

Die Begründung für diese Platzierung des Planeten liegt, so das PHL, in dem Umstand dass eines der möglichen Planetentypen-Szenarios für "Gliese 163c" als mildtemperierte Wasserwelt mit einer etwa 10-fach dichteren Atmosphäre als die Erde einstuft. Zwar wäre eine Wassertemperatur des globalen Ozeans mit etwa 60 Grad Celsius zu heiß, als dass Menschen darin dauerhaft existieren könnten, doch wären - entsprechend angepasst - unter diesen Umständen selbst komplexe Lebensformen durchaus vorstellbar. Selbst auf der Erde gibt es Pflanzen, Tiere und Mikroben, die unter derartigen Temperaturen dauerhaft gedeihen.

Während die Forscher derzeit noch auf weitere Beobachtungsdaten zu "Gliese 163c" hoffen, suchen sie weiterhin mit HARPS nach lebensfreundlichen Planeten, die dann auch unmittelbar nach ihrer Entdeckung und Bestätigung eingehend untersucht werden können: "Es ist zwar schön, eine Entdeckung zur Sammlung von potentiell lebensfreundlichen Planeten beitragen zu können, die mit den nächsten Generationen von Teleskopen genauer untersucht werden können, doch wäre es natürlich umso faszinierender, wenn wir die Eigenschaften eines solchen Planeten schon heute mit Klarheit bestimmen könnten", so Bonfils abschließend gegenüber "Space.com".

Ihre Entdeckung haben die Astronomen um Bonfils in einem Artikel bei Fachmagazin "Astronomy & Astrophysics" zur Veröffentlichung eingereicht.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Astronomen präsentieren Top 5 der hoffnungsvollsten Kandidaten für lebensfreundliche Exoplaneten 25. Juli 2012
Online-Katalog lebensfreundlicher Exoplaneten und -Monde 13. Dezember 2011
Forscher schlagen Indizes zur Einschätzung erdähnlicher und lebensfreundlicher Planeten und Monde vor 24. November 2011

Bücher zum Thema:
- - -

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: phl.upr.edu space.com
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE