Mittwoch, 28. November 2012

Kontroverse: UFO-Skeptiker erklären erneut "Greifswald-UFOs" für gelöst - UFO-Forscher widersprechen


Video-Standbilder der Greifswald-Lichter vom 24. August 1990. | Copyright/Quelle: Bernhard Gröchel / degufo.de
 


Leverkusen (Deutschland) - Seit am 24. August 1990 zahlreiche Augenzeugen ein Lichterschauspiel am Himmel über dem Greifswalder Bodden beobachten, fotografieren und filmen konnten dauert die Kontroverse darüber an, was damals am Himmel über der Ostsee tatsächlich zu sehen war. Seit Jahren vertreten UFO-Skeptiker die Theorie, es habe sich lediglich um Leuchtmunition gehandelt. UFO-Forscher hingegen verweisen ebenso lange auf Unstimmigkeiten zwischen dem, was die Zeugen beschreiben und dieser Erklärung. Nun haben UFO-Skeptiker ein weiteres Mal den wohl bekanntesten deutschen UFO-Fall für "gelöst" erklärt. Eine vereinsübergreifende Arbeitsgruppe aus Mitgliedern aller deutschen UFO-Forschungsorganisationen, die den Fall intensiv untersucht, widerspricht dieser Aussage jedoch deutlich.

UPDATE 3.12.2012: Als Reaktion auf die Aussagen von Marius Kettmann auf Anfrage von "grezwissenschaft-aktuell.de" zum hier besprochenen Abschlussbericht von Dennis Kirstein hat "ufo-information.de" die Kommentare von Herrn Kettmann ebenfalls kommentiert. Einen Link zu diesem Kommentar finden Sie am Ende dieser Meldung...

 

Während ein UFO-Skeptiker vom "Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene" (CENAP) bereits im Jahre 1994 in der BILD-Zeitung zunächst darüber spekulierte, dass es sich bei den Greifswald-Lichtern "nur um NVA-Leuchtbomben" gehandelt habe, musste er diese Vermutung später jedoch aufgrund der Tatsache, dass es keine Belege für entsprechende Aktivitäten der Nationalen Volksarmee der DDR zu dieser Zeit und in dieser Gegend gab, zurücknehmen. In der Folge tauschte er seine Erklärung aus und ließ im Jahr 2008 in der ZDF-Talkshow "Kerner" die Vermutung verlauten, hier hätten wohl "besoffene russische Militärs" damals ihre letzte Munition verschossen. Nun hat Dennis Kirstein von der Seite "ufo-information.de" einen "vorläufigen Abschlussbericht" vorgelegt und erklärt zusammenfassend, "Indizienbeweise bringen Deutschlands größtes Ufo-Mysterium zu Fall".

In seinem 13-seitigen Bericht gesteht Kirstein zunächst ein, man wisse heute, "dass die (BILD-) Schlagzeile nur die halbe Wahrheit enthält. Meine Recherchen beim Bundesarchiv Abteilung Militär mit Sitz in Freiburg haben ergeben, dass die Nationale Volksarmee der DDR nichts mit einer Militärübung, bei der Leuchtbomben zum Einsatz kamen, zu tun hatte. Dementsprechend ist im deutschen Militärarchiv auch keinerlei Indiz, welches eine Militärübung bestätigt, zu finden". Trotz diesem Eingeständnis erklärt auch Kirstein: "Nichtsdestotrotz hatte man nun den Auslöser (Stimulus) der Lichterscheinungen gefunden."



Dennis Kirstein erklärt im ARD-Kinderprogramm "Tigerenten Club" wie einfach UFO-Fotos zu fälschen sind.
| Copyright/Quelle: ARD-Pressebild, ufo-information.de

Demnach handelte es sich bei den Greifswald-Lichtern um Leuchtbomben des Typs SAB (Svetyashchaya Avia Bomba), die mit jeweils sieben pyrotechnischen Fackeln bestückt waren und an Fallschirmen aus einer Höhe von ca. 10 km abgeworfen wurden.


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Den Umstand, dass zahlreiche Zeugen die Lichterformation von Greifswald jedoch deutlich länger am Himmel stehend beobachtet und gefilmt hatten, erklärt Kirstein in seinem Bericht als "falsch". Richtig dagegen sei, "dass vereinzelte Sichtungszeugen eine Lichterformation für einige Minuten sahen und kurz darauf an anderer Stelle eine gleiche.“ Dies würde auch vom Gros der Sichtungszeugen exakt so beschrieben werden. Alle bekannten Videoaufnahmen würden dies ebenso bestätigen. Grund dafür sei, dass die Leuchtbomben vom Typ SAB nacheinander, nach Abbrennen der sieben pyrotechnischen Fackeln, im gleichen Gebiet aber nicht exakt an der gleichen Stelle, erneut abgeworfen wurden. "So ergab sich für die Sichtungszeugen eine Gesamtbeobachtungslänge von bis zu einer Stunde. Jedoch eben nicht der gleichen Lichterformation, sondern nacheinander gleich aussehender Formationen an anderen Positionen."

Während jedoch auch Kirstein erklärt, dass sich frühere Vermutungen über die NVA oder sowjetische Truppen als Quelle der beschriebenen Leuchtmunition nicht bestätigen ließen bzw. sogar widerlegt werden konnten, belegt er jedoch, dass die "Luftschießzone II" über vor dem Greifswalder Bodden, über der er die tatsächliche Position der Lichterformation vermutet, am 22. August 1990 (also zwei Tage "vor" dem Ereignis) für Militärübungen der Warschauer Pakt-Staaten gesperrt war und stellt selbst fest: "Es bleibt die Frage, welches Militär nun genau die Übungen in jener Augustwoche durchgeführt hat."

Nachdem auch das polnische Militär offenbar keine zeitlich und örtlich passende Übung durchgeführt hatte, liegt für Kirstein die Antwort auf diese Frage in dem Umstand, dass die Bomben des Typs SAB in der ehemaligen Tschechoslowakei hergestellt und vom tschechoslowakischen Militär als Teil des Warschauer Pakts eingesetzt wurden.

Allerdings liefen die Versuche der Bestätigung, wie Kirstein dies in seinem Abschlussbericht anhand von Korrespondenzen mit "verschiedenen Botschaften, Konsulaten, Militärarchiven und Verteidigungsministerien der ehemaligen Warschauer Pakt Staaten" nachweist, bislang und möglicherweise aufgrund vernichteter Akten ins Leere.

Abschließend kommt Kirstein zu folgender Einschätzung: "Der Fall Greifswald würde vor Gericht wohl als Indizienprozess geführt werden. Alle zusammengetragenen Indizien sind derart schlüssig, dass ich von Indizienbeweisen sprechen möchte. Für den Moment müssen wir davon ausgehen, dass alle Akten, die eine Militärübung der tschechoslowakischen Luftwaffe am 24.08.90 bestätigen würden, vernichtet worden sind. Von daher kommen meine Recherchen an einen Punkt, der einen Schlusspunkt markiert. Sowohl andere kritische Ufo-Phänomen-Forscher, unabhängig davon agierende Militärhistoriker als auch wir von ufo-information.de haben stichhaltige Indizien gefunden, wonach der "UFO-Fall" Greifswald nun endgültig den aufgeklärten Sichtungsfällen zuzuordnen ist."

- Den vollständigen Bericht mit zahlreichen Abbildungen und weiterführenden Links finden sie HIER

"Dieser Einschätzung können wir uns so im Moment nicht anschließen", kommentiert Marius Kettmann, selbst studierter Militärhistoriker, 2. Vorsitzender der "Deutschsprachigen Gesellschaft für UFO-Forschung" (DEGUFO) und Mitglied der vereinsübergreifenden Arbeitsgruppe deutscher UFO-Forschungsorganisationen (DEGUFO, GEP, MUFON-CES) zum "Greifswald-Phänomen" auf Anfrage von "grenzwissenschaft-aktuell.de".


Militärhistoriker und UFO-Forscher Marius Kettmann. | Copyright: M. Kettmann

"Außer dem Umstand, dass die von Kirstein angeschriebenen Kontakte in Richtung des einstigen tschechoslowakischen Militärs ebenfalls keine Informationen über eine mögliche damalige Übung erbrachten, geht aus dem Abschlussbericht eigentlich kaum Neues hervor, das wir von anderen vorigen Abschlussberichten diverser UFO-Skeptiker nicht schon kannten. Konkrete, neue Erkenntnisse, die zum bisherigen Stand der Untersuchungen beitragen, sind jedenfalls im Bericht nicht zu finden."

Das Einzige, was bislang auf einen militärischen Hintergrund des Vorfalls hinweise, sei, so Kettmann, zum einen die oberflächliche Ähnlichkeit der Lichter mit militärischer Leuchtmunition und die möglich Verortung der Lichter über der Luftschießzone II. "Aber auch Letzteres ist in unseren Augen noch nicht eindeutig belegt, wird aber anhand von Kartenmaterial derzeit von uns gezielt überprüft. Merkwürdig an einer solchen Erklärung ist doch auch, dass keiner der Zeugen an diesem Abend und in Verbindung mit der Lichterformation Fluglärm hörte oder Flugzeuge beobachtete. Auch die Aufnahmen selbst zeigen keine derartigen Aktivitäten.

Zudem beschreiben die Zeugen eben nicht das klassische Verhalten der an Fallschirmen herabschwebenden Signalfackeln der SABs, stattdessen beschreiben sie klar und deutlich, dass ein und dieselbe Formation (Anfangs zwei gleichzeitig, später nur noch eine) - und nicht wie behauptet mehrere und abwechselnd - bis zu einer Stunde am Himmel verblieben. Ein Zeugenvideo soll diesen Umstand für mindestens 22 Minuten belegen. Bislang liegt dieses Video jedoch leider noch nicht zur Auswertung vor, es ist aber bereits angefordert. Sollte das Video aber tatsächlich ein und dieselbe Formation für mindestens 22 Minuten am Himmel zeigen, so entspräche alleine dies der etwa dreifachen Leuchtdauer der Signalfackeln innerhalb von SABs. Die nicht beobachtete Absinkdauer, welche von Skeptikern anhand einer vermuteten thermischen Blase erklärt werden soll, durch die die Leuchtkörper deutlich länger und vermeintlich stillstehend am Himmel verblieben wären, konnte durch Überprüfungen der meteorologischen Bedingungen zur Beobachtungszeit durch Experten nicht bestätigt werden. Die Wetterdaten bestätigen weder für den 22. noch für den 24. August 1990 solche Bedingungen."

NDR-Bericht über die Untersuchungen der UFO-Forscher vor Ort. Während der Beitrag leider nicht ohne die abschließenden "kleinen grünen Männchen" auskommt, gibt er dennoch einen Einblick in das, was die Zeugen vor Ort gesehen haben.

Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

"Auch beschreiben die vorliegenden Zeugenaussagen eben nicht das Erlöschen von Signalfackeln und ein Auftauchen der nächsten Leuchtobjekte, so wie es der Abschlussbericht Kirsteins skizziert: Niemand der uns bekannten Zeugen beschreibt zudem ein Absinken oder Ein- und Ausblinken alter und neuer Lichter. Zwar beschreibt Kirstein in seinem aktuellen Bericht, dass es diese Zeugen geben soll - benennt diese jedoch nicht. (...) Doch nicht nur das: Keiner der Zeugen beschreibt, dass die Leuchtbomben durch Abwehrmaßnahmen getroffen wurden, obwohl der Einsatz der SABs, wie dies auch Kirsteins Bericht hervorhebt, in der Luftschießzone II doch als 'Zielobjekte' gedient haben sollen."

"Auch für unsere Argumentation ist allerdings der Nachweis der Nutzung der 'Luftschießzone II' am 22. August 1990 sehr interessant. Zum einen belegt dies die Nutzung der Zone zwei Tage 'vor' den Ereignissen und zum anderen ergibt sich gerade daraus doch eine eigentlich auch für die Skeptiker interessante Frage: Warum haben nicht auch schon an diesem Datum vergleichbar viele Zeugen an der Küste des Greifswalder Boddens entsprechende Leuchtbomben für UFOs gehalten? Warum überhaupt erst am 24. August 1990?

Vor diesem Hintergrund ist es genauso wichtig hervorzuheben, dass es sich bei den Zeugen der Greifswald-Lichter vom 24. August 1990 nicht - wie einige Skeptiker dies ebenfalls immer wieder gerne behaupten - 'nur' um Touristen handelte. Unsere eigenen Recherchen vor Ort zeigten, dass auch jahrelange Anwohner der Gegend, darunter u.a. ein Hotelbesitzer und ein Campingplatz-Mitarbeiter, zu den Augenzeugen gehörten. Auch sie beschreiben, dass sie weder zuvor noch nach der Greifswald-Sichtung am 24. August 1990 jemals wieder etwas Ähnliches gesehen haben und die Dauer der Erscheinung deutlich länger war, als das dies Leuchtmunition erklären könnte (s. u.a. Video). Diesen lokalen Zeugen sollten entsprechende Manöver eigentlich bestens bekannt sein. Doch selbst wenn es 'nur' Touristen gewesen wären, so wäre auch hier anzunehmen, dass eine Vielzahl dieser Besucher auch Zeugen entsprechender Übungen zwei Tage zuvor geworden wären. Das scheint aber einfach nicht der Fall."

Zugleich verwehrt sich der Militärhistoriker Kettmann gegenüber dem ebenfalls aus Kirsteins Schlusswort unterstellten Vorwurf, eine andere Einschätzung bzw. Ablehnung der in seinem Bericht vorgelegten Erklärung der Greifswald-Lichter als SABs sei mit einer "enthusiastischen Befürwortung eines anomalen Phänomens hinter dem UFO-Mythos" gleichzusetzen.

"Wir bemühen uns genauso, uns dem Greifswald-Fall unvoreingenommen zu nähern. Zudem setzen wir UFOs also 'unidentifizierte Flugobjekte‘ nicht automatisch mit außerirdischen Besuchern gleich. Tatsächlich wäre im Falle eines Nachweises als außerirdisches Raumschiff kein 'UFO' im eigentlichen Sinne mehr, vielmehr würde es in diesem Moment, wie bei jeder anderen Erklärung auch, zum IFO - also zu einem identifizierten Flugobjekt - werden.

Was den Fall Greifswald anbetrifft, so genügen uns die bislang vorgelegten Erklärungen sowie der 'neue' Abschlussbericht von Kirstein einfach nicht, da sie wichtige Fragen unbeantwortet lassen - etwa jene welches Militär hier überhaupt geübt haben soll und welche militärischen Fakten den Augenzeugenberichten auch tatsächlich entsprechen könnten.

Unsere Untersuchungen in dieser Sache sind noch nicht abgeschlossen, da wir - sollten wir eine Erklärung der Greifswald-Lichter finden – diese auf solide Fakten und nicht auf Vermutungen stützen wollen. Die Erklärung der Skeptiker tut bislang aber genau Letzteres und das ist uns zu wenig."

Ein Abschlussbericht der Arbeitsgruppe "Greifswald-Phänomen" der UFO-Forscher, so Kettmann gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de", sei - da die Untersuchungen noch in vollem Gange sind und in absehbarer Zeit neue Informationen erwartet werden - kurzfristig noch nicht geplant.

"Für mich ist der Fall auch aus militärhistorischer Sicht interessant, wenn sich hier eine Übung nachweisen ließe, die aus welchen Gründen auch immer bis heute nicht wirklich aufgeklärt wurde. Man muss den Fall schließlich auch historisch einordnen - immerhin wäre eine solche Übung ohne, dass diese einfach durch die zuständigen Behörden aufgeklärt werden kann, auch eine potentiell heikle diplomatische Angelegenheit. Schließlich ereignete sich der Vorfall nur gut einen Monat vor der deutschen Wiedervereinigung."

- Ein Kommentar von "ufo-information.de" zu den obigen Aussagen von Marius Kettmann finden Sie HIER

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