Donnerstag, 22. November 2012

Zwergplanet: Ferne Eiswelt Makemake gibt erstmalig ihre Geheimnisse preis


Künstlerische Darstellung von Makemake vor der im Hintergrund weit entfernten Sonne.
| Copyright: Calçada/Nick Risinger (skysurvey.org) 


Granada (Spanien) - Mit drei Teleskopen an Standorten der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile haben Astronomen beobachtet, wie der Zwergplanet Makemake vor einem Hintergrundstern vorbeizog. Diese Gelegenheit bot den Astronomen erstmals die Gelegenheit zu überprüfen, ob der Zwergplanet eine Atmosphäre besitzt.

Makemake umkreist die Sonne weit draußen im äußeren Sonnensystem. Bislang vermuteten Wissenschaftler, dass er genau wie Pluto eine Atmosphäre besitzen könnte. Wie sich nun aber herausstellte, ist das nicht der Fall. Bei dieser Gelegenheit gelang es den Wissenschaftlern auch, die Dichte des Zwergplaneten zu bestimmen. Die Ergebnisse der Beobachtungen haben die Forscher um von José Luis Ortiz vom Instituto de Astrofísica de Andalucía (CSIC) in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht.

Der Zwergplanet Makemake hat etwa zwei Drittel der Größe von Pluto und bewegt sich in noch größerer Entfernung als dieser um die Sonne. Noch weiter draußen befindet sich die Umlaufbahn von Eris, des massereichsten bekannten Zwergplaneten im Sonnensystem. Die bisherigen Beobachtungen des eiskalten Makemake zeigten, dass er gewisse Ähnlichkeiten mit anderen Zwergplaneten aufweist, so dass einige Astronomen erwartet haben, dass seine Atmosphäre - falls vorhanden - der von Pluto ähneln könnte. Die neuen Beobachtungsdaten zeigen nun jedoch, dass Makemake genau wie Eris über keine nennenswerte Atmosphäre verfügt.


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Makemake ist zu weit entfernt, als dass seine Eigenschaften direkt untersucht werden könnten. Dennoch bot sich durch die intensive Beobachtung einer sogenannten Sternbedeckung, während der er vor einem fernen Hintergrundstern vorbeizog, die Gelegenheit, diesen Eigenschaften auf die Spur zu kommen.

Hierzu werteten die Forscher Daten von drei verschiedenen Teleskopen an den ESO-Standorten La Silla und Paranal - dem Very Large Telescope (VLT), dem New Technology Telescope (NTT) und TRAPPIST (TRAnsiting Planets and PlanetesImals Small Telescope) - und von anderen kleinen Teleskopen in Südamerika aus.

"Als Makemake vor dem Stern vorüberwanderte und ihn dabei vollständig bedeckte, verschwand der Stern abrupt, anstatt allmählich zu verblassen. Nach dem Ende der Bedeckung tauchte der Stern ebenso abrupt wieder auf. Das bedeutet, dass dieser Zwergplanet keine nennenswerte Atmosphäre haben kann", erläutert Ortiz. "Bisher sind wir davon ausgegangen, dass durchaus gute Chancen für das Vorhandensein einer Atmosphäre bestünden. Dass dem nicht so ist, zeigt uns wieder einmal, wie viel wir noch über diese rätselhaften Objekte lernen müssen. Die erste genaue Untersuchung der Eigenschaften von Makemake ist ein großer Schritt für unser Verständnis der Mitglieder des exklusiven Clubs der eisigen Zwergplaneten."

Da Makemake keine bekannten Monde besitzt und sehr weit von der Erde entfernt seine Bahn zieht, sind genaue Untersuchungen sehr schwierig, und die wenigen bisher vorhandenen Erkenntnisse waren relativ ungewiss. "Die neuen Beobachtungen des Wissenschaftlerteams fügen unserem Wissen über Makemake eine Fülle von Details hinzu", so die ESO-Pressemeldung. "Eine genauere Bestimmung von Makemakes Größe, die Erkenntnis dass er keine nennenswerte Atmosphäre haben kann und eine erste Abschätzung seiner Dichte. Ebenso war es den Astronomen möglich, die sogenannte Albedo von Makemake messen, eine Größe, die angibt, welcher Anteil des einfallenden Sonnenlichts von Oberfläche des Zwergplaneten zurückgeworfen wird. Das Ergebnis ist, dass die Albedo von Makemake etwa 0,77 beträgt - ein Wert, der höher ist als für Pluto und niedrigerer als für Eris und etwa der Albedo von schmutzigem Schnee entspricht."

Sternbedeckungen durch Makemake sind besonders selten, da er sich zur Zeit durch ein relativ sternarmes Himmelsareal bewegt. Die präzise Vorhersage und Beobachtung eines solchen Ereignisses ist extrem schwierig. Daher ist die nun vorgestellte erfolgreiche Beobachtungskampagne, an der zahlreiche Teammitglieder und Instrumente an verschiedenen Standorten in Südamerika teilnahmen, ein großer Erfolg.

"Pluto, Eris und Makemake gehören zu den größeren Vertretern der vielen eisigen Objekte, die unsere Sonne in großer Entfernung umkreisen", ergänzt Ortiz abschließend. "Unsere neuen Beobachtungen haben uns viele neue Erkenntnisse über Makemake beschert. In der Zukunft werden wir auf diese Erkenntnisse aufbauen und diese faszinierenden Objekte noch eingehender untersuchen."

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