Donnerstag, 15. November 2012

Macht uns dieses Gen menschlich?


Archiv: Das menschliche Genom als Karyogramm.
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Edinburgh (Schottland) - Was macht uns Menschen menschlich und unterscheidet uns damit vom Tier bzw. unseren nächsten tierischen Verwandten, den Menschenaffen? Ein internationales Wissenschaftler-Team glaubt, auf diese Frage zumindest eine genetische Antwort gefunden zu haben: Ein neu entdecktes Gen, das erklären könnte, wie sich die Menschen aus dem Schimpansen entwickelt haben.

Wie das Team um Dr. Martin Taylor vom Institute of Genetics and Molecular Medicine an der University of Edinburgh aktuell im Fachjournal "Nature Communications" berichtet, scheint das Gen mit der Bezeichnung "miR-941" eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des menschlichen Gehirns gespielt haben und könnte ein neues Licht auf die Frage werfen, wie wir Menschen gelernt haben, Werkzeuge und Sprache zu benutzen.

Die Forscher erklären, dass es das erste Mal sei, dass bei einem neu entdeckten Gen, das nur bei Menschen nicht aber bei Menschenaffen zu finden ist, eine ganz konkrete Funktion innerhalb des menschlichen Körpers nachgewiesen werden konnte.


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In ihrer Studie verglichen die Wissenschaftler das menschliche Genom mit dem von 11 anderen Säugetierarten, darunter dem von Schimpansen, Gorillas, Mäusen und Ratten, um die spezifischen Unterschiede zu finden. Das Ergebnis dieser Analyse: "miR-941" findet sich nur beim Menschen und erschien erstmals vor sechs bis einer Million Jahre, nachdem sich die Menschen aus den Affen entwickelt hatten.

Das Gen ist in zwei Regionen des menschlichen Gehirns aktiv, die unsere Entscheidungsfindung und Sprachfähigkeiten kontrolliert. Aus dieser Beobachtung schlussfolgern die Wissenschaftler, dass das Gen wahrscheinlich eine Rolle für einige der fortgeschrittenen und damit für Menschen charakteristischen Hirnfunktionen spielte.

Bislang war bereits bekannt, dass die meisten Unterschiede zwischen den Arten ein Ergebnis der Veränderung vorhandener Gene, deren Verdopplung oder Auslöschung ist. Angesichts von "miR-941" glauben die Forscher jedoch, dass es vollständig und funktionsfähig aus nicht-kodierendem genetischem Material - das zuvor als "Junk-DNA" bezeichnet wurde - hervorging. Bislang war es erstaunlich schwierig, diesen Prozess in Aktion zu beobachten.

"Als Art sind wir Menschen wunderbar erfindungsreich", sagt Taylor. "Wir entwickeln uns fortwährend sowohl sozial als auch technologisch weiter. Unsere Forschung zeigt nun hinzu, dass wir auch auf genetischem Niveau erfinderisch sind. Dieses neue Molekül sprang plötzlich aus dem Nichts hervor und das zu einer Zeit, als unsere Art dramatische Veränderungen durchmachte: die Verlängerung der Lebensspanne, der aufrechte Gang, das Erlagen der Fähigkeit zur Benutzung von Werkzeugen und zur Kommunikation. Jetzt sind wir zuversichtlich, dass wir noch mehr 'neue' Gene finden werden, die uns dabei helfen, zu verstehen, was uns menschlich macht."

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Quelle: ed.ac.uk
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