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Freitag, 27. Januar 2012

Fobos-Grunt: USA lehnen Teilnahme an Ermittlung zur Panne der russischen Marsmond-Sonde ab

Künstlerische Darstellung der geplanten Mission "Fobos-Grunt" (Illu.). | Copyright: ROSKOSMOS

Moskau/ Russland - Nachdem mittlerweile verschiedene russische Politiker mehr oder weniger indirekt die USA für den Fehlschlag der russischen Marsmond-Mission Fobos-Grunt, die angeblich von US-Radar beschädigt worden sein soll, verantwortlich gemacht haben, berichtet die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti (de.rian.ru) nun, dass die USA eine Einladung Russlands zur Teilnahme an Ermittlungen über die Ursachen für das Scheitern der Mission abgelehnt hätten.

Zuvor hatte der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos in einem Interview schwere Vorwürfe in Richtung westlicher Staaten, allen voran gegen die USA erhoben - ohne diese jedoch direkt namentlich zu nennen. Demnach könnte die russische Mars-Sonde möglicherweise Opfer des Angriffs eines Satellitenabwehrsystems gewesen sein. Auch andere aktuelle und zugleich gescheiterte Raumfahrtmissionen Russlands führte Vladimir Popovkin auf mögliche Einflussnahme durch störende "starke Radar-Signale von einer Anlage in Alaska" zurück (...wir berichteten).

"Roskosmos hatte der US-Seite offiziell die Teilnahme an der Untersuchung und einem Bodenexperiment angeboten, aber die USA lehnten diese Einladung ab“, zitiert die Nachrichtenagentur den stellvertretenden Chef der russischen Weltraumbehörde, Anatoli Schilow.

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Laut einer der Versionen, die jetzt geprüft werden, könnte der Ausfall der Marschtriebwerke der Raumsonde Fobos-Grunt vom störenden Einfluss einer US-Radaranlage ausgelöst worden sein.

Des Weiteren teilte Schilow mit, dass die zuständige Roskosmos-Kommission ihre Arbeit, darunter die Untersuchung einer möglichen ungewollten Einwirkung von militärischen US-Radaranlagen auf den Marshall-Inseln, bereits abgeschlossen habe. Ein Abschlussbericht solle dem Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin am kommenden Montag vorgelegt und in der kommenden Woche veröffentlicht werden.

Zuvor hatte das Pentagon die Vermutungen und Anschuldigungen der russischen Seite zurückgewiesen. Eine derartige Beeinflussung der Sonde durch US-Radar sei schlichtweg "unmöglich", erklärte der ehemalige Offizier Brian Weeden vom U.S. Air Force Space Command gegenüber dem Wired-Magazin (wired.com). "Radar wirkt sich auf diese Weise einfach nicht aus." Es sei natürlich nahezu unmöglich beispielsweise Verschwörungstheoretiker davon zu überzeugen. Auch der Pentagonsprecher George Little, wird von Wired mit den Worten zitiert, dass es sich bei diesen Anschuldigungen um nicht mehr als um eine "Mondscheintheorie" handle.

Ziel der Mission "Fobos-Grunt" (Phobos-Boden) war es, im Februar 2013 auf den Marsmond Phobos landen und hier bis zu 400 Gramm Bodenmaterial einzusammeln, die dann mit einer Rückkehrrakete im August 2014 zur Erde zurück transportiert werden sollten.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / de.rian.ru / wired.com

Weltraumteleskop Kepler: 11 neue Planetensysteme mit insgesamt 26 Planeten bestätigt

Die 11 bestätigten Kepler-Planetensysteme im grafischen Vergleich. | Copyright: NASA Ames/Dan Fabrycky, University of California, Santa Cruz

Mountain View/ USA - Mit dem Weltraumteleskop Kepler, dessen Aufgabe die Suche nach Planeten außerhalb des Sonnensystems ist, haben NASA-Astronomen elf weitere bislang unbekannte Planetensysteme mit insgesamt 26 Planeten entdeckt. Damit verdoppelt sich die Anzahl der bislang mit dem Weltraumteleskop entdeckten Exoplaneten nahezu.

Das Weltraumteleskop Kepler fahndet nach Exoplaneten, in dem es nach minimalen Helligkeitsschwankungen im Licht von mehr als 150.000 fernen Sternen in den Konstellationen Cygnus (Schwan) und Lyra (Leier) Ausschau hält. Stellen diese sich in regelmäßigen Abständen immer wieder ein, so handelt es sich um den Transit, also den Vorbeizug eines Planeten zwischen seinem Stern und dem Weltraumteleskop. Insgesamt werden mindestens drei solcher Transits benötigt, um die Existenz eines Planeten bestätigen zu können.

Alle nun von den Kepler-Wissenschaftlern neu bestätigten Planeten umkreisen ihr Zentralgestirn dichter als die Venus unsere Sonne, benötigen hierfür zwischen 6 und 143 Tage und weisen Größen vom 1,5-fachen der Erde bis hin zur mehrfachen Jupitergröße auf. 15 der insgesamt 26 neu bestätigten Planeten rangieren zwischen der Größe der Erde und des Neptun. Anhand zukünftiger Beobachtungen wollen die Forscher schon bald überprüfen, ob darunter auch Felsplaneten wie die Erde zu finden sind und welche davon eine dichte gasförmige Atmosphäre vergleichbar mit der des Neptuns aufweisen.

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"Vor der Kepler-Mission waren rund 500 Exoplaneten bekannt", kommentiert der Kepler-Wissenschaftler Doug Hudgins vom NASA-Hauptquartier die neu bestätigten Planetensysteme. "Jetzt, nur zwei Jahre später, wissen wir, dass sich alleine in jenem Himmelsausschnitt den Kepler absucht und der kaum größer ist als eine Faust auf ausgestreckten Arm ist, mehr als 60 Planeten zu finden sind und dass Kepler darin bislang mehr als 2.300 weitere, noch zu bestätigenden Planetenkandidaten entdeckt hat. Diese Einsicht belegt, dass unsere Galaxie von Planeten aller Größen und Umlaufahnen nur so wimmelt."

Jedes der nun neu bestätigten Planetensysteme beheimatet zwischen zwei und fünf relativ nah zueinander platzierte Planeten. In derart dicht gepackten Planetensystemen, sind die auf die Planeten wirkenden Gravitationskräfte sehr groß und sorgen dafür, dass während ein Planet davon beschleunigt, ein anderer in seinem Umlauf abgebremst wird - ein Effekt der anhand der Messung der Transitperioden bestimmt werden kann.

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / nasa.gov

Verhaltensforscher finden Hinweise darauf, dass Delfine im Schlaf Walgesänge üben

Archiv: Delfin | Copyright: NASA

Rennes/ Frankreich - Französische Verhaltensforscher haben beobachtet, dass Delfine in einem Showaquarium des Nachts zu "sprechen". Die von den Meeressäugern abgegebenen Laute entsprachen jedoch nicht den Delfinlauten, sondern dem Gesang von Buckelwalen, deren Laute den Tieren bei Tage vorgespielt worden waren.

Begleitet von Musik, führen die Delfine Péos, Mininos, Cécil, Teha und Amtan jeden Tag im Aquarium des "Planète Sauvage" im französischen Port-Saint-Père ihre eingeübten Kunststücke vor. In der Nacht jedoch, so berichten Verhaltensforscher um Martine Hausberger und Dorothee Kremers von der Université de Rennes 1 in der Onlineausgabe des Fachmagazins "Frontiers in Comparitative Psychology", gaben die Tiere für sie ungewohnte Laute von sich, wie sie erstaunlicherweise dem Gesang von Buckelwalen gleichen, die ihnen als Teil des Soundtracks der Vorstellungen tagsüber vorgespielt wurden.

Sollten sich die Vermutung der Forscher bewahrheiten, so wäre dies der erste Nachweis dafür, dass Delfine neu gehörte Laute erst Stunden nach dem Hören übernommen haben. Der Umstand, dass die Tümmler die Laute nicht schon gleich wiederholten, könnte so neue Erkenntnisse über die Art und Weise offenbaren, wie die intelligenten Tiere Erinnerungen verarbeiten und behalten.

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Da nur wenig über das akustische Verhalten der Delfine bei Nacht bekannt war, belauschten die Forscher die Tiere mit einem Unterwassermikrofon. Eines Nachts identifizierten Hausberger und Kollegen 25 neue Töne, die die Tiere, die nachts mehr oder weniger zufällig immer wieder Töne von sich geben, zuvor noch nie von sich gegeben hatten. Welcher der Delfine die Laute von sich gab, war jedoch nicht klar.

Da Delfine dafür bekannt sind, dass sie Verhaltensweisen und auch Geräusche imitieren, studierten die Forscher alle jene Geräusche, denen de Tiere tagsüber ausgesetzt waren und fanden entsprechende Klänge im Soundtrack der Delfinshow des Aquariums, der neben Musik auch Möwengeschrei, den Pfeiftönen der Delfine selbst auch den Gesang von Buckelwalen beinhaltete.

Mit Hilfe eines Computerprogramms verglichen die Forscher dann die Aufzeichnungen der nächtlichen Laute der Delfine mit den unterschiedlichen Geräuschen des Show-Soundtracks und entdeckten, dass besonders zwei Laute sehr ähnlich waren. Da es sich bei den Delfinen im "Planète Sauvage" um Tiere handelt, die schon in Gefangenschaft geboren wurden, konnten sie diese Laute also nicht außerhalb des Aquariums von echten Walen gehört haben.

In einem nächsten Schritt wurden 20 freiwillige Testpersonen darum gebeten, die von den Forschern entdeckte Übereinstimmung der nächtlichen Delfinlaute mit den Walgesängen aus dem Show-Soundtrack im Blindtestverfahren zu vergleichen und zu bestimmten, ob diese Klänge von Walen oder Delfinen stammen.

Wie die Wissenschaftler berichten, klassifizierten die Testpersonen in 76 Prozent der Fälle die eigentlichen Delfinlaute fälschlicherweise als echte Walgesänge.

Zwar war schon zuvor bekannt, dass Delfine in freier Wildbahn auch Walgesänge imitieren, doch wurde dieses Verhalten immer nur unmittelbar nach dem Hören der Vorgabe beobachtet. Da die Aquarium-Delfine die Walgesänge nicht während der Vorstellung selbst von sich gegeben hatten, deutet die Beobachtung für die Forscher daraufhin, dass die Tiere das Einüben bzw. die Wiederhabe der Imitation auf Stunden danach verschoben hatten.

Das Forscherteam um Hausberger vermutet, dass der Grund für die Imitation der Walgesänge durch die Delfine darin liegt, dass es während der Show die Aufgabe der Tiere ist, Dinge zu erlernen und zu erinnern. Zudem markierten die Vorführungen eine besondere Zeit im Tagesablauf der Tiere, da sie während der Show für korrekt erbrachte Leistungen belohnt werden. Allerdings sind auch andere Geräusche teile des Soundtracks und die Tiere sind in ihren Basins auch den Rest des Tages zahlreichen weiteren akustischen Eindrücken ausgesetzt.

"Es gibt so viele Dinge, die die Delfine imitieren könnten," kommentiert Hausberger ihre Beobachtung. "Es ist wirklich erstaunlich, dass das einzige, was die Tiere erkennbar imitieren, der Gesang der Wale ist."

In einem nächsten Schritt wollen die Forscher herausfinden, ob die Tiere während ihrer nächtlichen Imitation schlafen oder gar träumen. Dies könnte Einsichten darüber erlauben, ob Träume - ähnlich wie bei Menschen - den Tieren dabei behilflich sind, sich Dinge besser einzuprägen. Hierzu wollen die Forscher des Nachts die Tiere mittels Elektroenzephalografie zu überwachen, und so die Hirnaktivität der Tiere zu überprüfen.

- Die vollständige Studie mit weiterführenden Materialien und Klangbeispielen finden Sie HIER

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