Freitag, 2. November 2012

Zoo-Elefant Koshik "spricht" Koreanisch


Sprachbegabter Elefant Koshik mit den Forschern Angela Stöger und Daniel Mietchen.
| Copyright: Current Biology, Stoeger et al.



Wien (Österreich) - Der im Everland Zoo von Yonging lebende Asiatische Elefant namens Koshik ist in der Lage, einige koreanische Wörter exakt zu imitieren und deutlich verständlich auszusprechen. Während Elefanten für gewöhnlich für ihre tief-frequenten Infraschalllaute bekannt sind, die teilweise so tief sind, dass Menschen sie nicht wahrnehmen können, erzeugt Koshik seine Wortlaute dabei auf gänzlich ungewöhnlichem Wege: Um seine Mundhöhle für die Produktion menschlicher Laute zu modulieren, steckt Koshik sich seinen Rüssel während der Lautäußerung ins Maul.

Auf den Elefanten aufmerksam wurde das Team um die Bioakustikerin Angela Stöger von der Universität Wien durch das folgende Internetvideo.

Elefant Koshik 2009

Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

Nach Einschätzung der Forscher kennt Koshik die Bedeutung seiner imitierten Wörter allerdings nicht. Dennoch tragen gewonnenen Erkenntnisse zum weiteren Verständnis der komplexen, vokalen Imitationen zugrunde liegenden Mechanismen und deren Evolution bei, berichten die Forscher aktuell im Fachmagazin "Current Biology".


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Die koreanischen Wörter, die Koshik verständlich imitiert sind: "annyong" (hallo), "anja" (setz dich), "aniya" (nein), "nuo" (leg dich hin) und "choah" (gut). Für die Forscher erlaubt die Sprachfähigkeit des Elefanten wichtige Einsichten in die Biologie und Evolution des komplexen Stimmerlernens und damit einer Fähigkeit, die grundlegend für die menschliche Sprache und Musik ist.
- Aufnahmen der natürlichen Laute Asiatischer Elefanten finden Sie HIER und HIER

- "Sprach"-Beispiele von Koshik (zuerst zu hören, ist die Vorgabe des Pflegers – dann Koshiks imitation) finden Sie HIER und HIER
"Die menschliche Sprache hat zwei wichtige Aspekte: Klanghöhe und die Klangfarbe (Timbre)", erläutert Stöger. "Die Klangfarbe wird maßgeblich von den sogenannten Formanten geprägt. Formanten sind durch die Resonanzeigenschaften des Vokaltraktes verstärkte Bereiche des Sprachspektrums. Die Lage der Formanten charakterisiert die Bedeutung bestimmter Laute, insbesondere jene der Vokale."

Koshik trifft präzise die menschlichen Formanten sowie die Tonhöhe seiner Pfleger. Dies sei beachtlich, wenn man die Größe, den langen Vokaltrakt und die anatomischen Unterschiede zwischen Mensch und Elefant bedenkt. Schließlich haben Elefanten einen Rüssel und keine Lippen und der große Elefantenkehlkopf produziert normalerweise sehr tiefe Laute, viele davon im besagten Infraschallbereich.

"Vokale Imitation oder vokales Lernen ist eine grundlegende Eigenschaft der menschlichen Sprache und der Musik. Innerhalb des Tierreichs sind in erster Linie Vögel für ihre Fähigkeit, Laute zu imitieren, bekannt", erläutert die Pressemitteilung der Universität Wien. "Es gibt auch Berichte über vokale Imitationen bei Afrikanischen und Asiatischen Elefanten: So sollen Afrikanische Elefanten LKW-Geräusche sowie Laute von Asiatischen Elefanten imitiert haben. Darüber hinaus gibt es eine Anekdote, dass ein Asiatischer Elefant in einem Zoo in Kasachstan Wörter in Kasachisch sowie in Russisch imitieren konnte. Wissenschaftlich wurde dies jedoch nie belegt."

Im Fall des Elefanten Koshik bestätigte das Team von Wissenschaftern um Stöger die Sprachimitation auf mehreren Wegen. "Zunächst wurden Koshiks Imitationen Koreanern vorgespielt, die diese mündlich und schriftlich zu beschreiben hatten. Wir waren über die relativ hohe Übereinstimmung der Beschreibungen - sowohl was die Bedeutung als auch die Schreibweise der Laute betraf - wirklich überrascht. Ein Vergleich der akustischen Struktur der Sprachimitationen mit den gesprochenen Worten seiner Pfleger und mit 'normalen' Elefantenlauten hat ergeben, dass sich Koshiks Imitationen deutlich von natürlichen Elefantenlauten unterscheiden, hingegen aber der Sprache seiner Pfleger sehr ähnlich sind."

Bislang noch nicht ganz geklärt ist für die Forscher die Frage, warum der Elefant begann, seine Pfleger zu imitieren. Stöger und Kollegen vermuten jedoch, dass es mit Koshiks "Jugendzeit" zu tun hat. In dieser Phase war Koshik über mehrere Jahre der einzige Elefant im Everland Zoo, und seine Pfleger waren seine wichtigsten sozialen Kontaktpersonen. "Wir vermuten, dass Koshik seine Lautäußerungen an jene der Pfleger angepasst hat, um die soziale Bindung zu seinen Gefährten zu stärken. Das ist ein Verhalten, das man auch von anderen Arten kennt – vorausgesetzt, die Tiere sind zur vokalen Imitation fähig. In speziellen Fällen tritt dies auch zwischen Individuen unterschiedlicher Spezies auf", so Angela Stöger abschließend.

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