Freitag, 21. Dezember 2012

SKA: Auch Deutschland beteiligt sich an geplantem weltweit größten Radioteleskop


Künstlerische Darstellung des fertigen Square Kilometre Array (SKA), dessen Bau in Südafrika und Australien geplant ist (Illu.).
| Copyright: SKA Organisation/Swinburne Astronomy Productions 

Bonn (Deutschland) - Als 10. Mitglied beteiligt sich nun auch die Bundesrepublik an Planung und Bau des größten und bei weitem empfindlichsten Radioteleskops der Erde. Das "Square Kilometre Array" (SKA) soll mit Fertigstellung Astronomen in die Lage versetzen, die Entstehung und Entwicklung der ersten Generationen von Sternen und Galaxien nach dem Urknall zu erforschen, die Natur der Gravitation zu untersuchen und vielleicht sogar Leben außerhalb der Erde zu entdecken.

"Deutschland hat einen exzellenten Ruf nicht nur in der radioastronomischen Forschung, sondern auch im Management und in der Umsetzung von Großprojekten und der damit verbundenen industriellen Entwicklung", hebt Professor John Womersley, der Sprecher des Direktoriums der SKA-Organisation, angesichts der Mitwirkung Deutschlands hervor. "Die Erfahrung unserer deutschen Partner stellt einen erheblichen Vorteil für das SKA dar, vor allem, wo wir jetzt in die Vorbereitung der Konstruktionsphase für dieses begeisternde Projekt kommen."

Als deutsche Vertreter im Direktorium der SKA-Organisation sind Dr. Beatrix Vierkorn-Rudolph, Unterabteilungsleiterin "Großgeräte und Grundlagenforschung, Sonderaufgabe ESFRI" im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Professor Michael Kramer, Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie, einem der Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), ernannt worden. Der deutsche Beitrag zur SKA-Organisation beträgt 1 Mio. Euro und wurde zu je 50% gemeinsam durch das BMBF und die MPG finanziert.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +
 
"Wir leben in aufregenden Zeiten für neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die beispiellose Größenordnung des internationalen SKA-Projekts ermöglicht es uns, die Grenzen der Forschung in Physik und Astronomie noch weiter voranzutreiben", sagt Professor Kramer. "Das SKA hat das Potential, unser Verständnis des Universums, so wie wir es heute kennen, komplett umzukrempeln."

"Im Zeitalter der Multiwellenlängen-Astronomie reicht die Bedeutung der Forschung mit SKA weit über die Radioastronomie hinaus", bekräftigt auch Prof. Dr. Matthias Steinmetz (Leibniz-Institut für Astrophysik, Potsdam), Vorsitzender des Rates Deutscher Sternwarten. "Das SKA-Projekt wird somit weltweit von einer sehr großen Community getragen."



Flattr this

Im Mai 2012 haben sich die Mitglieder der SKA-Organisation auf den Standort für das SKA geeinigt: Das Teleskop wird demnach in zwei Teilen in Australien und Südafrika errichtet. Beide Standorte bieten ein außerordentlich radioruhiges Umfeld und ermöglichen so schon den Nachweis von sehr schwachen Radiosignalen aus der Frühzeit des Universums. Viele Tausende von einzelnen SKA-Empfängern werden demnächst in den beiden Wüstenregionen aufgestellt.


Künstlerische Darstellung eines SKA-Feldes (Illu.).
| Copyright: SKA Organisation/Swinburne Astronomy Productions

Dazu wird eine Technologie zum Einsatz kommen, die zurzeit bereits in dem europäischen Radioteleskop LOFAR (Low-Frequency Array, ...wir berichteten) getestet wird, bei dem Deutschland eine wichtige Rolle spielt. In Deutschland stehen LOFAR-Antennenstationen bereits in Effelsberg, Unterweilenbach, Tremsdorf, Tautenburg und Jülich.


Teleskop bei Astroshop

"Die digitalen Bildgebungsverfahren, die wir mit LOFAR entwickeln, werden uns helfen, das SKA zu einer Entdeckungsmaschine für Gravitationswellen, Magnetfelder und vieles anderes zu machen", sagt Prof. Marcus Brüggen (Universität Hamburg), Sprecher der deutschen SKA-Gruppe. "Die deutschen Wissenschaftler, die auf dem Gebiet arbeiten, begrüßen diese Nachricht", bestätigt Prof. Ralf-Jürgen Dettmar (Ruhr-Universität Bochum), Vorsitzender des "German Long Wavelength Consortiums" (GLOW).

Einmal fertig gestellt wird das SKA das größte und bei weitem empfindlichste Radioteleskop der Welt sein. "Die komplette Sammelfläche von ungefähr einem Quadratkilometer ermöglicht eine 50mal höhere Empfindlichkeit und eine 10000mal höhere Messgeschwindigkeit für Himmelskarten im Vergleich zu den besten heutigen Radioteleskopen", erläutert die Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (mpifr-bonn.mpg.de). "Das SKA wird mit unterschiedlichen Antennenfeldern sowohl in Südafrika als auch in Australien aufgebaut. Tausende einzelner Empfänger erstrecken sich über einen Abstand von bis zu 3000 Kilometern von den Zentralstationen. Mit dem SKA wird man fundamentale bisher unbeantwortete Fragen über das Universum angehen, wie zum Beispiel die Entstehung und Entwicklung der ersten Sterne und Galaxien nach dem Urknall, wie Dunkle Energie die Expansion des Universums beschleunigt, die Rolle von Magnetfeldern im Kosmos, das Wesen der Gravitation als fundamentaler Wechselwirkung sowie die Suche nach Leben außerhalb der Erde."

Derzeit sind gemeinsam mit Deutschland auch Australien, Kanada, China, Italien, die Niederlande, Neuseeland, Südafrika, Schweden und Großbritannien sowie Indien als assoziiertes Mitglied, an der SKA-Organisation beteiligt.


Zum Thema

- - -

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quellen: mpifr-bonn.mpg.de, mpg.de, skatelescope.org
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE