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Montag, 30. Januar 2012

Forscher synthetisieren erstmals künstliche Zellmembrane

Neal Devaraj (r.) und Kollegen bei der Herstellung künstlicher Zellmembrane. | Copyright: ucsdnews.ucsd.edu

San Diego/ USA - Ein wichtiger weiterer Schritt hin zur Herstellung künstlichen Lebens ist Chemikern in den USA mit der erfolgreichen Synthetisierung von Zellmembranen gelungen. Mittels einer neuen chemischen Reaktion, gelang den Forschern die Herstellung einer künstlicher, sich selbst anordnender Membrane und damit jener Struktur, die die lebensnotwendigen chemischen Reaktionen, beinhalten und schützen.

Wie Professor Neal Devaraj von der University of California in San Diego und Itay Budin von der Harvard University im Fachmagazin "Journal of the American Chemical Society" berichten, war die Grundlage ihrer Arbeit die Frage nach der Entstehung des Lebens selbst: "Unser langfristiges Ziel ist es, eine vollständige künstliche Zelle herzustellen, also eine synthetische lebende Einheit von Grund auf. Es geht also darum, einen lebenden Organismus aus unbelebten Molekülen herzustellen, die zuvor noch nie mit einem lebenden Organismus in Berührung gekommen waren", so Devaraj. "Genau dieser Schritt muss sich in der Vergangenheit einmal vollzogen haben. Wäre dem nicht so, dann wären wir nicht hier."

Moleküle, aus denen Zellmembrane bestehen, bestehen aus Phosphoglyceriden, den sogenannten Köpfen, die sehr leicht mit Wasser interagieren (hydrophil) und aus wasserabweisenden (hydrophoben) "Schwänzen". Gemeinsam führt dieser gegensätzliche Charakter zur Bildung von Lipid-Doppelschichten, bei denen der hydrophobe Teil der Membranlipide nach innen und der hydrophile Teil nach außen zeigen und damit den Inhalt der Zelle abschirmen.

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Die beiden Forscher erzeugten nun durch eine neue chemische Reaktion, die zwei Lipidstränge miteinander verbindet, ähnliche Moleküle. "Zu der von uns genutzten, vollständig künstlichen chemischen Reaktion – die ein einfaches Metall-Ion als eine Art primitiver Katalysator nutzt - gibt es kein biologisches Gegenstück."

Die Forscher erzeugten die synthetischen Membranen aus einer wässrigen Emulsion eines Öles und aus einem Detergent. Für sich alleine ist diese Emulsion stabil. Fügt man jedoch Kupfer-Ionen hinzu, beginnen sich und feste Bläschen und Röhrchen aus den Öltropfen zu bilden. Nach 24 Stunden sind dann die Öltropfen von diesen sich selbstanordnenden Membranen aufgezehrt worden und verschwunden.

Bereits zuvor hatte der US-amerikanische Biochemiker und Genomforscher J. Craig Venter die Herstellung eines vollständig künstlichen Genoms verkündet, dieses dann in eine biologische Mutterzelle eingepflanzt und damit erstmals erfolgreich ein lebensfähiges künstliches Bakterium erschaffen (...wir berichteten). Zur Herstellung von vollständig künstlichem Leben bedarf es jedoch der Vereinigung der informationstragenden Genome und einer dreidimensionalen Hüllenstruktur in Form einer Zelle.

Die Entdeckung von Devaraj und Budin hat nun hinzu den Vorteil, dass die Methode auf bereits kommerziell beziehbaren Ausgangsstoffen basiert und nur ein weiterer Schritt notwendig ist, um die Lipdstränge entstehen zu lassen: "Es ist fast schon trivial und kann innerhalb eines Tages vollzogen werden", so Devaraj.

Der nächste Schritt, also die Vereinigung von Zellgehäuse und Genom dürfte also nicht mehr lange auf sich warten lassen...

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Quellen: grenzwissenschaft-aktuell.de / ucsd.edu

Forscher finden Leben selbst um ruhende und tote Tiefseeschlote

Tiefseeschlot. | Copyright: NOAA

Los Angeles/ USA - Dass hydrothermale Quellen, sogenannte Schwarze oder Weiße Raucher, trotz aber auch gerade wegen des von ihnen bis auf bis auf über 400 Grad Celsius aufgeheizten Wassers und der abgegebenen Vielfalt an Mineralien und Nährstoffen eine Vielzahl von Leben und ganze komplexe Biotope entstehen lassen, ist seit ihrer Entdeckung in den späten 1970er Jahren bekannt. Nun haben US-Forscher herausgefunden, dass diese die Schlote als Ökosystem auch dann weiter existieren, wenn die heißen Quellen aus dem Untergrund ruhen oder gar gänzlich versiegen und die Kälte der Tiefsee zurückkehrt.

Im dem aus den röhren- oder kegelförmige aus Mineralien geformten Schornsteinen der Raucher austretenden Wasser sind vor allem Sulfide und andere Salze von Eisen, Mangan, Kupfer und Zink gelöst. Bei Austritt trifft das bis zu über 400 Grad Celsius heiße, mineralreiche Wasser der Tiefseethermalquelle mit dem nur knapp 2 Grad kalten Wasser am Meeresgrunde zusammen, wodurch bei der Abkühlung die Mineralien ausgefällt werden, und so die sogenannte Rauchfahne und durch Sedimentation der Schornstein oder Kegel entsteht (s. Abb.). Planetenwissenschaftler und Exobiologen vermuten, dass vergleichbare heiße Quellen auch Leben in von einem Eispanzer überzogenen Wasserozeanen der Saturn- und Jupitermonde Enceladus und Europa speisen könnten (...wir berichteten, s. Links).

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Wie die Forscher um Katarina Edwards von der University of California, Jason Sylvan und Brandy Toner von der University of Minnesota aktuell im Fachmagazin "mBio" berichten, ziehen sich zwar die komplexen und größeren Lebensformen wie Garnelen, Krebse, Anemonen und Seesterne von den schlafenden Schloten und jene Mikroben, die sich von dem Methan und Schwefel aus den Quellen ernähren zurück, doch werden letztere von anderen Mikroben, die von festem Eisen und Schwefel zehren, aus dem die Schlote selbst bestehen, sozusagen übernommen.

Die Entdeckung gelang den Forschern mit Hilfe von Proben, die sie mit dem Tiefsee-Tauchroboter "Alvin" der US Navy entnehmen konnten. Damit belegen die Biologen, dass sich das Phänomen der sogenannten öko- bzw. biologischen Sukzession, bei dem durch Veränderung eines Lebensraums dieser von anderen Lebensformen übernommen wird, auch anhand des Ökosystems Tiefseeschlote offenbart, selbst dann wenn sie heißen Quellen gänzlich versiegen. Zuvor gingen Biologen davon aus, dass die mit dem Versiegen der Quellen, auch das Leben um die einstigen heißen Quellen zum Erliegen kommt.

In einem nächsten Schritt wollen die Forscher nun Proben von Schloten verschiedenen Alters entnehmen, um so die jeweiligen Lebensformen zu katalogisieren und die Sukzession der Arten genauer beschreiben zu können. Interessant ist für die Forscher auch zu untersuchen, ob die Abfolge der Mikrobenarten am Grunde der Tiefsee jene widerspiegelt, die anhand von Mikroben im Erdböden und Gesteinen gefunden werden kann.

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