Montag, 17. Dezember 2012

Bertelsmann Gesundheitsmonitor 2012: Komplementär- und Alternativmedizin in Deutschland stabilisiert sich auf hohem Niveau


Titelblatt des "Gesundheitsmonitors 2012" der Bertelsmann Stiftung
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Essen (Deutschland) - Seit 2001 erhebt der Gesundheitsmonitor der "Bertelsmann Stiftung" Daten zur Gesundheitsversorgung in Deutschland. 2012 beinhaltet er erneut eine aktuelle repräsentative Umfrage darüber, wie oft Verfahren der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM-Verfahren) in Deutschland verwendet werden, und wie gut sie wirken. Gefragt wurden 1778 Personen nach Naturheilmitteln und pflanzlichen Arzneimitteln, Naturheilverfahren, hömöopathischer Medizin, Entspannungstechniken, Akupunktur und chinesischer Medizin sowie Chiropraktik und Osteopathie.

Allgemein fragt die "Bertelsmann Stiftung" nach der Einstellung zu Gesundheit und Krankheit, Therapieverfahren und Ärzten. Insgesamt werden dabei mehr als 120 Fragen gestellt. Schon in den Jahren 2002, 2005, 2006 und jetzt erneut 2012 wurde dabei die Naturheilkunde mit insgesamt 8 Fragen zu 6 Therapieverfahren berücksichtigt.

Wie die Nachrichtenagentur der "Karl und Veronica Carstens-Stiftung" (carstens-stiftung.de) berichtet, haben laut dem Ergebnis der Umfrage "63 Prozent der Befragten mindestens eines der genannten Verfahren schon einmal in Anspruch genommen, davon 40 Prozent in den vergangenen 12 Monaten, 23 Prozent vor mehr als 12 Monaten. 31 Prozent der Verwender zählen zu den Viel-Nutzern: sie haben bereits drei oder mehr Verfahren in Anspruch genommen.

Die Viel-Nutzer sind häufig zwischen 40 und 59 Jahren alt, weiblich, verfügen über höhere Bildung und höheres Einkommen, und sind oder waren im Gesundheitsbereich tätig. Der Gesundheitszustand dieser Gruppe ist meist schlechter, das Gesundheitsbewusstsein größer."

Interessant an diesen Werten sei, dass es unter den Viel-Nutzern nicht nur überproportional viele Befürworter von CAM-Verfahren, sondern noch mehr Personen mit einer ambivalenten Haltung gebe. "CAM-Verwender sind also durchaus kritisch gegenüber den Therapien, die sie anwenden."


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Am gefragtesten unter den CAM-Verfahren sind laut der aktuellen Umfrage mit 46 Prozent die Naturheilmittel und pflanzlichen Arzneien, die vor allem bei vorübergehenden Erkrankungen zum Einsatz kommen. Sie sind eine Domäne der Selbstbehandlung: Mehr als die Hälfte der Verwender (55 Prozent) nutzen sie aus eigenem Antrieb, ein gutes Drittel auf Empfehlung des Arztes.

"Naturheilverfahren haben bereits 34 Prozent der Befragten verwendet, allerdings in zwei Drittel aller Fälle auf Empfehlung des Arztes und nur in einem Drittel aus eigenem Antrieb. Naturheilverfahren werden bei vorübergehenden und chronischen Krankheiten gleichermaßen eingesetzt. Etwa 16.000 Ärzte in Deutschland verfügen über eine entsprechende Zusatzqualifikation", fasst die Carstens-Stiftung zusammen.

"In der Verbreitungs-Rangliste folgt die homöopathische Medizin mit 31 Prozent. 37 Prozent der Behandlungen erfolgte auf Empfehlung eines Arztes, 48 Prozent aus eigenem Antrieb und 16 Prozent auf Empfehlung eines Heilpraktikers - im Vergleich ist dies der höchste Wert. Rund die Hälfte der Nutzer verwenden Homöopathie wegen eines chronischen Leidens, fast 80 Prozent tragen die Kosten selbst. Etwa 7000 Ärzte verfügen über die offizielle Zusatzbezeichnung Homöopathie.

Entspannungstechniken nutzen 24 Prozent der Befragten, Akupunktur 22 Prozent und Chirotherapie oder Osteopathie 15 Prozent."

Insgesamt zeigen die Ergebnisse demnach eindeutig, "dass die CAM-Verfahren von vielen Anwendern als subjektiv wirksam eingeschätzt werden. Verschlechterungen traten in weniger als 1 Prozent der Fälle auf.

Für alle Verfahren lag der Anteil der Anwender, die angaben, die Behandlung habe "gut geholfen" bei 40 Prozent, besonders gut schnitt die Chirotherapie/Ostheopathie ab (über 60 Prozent "gut geholfen"), gefolgt von der Homöopathie mit 50 Prozent. Weiterhin auffällig: Bei der Akupunktur gaben 20 Prozent der Verwender an, dass keine Besserung der Beschwerden erzielt werden konnte."

In der Beurteilung des Zeitverlaufs werden nur die Daten der Verwender in den letzten zwölf Monaten berücksichtigt, weil diese den aktuellen Trend besser wiedergeben. Dabei fällt zwischen 2005 und 2006 ein Rückgang der Gesamtanwendung von 57 Prozent auf 43 Prozent auf.

Die Autoren der Studie führen dies vor allem auf einen Einbruch in der Verwendung von Naturheilmitteln und pflanzlichen Arzneien zurück. Sehr wahrscheinlich sei dieser Effekt eine direkte Nachwirkung der 2004 vorgenommenen gesetzlichen Änderung, nach der frei-verkäufliche pflanzliche Arzneien nicht mehr von der Krankenkasse erstattet werden. Interessant ist für die Carstens-Stiftung jedoch die Beobachtung, "dass sich dieser Einbruch in anderen Umfragen - auch in den Allensbach-Umfragen zum Thema Naturheilmittel - bisher nicht gezeigt hatte."

Seit 2006 bleibe die Inanspruchnahme in etwa gleich, mit leicht abnehmender Tendenz.

Als Fazit fasst die Carstens-Stiftung zusammen:
"CAM-Verfahren haben einen festen Platz in der Gesundheitsversorgung. Die Ergebnisse zeigen, dass fast zwei Drittel der erwachsenen Deutschen mindestens einmal eine Alternative oder Ergänzung zur Schulmedizin gesucht und genutzt haben. Diese wird in der Regel als wirksam empfunden. Die Zuwächse in der Inanspruchnahme seit den 80er Jahren sind allerdings vorbei - das Niveau stabilisiert sich."

- Den Gesundheitsmonitor 2012 der Bertelsmann Stiftung finden Sie HIER

- Ein Interview mit Prof. Klaus Linde von der TU München, der die Ergebnisse für die CAM-Verfahren im Gesundheitsmonitor ausgewertet hat, finden Sie HIER
 

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