Dienstag, 16. Oktober 2012

Huygens-Daten zeigen: Titanoberfläche am Landeort war, steinig, weich und sandig


Illustration der auf Titan gelandeten Huygens-Sonde (Illu.).
| Copyright: NASA/JPL/ESA 


Katlenburg-Lindau (Deutschland) - Eine erneute Analyse der Daten der US-amerikanisch-europäischen Sonde "Huygens", die im Januar 2005 auf dem Saturnmond Titan landete, offenbart neue Erkenntnisse über die Struktur und Zusammensetzung der Oberfläche des Mondes. Mit seiner dichten Atmosphäre und einem Flüssigkeitskreislauf ist Titan der wohl erdähnlichste Himmelskörper im Sonnensystem, auf dem einige Forscher sogar Leben für möglich halten.

Wissenschaftler um Dr. Stefan Schröder vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung haben die Daten unterschiedlicher Instrumente der Landeeinheit erneut analysiert, die während der Landung der Sonde an einem Fallschirm aktiv waren und somit vor allem Veränderungen der Geschwindigkeit und Position der Sonde dokumentierten.

Im Abgleich mit Computersimulationen und Testlandungen mit Modellen der Huygens-Sonde konnten die Forscher aus diesen Daten neue Einblicke in die Struktur und Zusammensetzung der Titan-Oberfläche gewinnen.


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Jetzt scheint klar, dass sich die Landekapsel beim Aufprall auf Titan zunächst etwa 12 Zentimeter tief in die Oberfläche gedrückt hatte, bevor sie wieder leicht abgesprungen und auf einer flachen Oberfläche gelandet und danach - um etwa 10 Grad in Richtung ihrer Bewegung geneigt - etwa 30 bis 40 Zentimeter über den Boden gerutscht ist.

Aufgrund der Reibung verringerte sich dann die Bewegung der Sonde zusehends und sie kam nach fünfmaligem leichten Hin- und Herwanken zum Stillstand. 10 Sekunden nach der Landung registrierten die Sensoren dann keinerlei Bewegung mehr.

Simulation der Landung der Huygens-Sonde auf Titan

Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

Aus den Daten schlussfolgern die Forscher nun, dass die Sonde wahrscheinlich zunächst auf einer von kleineren Kieseln bedeckten Fläche aufgekommen war, der Untergrund selbst jedoch weich genug war, als dass die Sonde diese besagte 12 Zentimeter tief eindrücken konnte. "Die Daten legen eine Konsistenz der Oberfläche nahe, die der von weichem, feuchten Sand nahe kommt", erläutert Schröder, der die Ergebnisse gemeinsam mit seinen Kollegen aktuell im Fachmagazin "Planetary and Space Science" veröffentlicht hat.

"Wäre die Sonde auf einer nassen, schlammartigen Oberfläche aufgekommen, so hätten die Instrumente lediglich einen dumpfen Aufschlag ohne weitere Anzeichen eines erneuten Abpralls und Rutschung registriert."

Die Oberfläche muss also weich genug gewesen, damit die Sonde zwar ein Loch schlagen konnte, zugleich aber hart genug, damit die Sonde sich danach weiterhin vor und zurück bewegen konnte.

"Anhand der Daten sehen wir zudem Hinweise auf ein flauschiges, staubartiges Material, möglicherweise handelt es sich hier um organische Aerosole, wie sie als Niederschlag aus der Titan-Atmosphäre bekannt sind", so Schröder weiter. Dieses sei beim Aufschlag aufgeworfen worden und habe sich etwa vier Sekunden später wieder abgesetzt. Da dieser "Staub" sehr leicht aufgewirbelt wurde, habe es sich wahrscheinlich um trockenes Material gehandelt, was wiederum darauf schließen lasse, dass es im Umfeld des Landeorts für längere Zeit keine flüssigen Kohlenwasserstoffe (Ethan und Methan) geregnet hatte.

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