Dienstag, 27. November 2012

Wissenschaftliche Kontroverse und Rätselraten um "historische Entdeckung" auf dem Mars


Einzelbildmosaik: Curiositys Panoramablick auf die Marslandschaft. (HIER finden Sie die Aufnahme in Originalgröße).
| Copyright: NASA/JPL-Caltech/Malin Space Science Systems 


Washington (USA) - Kein Tag vergeht derzeit, an dem nicht nur Laien sondern auch ausgewiesene Raumfahrt und Astrobiologie-Experten öffentlich darüber spekulieren, was der NASA-Mars-Rover "Curiosity" auf dem Roten Planeten gefunden haben könnte, das die Beschreibung als "historische Entdeckung" durch einen der leitenden Wissenschaftler der Mission, John Grotzinger, (...wir berichteten  1, 2, 3, 4) rechtfertigen könnte. Hier ein Überblick über einige der interessantesten Vermutungen und Aussagen.

Der NASA-Astrobiologe Chris McKay vom Ames Research Center der NASA, der wohl zum "internen wissenden Kreis" der NASA-Forscher zählen dürfte, hat sich in seinen Aussagen stark zurückhaltend über die zu erwartenden Ergebnisse des Miniaturlabors "SAM" an Bord des Rovers geäußert. Diese, so der McKay unter anderem gegenüber "NewScientist.com" und "Space.com", würden wohl nicht dem Medienhype gerecht, der derzeit rund um die Aussage Grotzingers aufgebaut werde. "Das wird eine ganz schöne Enttäuschung", prophezeit der Forscher. Die Bezeichnung der Entdeckung als "weltbewegend", sei eine unglückliche Übertreibung. "Bis jetzt haben wir mit SAM noch nichts gefunden, das nicht auch schon von früheren Missionen wie 'Phoenix' oder 'Viking' entdeckt worden wäre."

Dieser Ausführung widerspricht hingegen der Chefwissenschaftler des Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt, James Garvin - ebenfalls auf Anfrage von "Space.com" vehement. Im Gegensatz zu McKay ist Garvin direktes Mitglied des "Mars Science Laboratory"-(MSL)-Science Teams der NASA.


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"Das was unser sehr fähiger Projektwissenschaftler John Grotzinger gesagt hat, stimmt so ganz genau. Die analytische Nutzlast des MSL-Rovers (Curiosity), besonders die SAM-Einheit, hat bislang nicht erreichte Messungen fester Materialien mit unglaublichen Auswirkungen auf (unser Wissen über den) Mars durchgeführt. Aber wie bei aller Wissenschaft braucht es jetzt noch den Nachweis der Reproduzierbarkeit und eine eindeutige Bestätigung (der Daten)." Genau an dieser Aufgabe, so Garvin weiter, würde das Team unter anderem um Grotzinger, derzeit fieberhaft arbeiten, um der Welt sobald wie möglich die Ergebnisse präsentieren zu können.

Auch Garvin, der ebenfalls über die noch zurückgehaltenen Ergebnisse bestens bescheid wissen dürfte, spart in seiner Umschreibung der Fähigkeiten des Rovers und seiner wissenschaftlichen Bedeutung nicht an Superlativen: "Die MSL-Mission mit Curiosity und die Auswirkungen ihrer Entdeckungen, ist etwa das Gegenstück zum Hubble-Weltraumteleskop auf dem Mars. Wir müssen nur etwas Geduld beweisen und die wissenschaftlichen Werkzeuge (und Methoden) richtig einsetzen."



Archiv: Aus 55 Einzelaufnahmen der "Arm-Camera" zusammengestelltes Selbstportrait des Mars-Rovers "Curiosity". | Copyright: NASA/JPL-Caltech/Malin Space Science Systems

Auch Michael Mumma vom Goddard Center for Astrobiology der NASA zeigt sich von Grotzingers Ankündigung gegenüber "Space.com" fasziniert. "(Die Entdeckung) bezieht sich ganz klar auf die erste Bodenprobe, die SAM analysiert hat. Ich vermute das Zurückhalten der Informationen bedeutet, dass derzeit auch eine zweite Probe analysiert wird, um die Ergebnisse der ersten Messung zu überprüfen und gegebenenfalls zu bestätigen. Mumma vermutet, dass die Entdeckung entweder etwas mit dem Nachweis einer großen Menge abgegebenen Methans aus dem Marsboden und zugleich der Identifikation bestimmter und faszinierender Istotope, mit der Entdeckung komplexer Kohlenwasserstoffe oder mit den Nachweis von Polymeren zu tun hat.

Während der Sprecher des Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA, Guy Webster gegenüber Medienvertretern nochmals bestätigte, dass Grotzinger auch weiterhin von der hohen Qualität der SAM-Ergebnisse begeistert sei, ließ er es sich jedoch mit Fingerzeig auf die das Interesse auslösende NPR-Radiosendung auch nicht nehmen klar zu stellen, dass die Bezeichnung der angekündigten Ergebnisse als "weltbewegend" in dieser Form nicht von einem der JPL-Wissenschaftler und somit auch nicht von Grotzinger stamme.


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Quellen: space.com, newscienctist.com
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