Montag, 3. Dezember 2012

EU-weite Studie: Komplementär- und Alternativmedizin spielt eine wichtige Rolle in Europas Gesundheitswesen - aber es gibt zu wenig gesichertes Wissen darüber


Archiv: Shiatsu in der Anwendung. | Copyright: cambrella.eu 


Brüssel (Belgien) - CAMbrella, das EU-geförderte Forschungsnetzwerk für Komplementär- und Alternativmedizin (CAM), hat die Ergebnisse seiner dreijährigen Arbeit vorgestellt und fordern als Konsequenz mit der zugleich vorgelegten "Roadmap for European CAM research" eine gemeinsame europäische Forschungsstrategie.

Die CAMbrella-Forscher von 16 Partnerinstitutionen aus 12 europäischen Ländern bestätigen, "dass das Wissen, das Angebot und die Regulierung der Komplementärmedizin (CAM) in Europa sehr unterschiedlich sind und dass CAM ein stark vernachlässigtes Forschungsgebiet ist." Europa sei, verglichen mit den finanziellen und strukturellen CAM-Investitionen zur Forschungsförderung in den Vereinigten Staaten, Asien und Australien, im Hintertreffen.

Aus diesem Grund, so die Forscher, sei "eine zentrale und koordinierte Forschungsanstrengung dringend erforderlich, um das Wissen über dieses Medizingebiet zu verbessern." Die erarbeitete "Roadmap for European CAM research" soll hierzu als Leitfaden dienen.

In seinem Referat bei der Abschlusskonferenz in Brüssel sagte der Projektkoordinator Dr. Wolfgang Weidenhammer vom Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde des Klinikums rechts der Isar der TU München: “Die Bürger sind der Motor für CAM. Ihre Bedürfnisse und Meinungen sind die Schlüsselpriorität; wir müssen die Interessen der europäischen BürgerInnen besser kennen und sie in der Forschung stärker berücksichtigen."


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Unter dem Sammelbegriff CAM sind alle jene Behandlungsmethoden zusammengefasst, die meist außerhalb der konventionellen Medizin in Anspruch genommen werden. Methoden wie Phytotherapie, Homöopathie, Manuelle Therapien (Massage, Osteopathie und Reflexologie) oder Akupunktur, um nur die Bekanntesten zu nennen, werden in der Behandlung chronischer Erkrankungen, Krankheitsprävention und der Gesundheitsvorsorge angewandt. CAM umfasst aber auch in einigen europäischen Ländern weniger bekannte Methoden wie z.B. anthroposophisch erweiterte Medizin, klassische Naturheilverfahren oder Neuraltherapie.

Laut CAMbrella praktizieren in Europa mehr als 150.000 Ärzte mit einer Zusatzqualifikation in CAM und mehr als 180.000 nicht-ärztliche Therapeuten. Es gibt also etwa 65 CAM-Anbieter pro 100.000 Einwohner verglichen mit ca. 95 Ärzten pro 100.000 Einwohner. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Ausübung von CAM unterscheiden sich allerdings in allen 39 europäischen Ländern voneinander. Prof. Vinjar Fonnebo von der norwegischen Universität Tromso kommentiert: "Gesundheitsanbieter müssen ihren Patienten und Klienten sichere Dienstleistungen anbieten können. Das gegenwärtige Chaos bei Ausbildungen und Rahmenbedingungen für CAM macht dies sehr schwierig".

Europa habe sich bisher nur unzureichend mit diesem Feld der Medizin befasst. Verwertbares Wissen über die Verbreitung von CAM als Medizindienstleistung für die europäischen Bürger und Patienten ist demnach größtenteils nicht vorhanden. "Weder sind in den meisten europäischen Ländern bisher die Bedürfnisse der BürgerInnen in Bezug auf das CAM-Angebot erhoben worden noch gibt es gesichertes Wissen über die Situation der Anbieter."

Als Schlussfolgerung aus den Untersuchungen fordert die CAMbrella-Gruppe die EU auf, europäische CAM-Forschungsprogramme und -initiativen zu implementieren, die die generell unklare Situation dieses Gebietes ins Auge fassen und sich an den tatsächlichen medizinischen Versorgungsbedingungen in Europa orientieren, wie Prof.

Dr. Benno Brinkhaus vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin und Leiter der Arbeitsgruppe Roadmap, ausführt: "Wenn CAM ein Teil der Lösung der Probleme im Gesundheitssystem sein soll, die in den kommenden Jahren auf uns zukommen, müssen wir dringend zuverlässige Informationen über Wirksamkeit, Sicherheit und Kosten in den realen Versorgungsbedingungen sammeln und analysieren."

Hierzu schlägt die Projektgruppe die Errichtung eines europäischen Zentrums für CAM vor, das die von CAMbrella empfohlene Forschungsstrategie berücksichtigt. "Ein solches Zentrum würde den Forschern die Beantwortung der drängendsten Fragen möglich machen: Wer benutzt CAM in Europa und wofür? Welche CAM Methoden versprechen den größten Nutzen für die zentralen Gesundheitsprobleme Fettleibigkeit, Diabetes und Krebs? Wie kann die Sicherheit von Patienten gewährleistet werden? Welche Bedürfnisse haben EU-Bürger? Welche Chancen und Risiken bestehen bei der Integration von CAM in konventionelle Behandlungspläne? Was ist bei der Planung eines einheitlichen, wissenschaftsbasierten Vorgehens und bei der koordinierten Verbreitung der Ergebnisse in alle Bereiche der EU-Öffentlichkeit zu beachten?"

"Die Vision von CAMbrellas Roadmap ist es, zu einer evidenzbasierten Grundlage beizutragen, die den europäischen Bürgern und Politikern ermöglicht, fundierte Entscheidungen zu CAM zu treffen" fasst Prof. Dr. Benno Brinkhaus die Ziele des Projekts zusammen.

"Dem CAMbrella Projekt kommt somit eine zentrale Bedeutung für die Komplementärmedizin und die Gesundheitsversorgung in Europa zu“, resümiert der Projektleiter Dr. Weidenhammer „es kommt nun darauf an, die Ideen und Vorschläge umzusetzen und dazu bedarf es dringend einer europäischen Förderung".

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