Sonntag, 9. Dezember 2012

Neue Theorie: Indische Vulkane, nicht Asteroid, ließen Dinosaurier aussterben


Führte vulkanische Aktivität in der indischen Dekkan-Trapp-Region zum Aussterben der Dinosaurier und anderer Arten?
| Copyright: Gerta Keller, NSF 


Princeton (USA) - Eine neue Theorie stellt die bislang gängige Vorstellung von einem gewaltigen Asteroideneinschlag als Auslöser für das Aussterben der Dinosaurier in Frage. Während die Idee von Vulkanismus anstelle eines Asteroideneinschlags nicht neu ist, stellt eine US-Forscherin nun konkret vulkanische Aktivität im heutigen Indien als Auslöser des weltweiten Massensterbens zur Diskussion.

Wie Gerta Keller von der Princeton University aktuell auf dem Herbsttreffen der American Geophysical Union (AGU) berichtete, soll die über mehrere zehntausend Jahre andauernde vulkanische Aktivität der Dekkan-Trapp-Region im westlichen Indien gewaltige Mengen an Schwefelgasen und Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre geschleudert und so - durch eine dramatische Klimaerwärmung und Versäuerung der Ozeane - zum weltweiten Massensterben vor rund 65 Millionen Jahren geführt haben.

Schon seit einigen Jahren kämpft Keller gegen die populäre Vorstellung von einem gewaltigen Asteroiden- oder Kometeneinschlag vor 65 Millionen Jahren auf der nördlichen Yucatán-Halbinsel, durch den gewaltige Mengen an Staub und Gasen in die Atmosphäre geschleudert wurden, hier das Sonnenlicht blockierten und so zu einer dramatischen weltweiten Abkühlung und dem so ausgelösten massenhaften Artensterben geführt haben sollen.


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2009 entdeckte das Team um Keller vor der ostindischen Küste in von Lava durchzogenen Sedimenten aus dem Dekkan-Trapp zahlreiche Fossilien aus der Zeit an der Grenze zum Massensterben der Dinosaurier.

Innerhalb dieser fossilen Aufzeichnungen stellten die Wissenschaftler eine Abnahme von Plankton-Arten und ein Rückgang komplexer Schalentiere unmittelbar nach den Lavaschichten fest. Dieser Rückgang musste also nur wenige Jahre nach den Ausbrüchen eingesetzt haben. Einhergehend mit dem so dokumentierten Aussterben dieser Arten stellten die Forscher zugleich jedoch eine explosionsartige Zunahme einer Planktonart mit dem Namen Guembilitria fest.

Ähnliche Beobachtungen machten die Forscher danach auch in vergleichbaren Sedimenten aus Ägypten, Israel, Spanien, Italien und Texas: Während Guembilitria-Arten 80 bis 98 Prozent der Fossilien ausmachten, waren andere Arten nahezu vollständig verschwunden.

"Man könnte Guembilitria als eine Art Katastrophen-Oportunisten bezeichnen", so Keller gegenüber "LiveScience.com". "Ähnlich wie Kakerlaken, so überlebte Guembilitria immer dann und dort, wo die Dinge für andere Arten furchtbar schief gingen."

Den Grund für die zunehmende Dominanz der Guembilitria-Arten sehen die Forscher in gewaltigen Mengen an Schwefel, die mit dem Sauren Regen als Folge der Dekkan-Vulkane in die Ozeane gelangt wären. Hier hätte sich der Schwefel chemisch mit Kalzium verbunden, dieses gebunden, wodurch es nicht mehr für Meereslebewesen zur Verfügung stand, die Kalzium jedoch zum Aufbau ihrer Schalen und Skelette benötigten. Auf diesen Umstand deuten auch die fossilen Funde, die belegen, dass auch Plankton-Arten kleiner wurde und weniger komplexe Schalen ausbildeten.

Fossile Funde auf dem indischen Festland belegen zudem, dass zur selben Zeit zunehmend auch an Land Tiere und Pflanzen verschwanden. Für die Forscher um Keller ein weiteres Zeichen dafür, dass die vulkanische Aktivität der Dekkan-Trapp-Region - die sich einst größenmäßig über eine Fläche des heutigen Europas ausdehnte und zu den größten durch Vulkanismus geprägten Regionen der Erde gehört - für das weltweite Massensterben sowohl an Land als auch in den Meeren verantwortlich war.

Hinzu präsentierte Keller weitere Hinweise, die Zweifel an der Vorstellung aufkommen lassen, dass der sogenannte Chicxulub-Einschlag vor Yucatán für das Massensterben vor 65 Millionen Jahren verantwortlich war, findet sich Iridium und damit sozusagen die chemische Signatur eines Asteroiden in den Sedimenten doch erst "nach" dem Aussterben der Arten. Auch hätte ein derartiger Einschlag nicht genügend giftigen Schwefel und Kohlendioxid freigesetzt, um die Mengen dieser Stoffe in den Sedimentschichten erklären zu können.

Zwar könnte der Einschlag die Umstände, die zum weltweiten Massensterben geführt hatten, noch zusätzlich verschlimmert, dieses jedoch nicht ausgelöst haben, so die Forscherin.

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