Donnerstag, 25. Oktober 2012

Angebohrter Wostoksee: Erste Analyse von Wasserproben aus urzeitlichem Oberschichtenwasserproben offenbaren keine Lebensformen


Schematische Darstellung der Bohrung zum Wostoksee von 2011.
| Copyright: Nicolle Rager-Fuller / US National Science Foundation 


St. Petersburg (Russland) - Nachdem Wissenschaftler um Waleri Lukin vom russischen Arktischen und Antarktischen Forschungsinstitut (AARI) im vergangenen Frühjahr erfolgreich den seit rund 500.000 Jahren von der Außenwelt abgeschlossenen subglazialen antarktischen Süßwassersee Wostok angebohrt (...wir berichteten) und erste Wasserproben daraus entnommen hatten, liegen nun erste Analyseergebnisse dieser ersten Eiskernbohrungen aus den oberen Schichten des von kilometerdickem Eis versiegelten Sees vor.

Bei den Proben handelt es sich um Wasser, das in das den See anstechende Bohrloch eingeflossen war, dieses angefüllt hatte und darin wieder gefroren war - also im Proben aus den oberen Schichten des Sees und seiner Eisdecke.

"Die obere Schicht des Wostoksee scheint leblos zu sein", zitiert der "Nature.com"-Newsblog Sergey Bulat vom Nuklearphysikalischen Institut in St. Petersburg. "Das bedeutet aber nicht, dass dies auch für den Rest (also die tieferen Schichten) des Sees gilt."


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Bei den zitierten Ergebnissen handele es sich "um allererste Vorabergebnisse", so Bulat auf dem 12. European Workshop on Astrobiology (ENEA 2012) in Stockholm. Zwar seien in den Kernbohrungen einige wenige Mikroben gefunden worden, doch konnten alle diese Mikroben als Kontamination identifiziert werden, die mit dem verwendeten Bohröl an das Eis gelangt ist.

Jetzt warten die Forscher auf die nicht durch das Öl kontaminierten Proben aus Schichten unterhalb des ursprünglichen Bohrlochs. Mit diesen Proben rechnen die Forscher jedoch erst im kommenden Mai (2013).

Während also die obere Schicht des Wostok kein Leben zu beherbergen scheint, zeigen sich die Forscher dennoch weiterhin zuversichtlich in tieferen Schichten und am Grund des Sees auf Lebensformen zu stoßen, die sich seit Urzeiten nicht mehr oder auf eine ganz eigene, der Wissenschaft gänzlich unbekannte Art und Weise weiterentwickelt haben.

Gegenüber den Nature-Blog äußerte sich auch Gerda Horneck vom deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zur Erforschung des Sees: "Der Wostok steht stellvertretend für eisige Himmelskörper im Sonnensystem, die - wie etwa der Jupitermond Europa - möglicherweise Leben beherbergen." Aus diesem Grund sei jedes Ergebnis der Untersuchungen von proben aus dem See von Bedeutung für die Astrobiologie und die Suche nach extremophilen Lebensformen, die Hinweise darauf ermöglichen können, wie Leben jenseits der Erde aussehen könnte.

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Quellen: blogs.nature.com/news
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