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Dienstag, 10. Januar 2012

Kepler-16: Doppelsternsystem könnte lebensfreundlichen Planeten beherbergen

Illustration der klassischen (HZ) und ausgedehnten (EHZ) habitablen Zone des Systems Kepler-16. (Die Angaben entsprechen Astronomischen Einheiten, AU), vor einer künstlerischen Darstellung des Planeten Kepler-16b vor seinen beiden Sonnen. | Copyright/Quelle: NASA/JPL-Caltech/R. Hurt, uta.edu

Arlington/ USA - Astrophysiker der University of Texas haben eine neue Studie vorgelegt, nach der in dem Doppelsternsystem Kepler-16 erdähnliche Planeten ihre beiden Sonnen umkreisen könnte, die auch die Voraussetzungen für Leben erfüllen könnten.

Bislang gehen Astronomen davon aus, dass es sich bei dem im vergangenen September entdeckten Planeten Kepler-16b um einen kalten Gasplaneten handelt, an dessen Himmel - ähnlich wie auf dem "Star Wars"-Planeten Tatooine - zwei Sonnen zu sehen sind (...wir berichteten) und der seine Zentralgestirne außerhalb der habitablen Zone (HZ) umkreist. Hierbei handelt es sich um jene Abstandsregion, innerhalb derer sich ein Planet befinden muss, damit auf seiner Oberfläche aufgrund gemäßigter Temperaturen Wasser in flüssiger Form und damit die Grundlage für Leben nach irdischen Maßstäben existieren könnte.

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Die neuen Berechnungen des Teams um Billy Quarles, Zdzislaw Musielak und Manfred Cuntz zeigen nun jedoch, dass es innerhalb des Planetensystems um die beiden Sterne auch mindestens einen erdähnlichen Planeten innerhalb der "grünen Zone" geben könnte. Bei diesem Himmelskörper könnte es sich aber auch um einen Mond des bereits bekannten Planeten handeln. Zudem vermuten die Forscher, dass hier unter bestimmten Voraussetzungen eine ausgeweitete habitable Zone (extended habitable zone, EHZ, s. Abb.) außerhalb der Umlaufbahn von Kepler-16b geben könnte.

Um innerhalb dieser postulierten Zone Leben beherbergen zu können, benötigte ein erdähnlicher Planet jedoch große Mengen an Treibhausgasen wie Kohlenmonoxid oder Methan in seiner Atmosphäre. Ihre Ergebnisse haben die Astrophysiker auf dem Jahrestreffen der American Astronomical Society (AAS) im texanischen Austin erstmals vorgestellt.

"Hierbei handelt es sich um eine Einschätzung von Möglichkeiten", erläutert Musielak. "Diese sagen uns, wo sich ein Planet im System Kepler-16 befinden muss, um lebensfreundliche Bedingungen aufweisen zu können. Jetzt hoffen wir darauf, dass Astronomen auch an genau diesen Orten suchen werden."

Die Schlussfolgerungen des Forschertrios basieren auf der früheren Studien, die belegt haben, dass habitable Zonen unter bestimmten Umständen auch deutlich ausgedehnter sein könnten, als bislang gedacht (...wir berichteten, s. Links). Leben könnte es also auch auf Planeten und Himmelskörpern geben, die ihre Sterne deutlich außerhalb der klassischen habitablen Zone umkreisen.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / uta.edu

"Ausgestorbene" Galapagos-Riesenschildkröten könnten heute noch leben

Hybride Riesenschildkröte auf der Galapagosinseln Isabela sind Nachkommen eines Elternteils der bislang für ausgestorben gehaltenen Riesenschildkrötenart Chelonoidis elephantopus. | Copyright/Quelle: yale.edu

New Haven/ USA - Eine seit 150 Jahren für ausgestorben gehaltene Galapagos-Riesenschildkrötenart könnte bis heute überlebt haben. Hierauf deuten physiologische Eigenschaften von Schildkröten-Hybriden auf einer der Galapagos-Inseln hin. Sollte sich die Vermutung der Forscher bestätigen, könnte es zumindest noch vor etwas mehr als 15 Jahren Elterntiere der Galapagos-Riesenschildkrötenart Chelonoidis elephantopus gegeben haben.

Wie das Team um Dr. Gisella Caccone von der Yale University und Ryan Garrick von der University of Mississipi aktuell im Fachmagazin "Current Biology" berichten, lebten die Riesenschildkröten einst auf der Galapagos-Insel Florena und wurden dort durch intensive Bejagung durch Walfänger ausgerottet. Die vor drei Jahren auf einer Nachbarinsel Isabela entdeckten bis zu 15 Jahre alten Schildkröten-Hybriden weisen jedoch die charakteristische Panzerform auf, die darauf hindeutet, dass eines ihrer Elterntiere ein Exemplar von Chelonoidis elephantopus sein muss. Unter anderem waren es diese markanten Unterschiede der Panzerformen der auf den unterschiedlichen Galapagosinseln vorkommenden Arten von Riesenschildkröten, die Charles Darwin zur Entwicklung seiner Evolutionstheorie durch natürliche Selektion brachte.

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Während die meisten Arten von Galapagos-Riesenschildkröten für ihre kuppelförmigen Panzer bekannt sind, zeichnet sich der Panzer von Chelonoidis elephantopus durch seine auffallende Sattelform aus.

Während einer Expedition zum Vulkan Wolf auf Isabela entdeckten die Forscher 84 Schildkröten, deren DNA nun analysiert wurde und darauf hindeutet, dass ein Elternteil eine der ausgestorbenen Riesenschildkröten war. Da die Tiere deutlich älter als 100 Jahre werden können, bestehe also die Möglichkeit, dass auch heute noch in dieser Gegend Riesenschildkröten der Art Chelonoidis elephantopus leben, so die Forscher. Die Wissenschaftler vermuten, dass es noch mindestens 38 sowohl weibliche als auch männliche Tiere geben könnte. Möglicherweise wurden einige Exemplare schon von den Walfängern von Florena nach Isabela gebracht, wo sie sich auch mit der dort vorkommenden Art vermischten.

Vor dem Hintergrund, dass die Riesenschildkröten ein Gewicht von bis zu 500 Kilogramm erreichen, erschien es einigen Wissenschaftlern bislang kaum vorstellbar, dass die Tiere unentdeckt überlebt haben könnten. "Die Wirklichkeit der Landschaft rund um den Vulkan Wolf sieht jedoch anders aus", erläutert Caccone gegenüber der BBC. "Die Gegend ist dicht bewachsen mit viel Busch und Alkoven. Um darin die gut getarnten Panzer der Tiere erkennen zu können, braucht es sehr viel Erfahrung."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / yale.edu / bbc.co.uk

Studie belegt: Meditation verdichtet graue Hirnsubstanz

Archiv: Buddhistische Mönche meditieren im indischen Jetavana-Kloster nahe Sravasti in Uttar Pradesh. | Copyright: myself, cc-by-sa 2.5 US

Cambridge/ USA - Wissenschaftler der Universitäten Harvard, Yale und Massachusetts haben erstmals nachgewiesen, dass Meditation die physische Struktur unseres Gehirns verändern kann. In ihrer Studie zeigen die Forscher eine Zunahme der Dichte von Teilen des Gehirns der Meditierenden, die für Aufmerksamkeit und der Verarbeitung von Sinneseindrücken verantwortlich sind.

Wie die Forscher berichten, ist die Zunahme der Dichte der grauen Hirnsubstanz in einer der Hirnregionen bei älteren Menschen deutlicher als bei jungen. Diese Erkenntnis ist für die Wissenschaftler von besonderem Interesse, da es sich bei diesen Regionen um Teile den menschlichen Kortex handelt, die mit zunehmendem Alter eigentlich dünner werden.

"Unsere Daten belegen, dass Meditation die kortikale Plastizität in Hirnregionen fördert, die wichtig für die kognitive und emotionale Verarbeitung von Eindrücken als auch für Wohlbefinden sind" erläutert die Leiterin der Studie, die Psychologin Sara Lazar von der Harvard Medical School.

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Damit stimmen die Ergebnisse mit jenen früherer Studien überein, die eine Zunahme der Dichte der grauen Substanz der für Musik verantwortlichen Hirnareale bei Musikern oder in den visuellen und motorischen Hirnregionen bei Jongleuren nachweisen konnten. "Mit anderen Worten: Die Struktur des menschlichen erwachsenen Gehirns kann sich als Reaktion auf wiederholtes Üben (auch noch im Alter) verändern."

Für ihre Studie verglichen die Forscher Hirnscans von 20 mit Meditation erfahrenen Personen mit denen von 15 nicht meditierenden Personen. Während der Scans selbst meditierten die Meditierer, während die in dieser Praxis unerfahrenen Personen sich einfach nur versuchten, sich auf ihre ganz eigene Art und Weise zu entspannen. Die Meditierenden praktizierten hierbei die buddhistische Meditationspraxis der sogenannten Einsichtsmeditation (Vipassana), bei der sich der Meditierende ganz auf sein Inneres, auf Geräusche und/oder Körpereindrücke konzentriert, und die weder das bekannte "Om"-Singen oder die Rezitation anderer Mantras oder Gesänge beinhaltet.

Wie die Forscher in der "Harvard Gazette" berichten, war hierbei das Ziel, sich auf die Körpereindrücke selbst und weniger auf Gedanken über diese zu konzentrieren. "Hört man beispielsweise plötzlich ein Geräusch, so hören die Meditierenden diesem Geräusch zu, anstatt darüber nachzudenken", erläutert Lazar und fährt fort: "Wenn ihr Bein einschläft, so nehmen sie nur den physikalischen Eindruck war. Wenn es nichts gibt, so konzentriert man sich lediglich auf den eigenen Atem. Erfahrene Meditierende sind hierbei in der Lage, nicht mehr an komplexe Dinge zu denken."

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Die Scans selbst dauerten jeweils rund 40 Minuten pro Tag. Einige der untersuchten Meditierenden hatten erst ein Jahr Erfahrung mit der Meditationspraxis, andere praktizierten diese bereits seit Jahrzehnten. Die stärksten Veränderungen zeigten sich bei jenen Meditierenden, die sich am tiefsten ihrer Meditation hingeben konnten - ein Zustand, den die Forscher durch eine reduzierte Atemfrequenz feststellten.

"Diese Beobachtung belegt sehr deutlich, dass die Unterschiede in der Hirnstruktur durch die Meditation hervorgerufen wurden und nicht die Hirndichte der entsprechenden Areale zur vertieften Meditation führten", so Lazar.

Einsichtsmeditation, so die Studienleiterin weiter, "kann jederzeit und überall praktiziert werden. Menschen die diese Technik schnell anwenden, bemerken oft, dass das, was in ihren Köpfen vor sich geht, hauptsächlich mit zufälligen Gedanken mit nur wenig Substanz einhergeht. (...) Das Ziel der Meditation ist es nicht, den Kopf zu leeren, sondern sich nicht von zufälligen Gedanken fesseln zu lassen."

"Wer beispielsweise einen wichtigen Abgabetermin vor Augen hat, tendiert oft dazu, sich darüber sorgen zu machen, was wohl passiert, wenn er oder sie den Termin nicht einhalten kann - selbst dann, wenn ihr Produkt schon gut genug ist, um den gestellten Anforderungen zu genügen. Diese Sorge um das 'was passiert wenn- kann uns ganz verrückt machen. Wenn man sich aber stattdessen auf den aktuellen Moment konzentriert - darauf, was noch getan werden muss und was gerade jetzt passiert, dann vergeht dieses Gefühl von Stress. Gefühle werden weniger hinderlich und stattdessen deutlich motivierender."

Die Zunahme der Dichte der grauen Substanz in den entsprechenden Hirnarealen entspricht zwar nur gerade einmal 2 bis 4 Tausendstel eines Zentimeters, doch stehe diese Zunahme in einem direkten proportionalen Verhältnis zu jener Zeit, die die entsprechende Person während ihres Lebens bereist meditiert hat. "Diese Erkenntnis legt wiederum nahe, dass der Unterschied in der Dichte durch extensive Praxis zustande kommt und nicht einfach nur durch Unterschiede zwischen den untersuchten Meditierenden und Nichtmeditierenden erklärt werden kann", so Lazar.

Von weiteren Studien erhoffen sich die Forscher nun, dass diese den belegten Effekt bestätigen und dadurch neue Erkenntnisse gewonnen werden können, wie "Meditation zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden als auch gegen das Altern" genutzt werden kann.

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Derweil gehe es darum, einige der grundlegenden Fragen, die von den Studienergebnissen aufgeworfen werden, zu beantworten. So sei noch unklar, was die Zunahme der Dichte der grauen Hirnsubstanz verursache. Könnte etwa die Meditation dazu führen, dass mehr Verbindungen zwischen den Hirnzellen oder mehr Blutgefäße entstehen? Auch die Frage, wie die größere Dichte das tägliche Verhalten beeinflusst, wenn es möglicherweise zu einer verstärkten Kommunikation zwischen den intellektuellen und emotionalen Hirnarealen kommt, sei noch nicht beantwortet.

Um diese und weitere Fragen beantworten zu können, planen die Wissenschaftler um Lazar am Massachusetts General Hospital weitere und größer angelegte Studien.

Der Umstand, dass diese Art der Meditation (Vipassana) der natürlichen Ausdünnung der Denkoberfläche des Gehirns entgegenwirkt, könnte auch bei der Erforschung des Alterungsprozesses und seiner Verlangsamung oder gar Umkehr behilflich sein, so die Forscher. Dennoch zeigt sich Lazar in dieser Frage noch deutlich zurückhaltend: "Unsere Daten legen nahe, dass die Rate der kortikalen Ausdünnung in einem kleinen Teil des Gehirns langsamer abläuft. Meditation könnte also einen Weg aufzeigen, wie einige Aspekte des kognitiven Alterns verlangsamt werden können. Es ist aber wichtig, dass wir uns zugleich verdeutlichen, dass auch viele der in dieser Meditation erfahrene Mönche und Yogis an den gleichen Wehwehchen leiden, wie wir alle: Auch sie werden alt und sterben. Allerdings behaupten sie zumindest, sich selbst im hohen Alter an der Fähigkeit zur Aufmerksamkeit und guter Erinnerungsgabe zu erfreuen."

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / harvard.edu

Mars-Sonde fotografiert "Runzelrücken" und Grabenbrüche in Tempe Terra

Senkrechte Draufsicht auf die Marsregion Tempe Terra, die als eine der geologisch interessantesten Gebiete auf dem Mars gilt, weil sich in dieser Übergangszone zwischen Hochland und nördlichen Tiefebenen zum einen tektonische Kräfte, zum anderen aber auch Wasser und Eis in der Vergangenheit vielfältige Spuren in der Landschaft hinterlassen haben. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen. Verlängerte Ladezeit möglich.) | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Köln/ Deutschland - Die Mars-Region Tempe Terra befindet sich am nordöstlichen Rand der Tharsis-Vulkanprovinz und bildet die Übergangszone vom südlichen Hochland zur nördlichen Tiefebene des Roten Planeten. Dieses Gebiet ist durch eine Vielzahl tektonischer Strukturen geprägt und gilt als eines der geologisch vielfältigsten auf dem Mars. Die neuen Aufnahmen der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebenen hochauflösenden Stereokamera HRSC an Bord der ESA-Sonde Mars Express sind zahlreiche interessante geologische Phänomene zu sehen.

- Bei der folgenden Meldungen handelt es sich um eine Presseinformation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), dlr.de


Übersichtsansicht zur Texterläuterung, s- Bildausschnitte. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößrten Darstellung zu gelangen. Verlängerte Ladezeit möglich.) | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Nahe beieinander lassen sich hier die Spuren von unterschiedlichen Kräften beobachten. Diese haben sowohl zu einer Dehnung der Marskruste (Extension) geführt, als auch zu einer Stauchung der Kruste (Kompression) und damit zu so genannten "Runzelrücken" (engl. "wrinkle ridges"; s. Bildausschnitt 1 im Übersichtsbild, s/w-Abb.). Markantestes Ergebnis der Extension ist ein geradlinig, nur an manchen Stellen durch einen Versatz unterbrochener und durch das gesamte Bild verlaufender Grabenbruch. Stellenweise verläuft dieser bis zu einem Kilometer breite Grabenbruch durch einen etwa 12 Kilometer großen Einschlagskrater und dessen Auswurfdecke; im Inneren des Kraters ist der Graben von jüngeren Ablagerungen bedeckt (Bildausschnitt 2).

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Die Abbildungen zeigen einen Ausschnitt des während Orbit 9622 mit einer Auflösung von ca. 18 Metern pro Bildpunkt aufgenommenen HRSC-Bildstreifens bei 43 Grad nördlicher Breite und 304 Grad östlicher Länge.

Neben tektonischen Kräften gestaltete auch Wasser die Landschaft
Nördlich des Grabens im rechten Bilddrittel fällt das Gelände um mehr als 1000 Meter zur Tieflandebene hin ab. Hier ist die Landschaft durch zahlreiche ausgedehnte Talsysteme geprägt. Hangaufwärts sind einige kleinere verzweigte, teilweise durch Einschlagskrater bedeckte Täler zu erkennen (Bildausschnitt 3).

Viele jüngere und in ihren Umrissen noch sehr gut erhaltene Krater in der Region südlich des Grabens zeigen in ihrem Inneren lobenförmige, konzentrische Strukturen, die durch das langsame Fließen eines plastischen Materials entstanden sind. Diese von den Geologen als "concentric crater fill" bezeichneten Geländeformen können auf dem Mars an vielen Stellen beobachtet werden, wie zum Beispiel in den Phlegra Montes, die im vergangenen Monat vorgestellt wurden.

Die Schrägansicht ermöglicht eine realistische, perspektivische Ansicht der Marsoberfläche: Ein etwa zwölf Kilometer großer Einschlagskrater wird von einem knapp einen Kilometer breiten tektonischen Graben durchzogen, der durch Dehnungsspannung in der Marskruste entstanden ist. Das Innere des Kraters wurde von einem Material verfüllt, dessen Oberflächenstruktur auf plastische Eigenschaften schließen lässt. Im rechten Bilddrittel und links vorne sieht man die Übergangszone vom Marshochland in die nördlichen Tiefebenen. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung zu gelangen.Verlängerte Ladezeit möglich.) | Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Im linken oberen Teil des Bildes, im Südwesten, stechen Tafelberge oder Mesas hervor (Bildausschnitt 4). Sie zeigen die ursprüngliche Geländeoberkante des südlichen Marshochlandes an. Auffällig sind auch die deutlich strukturierten Auswurfdecken einiger Einschlagskrater. Diese überdecken zum Teil die älteren Fluss- und Grabenbruchsysteme und sind daher später als diese entstanden. Große und ältere Einschlagskrater (Bildausschnitt 5) wurden durch fließendes Wasser nahezu vollständig mit Sediment bedeckt oder durch Auswurfdecken gefüllt.

Tempe Terra wurde erstmals von dem griechischen Astronomen Eugenios Antoniadis (1870-1944, später durch sein Wirken in Frankreich Eugène Michel Antoniadi genannt) beschrieben. Durch seine Beobachtungen der Region Tempe Terra mit einem neuen, leistungsstarken Teleskop am Observatorium in Paris Meudon während einer Marsopposition im Jahre 1909 und detailliert 1930 beschrieben, widerlegte er die unter Astronomen kursierende These, die 1877 von dem Astronomen Giovanni Schiaparelli beobachteten "Canali" seien künstliche Wasserstraßen - Schiaparelli selbst hatte größte Zweifel an dieser Interpretation. Beiden Astronomen zu Ehren, die wichtige Beiträge zur Kartierung der Planeten leisteten, tragen Krater auf dem Mond, dem Mars und dem Merkur ihre Namen.

Tempe Terra wurde nach einem Tal nördlich des Olymps in Thessalien (Griechenland) benannt, in dem der Mythologie nach Orpheus' Gattin Eurydike bei ihrer Flucht vor ihrem Peiniger Aristaios durch einen Schlangenbiss starb.

Das Anaglyphenbild, das bei Betrachtung mit einer Rot-Blau- oder Rot-Grün-Brille einen dreidimensionalen Eindruck der Landschaft vermittelt, wurde aus dem Nadirkanal und einem Stereokanal abgeleitet. Die schwarzweiße Darstellung beruht auf der Aufnahme mit dem Nadirkanal, der von allen Kanälen die höchste Auflösung bietet. Die in Regenbogenfarben kodierte Draufsicht beruht auf einem digitalen Geländemodell der Region, von dem sich die Topographie der Landschaft ableiten lässt. Die hier gezeigten Bildprodukte wurden in der Fachrichtung Planetologie und Fernerkundung, am Institut für Geologische Wissenschaften an der Freien Universität Berlin erstellt.

Das Kameraexperiment HRSC auf der Mission Mars Express der Europäischen Weltraumorganisation ESA wird vom Principal Investigator Prof. Dr. Gerhard Neukum (Freie Universität Berlin), der auch die technische Konzeption der hochauflösenden Stereokamera entworfen hatte, geleitet. Das Wissenschaftsteam besteht aus 40 Co-Investigatoren aus 33 Institutionen und zehn Nationen. Die Kamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter der Leitung des Principal Investigators (PI) G. Neukum entwickelt und in Kooperation mit industriellen Partnern gebaut (EADS Astrium, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena -Optronik GmbH). Sie wird vom DLR -Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Die systematische Prozessierung der Daten erfolgt am DLR. Die Darstellungen wurden vom Institut für Geologische Wissenschaften der FU Berlin erstellt.

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Quelle: dlr.de
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