Donnerstag, 4. Oktober 2012

Entgegen bisheriger Theorien: Astronomen entdecken gleich zwei Schwarze Löcher in Kugelsternhaufen


Hochauflösende Hubble-Aufnahme des Kugelsternhaufens "Messier 22".
| Copyright: NASA / ESA 


Southampton (England) - Ein internationales Astronomenteam hat im Kugelsternhaufen "Messier 22" eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht, die das bisherige Bild von Kugelsternhaufen über Bord wirft, in welchen hunderttausende Sterne auf engstem Raum zu finden sind.

Wie das Team um Dr. Tom Maccarone von der University of Southampton durch Beobachtungen des auch als "M 22" bekannten, rund 10.000 Lichtjahre von der Erde entfernten Kugelsternhaufens im Sternbild Schütze feststellte, beherbergt dieser nicht nur - wie zuvor erwartet - ein mittelschweres sondern gleich zwei vergleichsweise kleine Schwarze Löcher als Schwerkraftzentren.

Laut der gängigen Vorstellung entstehen Schwarze Löcher, wenn alte und ausgebrannte Sterne gegen Ende ihrer Existenz unter ihrer eigenen Schwerkraft zusammenstürzen und eine gewaltige Masse auf kleinstem Raum komprimieren. Da Kugelsternhaufen mit einem Alter von bis zu 13 Milliarden Jahren zu den ältesten Gebilden des schließlich "erst" 13,7 Milliarden Jahre alten Universums zählen, hatten Simulationen anhand existierender theoretischer Modelle nahe gelegt, dass es zwar ursprünglich in Kugelsternhaufen zunächst sogar eine Vielzahl Schwarzer Löcher gegeben haben könnte, dass sich diese aber in Folge eines gewaltigen Schwerkraft-Tanzes umeinander alle bis auf höchstens eines aus dem Haufen herausschleudern.


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"Diese Modelle legten nahe, dass es in einem Kugelsternhaufen heute eigentlich nur noch ein Schwarzes Loch geben kann, das diese Prozesse sozusagen überlebt habt", erläutert Jay Strader von der Michigan State University und dem Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. "Die Entdeckung von zwei Schwarzen Löchern, statt nur einem, in diesem Kugelsternhaufen verändert definitiv unser bisheriges Bild."

Trotz aller Verwunderung präsentieren die Wissenschaftler mit der Veröffentlichung ihrer Entdeckung im Fachmagazin "Nature" zugleich aber auch mögliche Erklärungen: "Zunächst könnten sich die Schwarzen Löcher im Zentrum des Kugelsternhaufens regelrecht aufgebläht haben, was die dortige Dichte und damit auch die Rate, in der die Schwarzen Löcher aus dem System herausgeschleudert wurden, reduziert hätte. Alternativ könnte aber auch der untersuchte Kugelsternhaufen "M 22" sich noch nicht so lange im Prozess des Zusammenziehens befinden, wie bislang vermutet. Auch das hätte die Dichte in seinem Zentrum verringern würde und somit die Koexistenz zweier Schwarzer Löcher ermöglichen.



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Quelle: southampton.ac.uk
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