Freitag, 9. November 2012

Archäologen untersuchen einen der ältesten europäischen Schatzfunde


Stilisierte Frauendarstellung aus Serpentinit aus dem Hort von Belica.
| Copyright: Nebosja Boric, Belgrad


Tübingen (Deutschland) - In einem Gemeinschaftsprojekt mit Kollegen des Serbischen Archäologischen Instituts untersuchen derzeit Archäologen des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen den bislang umfangreichsten Schatzfund aus frühneolithischer Zeit von etwa 5700 v.Chr. und stoßen dabei immer wieder auf sensationelle Stücke.

Wie die Pressemitteilung der Universität Tübinen berichtet, besteht der einzigartige Depotfund aus etwa 80 Einzelgegenständen, die aus unterschiedlichen Rohmaterialien gefertigt wurden. "Das Fundensemble aus Belica (Serbien) bietet in seiner Gesamtheit einen einmaligen Einblick in die Symbolwelt der frühesten Ackerbauern und Viehzüchter in Europa", erläutert der Tübinger Archäologe Raiko Krauß.

In den im Schatzhort gefundenen Stücken dargestellt sind stark stilisierte Frauenfiguren und menschliche Körperteile sowie miniaturisierte Beile und einige abstrakte Gegenstände, deren Darstellungsinhalt zunächst unklar ist.

 
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Besondere Aufmerksamkeit erregen die rundlichen Frauenfiguren aus von Wasser und Menschenhand glatt geschliffenem Stein (s. Abb. o.), deren Funktion bislang noch unbekannt ist. Handelte es sich hierbei um Glücksbringer oder waren es Fruchtbarkeitssymbole?


Symbolische Darstellung in Form einer (Mond?)Sichel mit profilierten Seiten aus Serpentinit.
| Copyright: Nebosja Boric, Belgrad

Gefertigt wurden die Gegenstände aus lokalen Gesteinen, Tierknochen und Ton. Bei den verwendeten Gesteinen handelt es sich überwiegend um Serpentinite aus einem Ophiolithgürtel, der etwa 40 km westlich der Fundstelle in Nord-Süd-Richtung verläuft. Aus den Flussbetten dieses Bergmassives konnten Gerölle aufgesammelt werden, die ideale Grundformen für die Artefakte aus Belica darstellen.

Schon bei einer ersten Begehung des Fundplatzes im Juni 2012 konnten die Archäologen über die Fundstreuung an der Oberfläche die Grenzen einer frühneolithischen Siedlung feststellen, in deren Mitte das Depot gefunden wurde. Damit ist klar geworden, dass es sich nicht um einen isolierten Fund, sondern um ein Depot innerhalb eines größeren Siedlungsplatzes handelt. Mit modernen geophysikalischen Prospektionsmethoden konnten dann im vergangenen Sommer wesentliche Teile der Siedlung im Untergrund sichtbar gemacht werden.

"Funde von derartiger Bedeutung sollten prominent im Serbischen Nationalmuseum ausgestellt werden", erläutert Krauß zu den Stücken aus dem Depot. "Aber das Nationalmuseum in Belgrad ist seit dem Bürgerkrieg geschlossen."

Gemeinsam mit dem serbischen Kollegen planen die Tübinger Archäologen nun eine erstmalige Ausstellung der Stücke im Wintersemester 2013/14 im kleinen Sonderausstellungssaal des Museums der Universität Tübingen auf Schloss Hohentübingen. Der gesamte Hortfund soll dann zusammen mit den Ergebnissen der laufenden Untersuchungen monographisch in deutscher und serbischer Sprache veröffentlicht werden.

- Weitere Information zu dem Projekt und den Funden finden Sie HIER

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Quelle: uni-tuebingen.de
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