Freitag, 23. November 2012

Neuer SETI-Ansatz sucht FCKW-Gase als Beweis für außerirdische Zivilisationen


Archiv: Vier Phasen des Terraforming am Beispiel des Mars (Illu.).
| Copyright: Daein Ballard, GFDL 


Washington (USA) - Künstliche Chemikalien, wie sie noch vor Jahren unter anderem als Treibgase in Spraydosen von Deodorants und Haarsprays verwendet, mittlerweile jedoch verboten sind, könnten eindeutige Beweise auf Aktivitäten technologischer Zivilisationen auf fernen Planeten sein. Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern will nun in einem neuen Ansatz für die Suche nach außerirdischer Intelligenz gezielt nach Fluorchlorkohlenwasserstoffen in den Atmosphären von Exoplaneten suchen.

Grundgedanke des Projekts, das sich jetzt um Gelder durch das Wissenschafts-Crowdsourcing-Portal "petridish.org" bemüht, ist die schon lange von irdischen Wissenschaftlern verfolgte Idee, derzeit lebensfeindliche Planeten wie etwa den Mars durch sogenanntes Terraforming (Geo/Klima-Engineering)
bewohnbar zu machen.

Ein Weg den kalten und dünnatmosphärigen Roten Planeten wieder lebensfreundlich zu machen wäre, auf dem Mars große Mengen von Treibhausgasen freizusetzen, durch die sich der Planet erwärmen und das auf der Oberfläche in Form von Eis vorhandene Kohlendioxid in Gas verwandeln würde.

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Wenn derartige Planspiele also schon heute von irdischen Wissenschaftlern konkret in Betracht gezogen werden, so liegt zumindest die Vermutung nahe, dass auch außerirdischer Zivilisationen bereits auf diese Idee gekommen sind, um auf diese Weise unwirtliche Planeten bewohnbar zu machen.

"Unsere Hypothese geht davon aus, dass sich Beweise für intelligentes Leben schon anhand der Atmosphäre eines Planeten ablesen lassen", erläutert der Astrobiologe Mark Claire vom Blue Marble Space Institute of Science (bmsis.org) das Vorhaben.

Besonders die Gruppe der Fluorchlorkohlenwasserstoffgase könnten eine Schlüsselrolle im außerirdischen Terraforming einnehmen. Während die Gase selbst nicht giftig sind, handelt es sich bei den FCKWs jedoch bekanntermaßen um langlebige starke Treibhausgase.

Die für das Projekt wichtigste Eigenschaft ist jedoch die, dass Fluorchlorkohlenwasserstoffe nicht in natürlicher Form vorkommen. Würden FCKWs also in der Atmosphäre eines Planeten nachgewiesen, so wäre dies ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sie von einer intelligenten Lebensform verursacht wurden - entweder absichtlich, etwa in Form von Terraforming, oder unbeabsichtigt etwa in Form von Industrieabgasen, wie dies spätestens in den 1970er und 1980er Jahren auch auf der Erde offenkundig und bekämpft wurde.

Nachdem bereits hunderte von Planeten außerhalb des Sonnensystems entdeckt wurden, könnten diese zukünftig auch auf potentiell vorhandene Atmosphären untersucht und deren Zusammensetzung analysiert werden. Hierbei sollten sich - so vorhanden - FCKW-Gase relativ einfach anhand der Art und Weise nachweisen lassen, wie sie im Vergleich zu natürlichen Gasen in gänzlich unterschiedlicher Weise Licht absorbieren.

Schon innerhalb der nächsten zehn Jahre, so vermuten die Forscher, werde die Technologie für diese Art der Fernanalyse zur Verfügung stehen.

Anhand aktueller Computermodelle der atmosphärischen Chemie und Klimata haben die Forscher schon jetzt die sichtbaren Signale der Fluorchlorkohlenwasserstoffe und anderer künstlicher Nebenprodukte, wie etwa Schwefelhexachloride, technologisch entwickelter Zivilisationen simuliert, wie sie sich anhand ferner Atmosphären abzeichnen sollten. In weiteren Schritten sollen Simulationen nun zeigen, ob die entsprechenden "Technosignaturen" über die interstellaren Distanzen mit der nächsten Generation von Teleskopen nachweisbar sind.

"Das Projekt hängt aber ganz klar davon ab, ob wir es auch finanziert bekommen", erläutert der Astrobiologe Sanjoy Som, ebenfalls vom Blue Marble Space Institute of Science.

Von dem angepeilten Forschungsprojekt erhoffen sich die Forscher auch Anzeichen für außerirdische Intelligenz jenseits der klassischen "habitablen Zonen" zu finden, auf die sich die bisherige Suche nach intelligenten Außerirdischen konzentriert.

"Die künstliche Erwärmung könnte schließlich auch auf Planeten außerhalb der habitablen Zone intelligentes Leben möglich machen", so Som. "In einigen tausend Jahren könnte die Menschheit des Mars mittels Terraforming bewohnbar gemacht haben. Wenn dann eine potentielle außerirdische Spezies unser Sonnensystem und die Erde entdeckt und auch die atmosphärische Zusammensetzung des Mars untersucht, der sich außerhalb der klassischen habitablen Zone der Sonne befindet - hier aber dennoch gesteigerte Treibhausgase, zusätzlich Wasserdampf und Sauerstoff ortet, so wären dies starke Hinweise darauf, dass hier eine intelligente Zivilisation am Werk ist, die sich von ihrer Heimatwelt auf andere Planeten ausdehnt."

Bei dem Projekt handelt es sich um die erste wissenschaftliche Untersuchung dessen, wie ein durch Terraforming veränderter Planet aus der Ferne aussehen würde und erkannt werden könnte.

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Quellen: astrobio.net, bmsis.org, petridish.org/projects/do-aliens-use-hairspray
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