Samstag, 8. Dezember 2012

Forscher wollen Proben vom Saturnmond Enceladus zur Erde bringen und darin nach Spuren von Leben suchen


Die Eisfontänen am Südpol des Saturnmondes Enceladus.
| Copyright: NASA/JPL/Space Science Institute 


La Canda (USA) - Wissenschaftler und Ingenieure haben ein Konzept für eine Mission erarbeitet, innerhalb derer eine Raumsonde direkt durch die gewaltigen Eisfontänen des Saturnmondes Enceladus fliegen, dabei Partikel aus diesen Geysiren einsammeln und die Proben zurück zur Erde transportieren soll. Hier sollen diese dann nach Spuren von Leben untersucht werden - gilt der Saturnmond mit seinem von einem dicken Eispanzer bedeckten tiefen Wasserozean doch als einer der Hauptkandidaten für mögliches außerirdisches Leben im Sonnensystem.

"Das sind wirklich tief hängende Früchte", beschreibt der Studienleiter Peter Tsou von Sample Exploration Systems das Ziel der anvisierten Mission auf dem Herbsttreffen der American Geophysical Union (AGU). "Es wäre eine Schande, diese Früchte nicht auch zu pflücken".

Laut Tsou benötigt Leben wie wir es kennen vor allem vier Dinge: "Flüssiges Wasser, Kohlenstoff, Stickstoff und eine ausreichende Energiequelle. Alle diese vier Dinge sind auf Enceladus vorhanden, weswegen Forscher den Saturnmond auch als einen der besten Orte im Sonnensystem einstufen, an denen es jenseits der Erde noch Leben geben könnte."


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Tatsächlich erzeugt Enceladus selbst durch die Gezeitenwechselwirkungen mit seinem Nachbarmonde Dione von Innen heraus genügend Hitze, um den verborgenen Wasserozean flüssig zu halten und aus bis zu 300 Metern tiefen Spalten in seinem Eispanzer gewaltige Kryovulkanfontänen aus Wasser, Eis und kohlenstoffhaltigen organischen Verbindungen bis zu 500 Kilometer ins All zu pressen.

Genau durch diese Fontänen soll die geplante Sonde fliegen, mit Hilfe eines Aerogel-Kollektors Partikel dieser Geysire beproben und diese dann wieder zur Erde schicken. In den entsprechenden Proben aus den Fontänen erhoffen sich die Forscher dann Aminosäuren und andere mögliche biologische Molekülen als Zeichen für Leben zu finden.

Vorbild für die Mission ist die Stardust-Mission, mit der die NASA erfolgreich Partikel aus der Gashülle (der sog. Koma) des Kometen "Wild 2" entnommen und zur Erde gebracht hatte. Stardust habe gezeigt, dass eine solche Mission schon heute möglich ist. Weitere aufwendige Entwicklungen seien also eigentlich kaum notwendig.

Nachdem die Mission zunächst mit rund 1,2 Milliarden US-Dollar in Zeiten, in denen auch die NASA mit Budgetkürzungen zu kämpfen hat, deutlich zur teuer angelegt wurde, konnten die Kosten für die 5 x 3 Meter große Sonde nun auf unter 425 Millionen Dollar gedrückt werden. Dadurch liegen die Kosten innerhalb des gedeckelten Rahmens, um die Mission der NASA als Teil des "Discovery"-Programms vorschlagen zu können.

Bei dem Discovery-Programm der NASA handelt es sich um eine Reihe von auf jeweils 425 Millionen Dollar Gesamtkosten gedeckelten wissenschaftlichen Weltraummissionen. Zu den bisherigen erfolgreichen Discovery-Missionen zählen unter anderem der "Mars-Pathfinder", die Kometen-Sonden "Deep Impact" und "Stardust", der Mondsatellit "Lunar Prospector" und das "Moon Mineralogy Mapper"-Instrument an Bord des indischen Mondorbiters "Chandrayaan-1". Ebenfalls Teil des "Discovery-Programms" sind die derzeitige Merkur-Sonde "MESSENGER", die Asteroidensonde "Dawn", sowie die unter dem Namen "EPOXI" fortgeführte Mission der "Deep Impact"-Sonde.

Die nächste Entscheidungsrunde für zukünftige Discovery-Mission steht für 2015 an. Danach könnte die Sonde, sollte die Mission von der NASA ausgewählt werden, dann 2020 starten - aber erst 14 Jahre später, also 2034, die erhofften Proben zur Erde wieder zurückbringen.
 
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