Sonntag, 13. Januar 2013

150 Jahre "The Tube" - Geister in der Londoner U-Bahn


Eingang zur Londoner U-Bahnstation Charing Cross, 1974. | Copyright: Harald Bischoff, CC-BY-SA-3.0

Vor 150 Jahren wurde die Londoner Untergrundbahn eröffnet, London Underground oder einfach nur "Tube" (Röhre) genannt. Der Parapsychologe und nicht zuletzt von uns geschätzte GreWi-Gastautor Manfred Poser hat eines seiner vielen leider nie erschienenen Manuskripte mit schönen U-Bahn-Geistererscheinungen, wie sie unter anderem auf das Buch "Railway Ghosts" von William Berry Herbert (1985) zurückgehen zum Anlass genommen, die "Tube" aus paranormaler Sicht zu würdigen.

- Bei diesem Gastbeitrag handelt es sich um ein Essay von Manfred Poser, das auf dessen Blog "Manipogo.de" erstveröffentlicht wurde.


Schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts konnte eine Stadt wie London ihren Verkehr nicht mehr bewältigen. Man dachte an unterirdische Anlagen. Den Bau der Kanalisation hatte man ja schon hinter sich, die technischen Voraussetzungen waren da. Am 10. Januar 1863 wurde die erste Linie der Londoner Untergrundbahn eröffnet, und Baker Street war der erste Bahnhof, der errichtet wurde. Damals fuhren noch Dampflokomotiven qualmend durch die Tunnels. Erst 1879 stellte Werner von Siemens in Berlin die erste Elektrolok vor, und 1890 war die City and South London Railway die erste elektrifizierte Strecke der Welt. Der Plan der U-Bahn, die "Tube Map", wurde von vielen anderen Städten kopiert und ist heute ein Designklassiker.

In der Bank Station beklagten sich Bahnarbeiter oft über einen stechenden Geruch, der normalerweise an offene Gräber erinnert. Zudem wurde im Garten der nahen Bank of England ein Geist gesehen, der mit Sarah Whitehead identifiziert wurde.

Sarah war die Schwester eines Bankangestellten, der 1811 als Scheckfälscher gefasst und zum Tode verurteilt wurde für eine Handlung, die damals ein Kapitalverbrechen darstellte. Sarahs Geist wurde vor Kummer verwirrt, und für den Rest ihres Lebens ging sie regelmäßig zur Bank Station, um ihren Bruder zu suchen.


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Nach ihrem plötzlichen Tod wurde sie in einem alten Friedhof bestattet, der zerstört wurde, um einem der Eingänge der Untergrundstation Platz zu machen. Um zwei Uhr am 2. März 1951 fiel der Blick eines Ingenieurs der Londoner Transportgesellschaft, der an einem Ende des unteren Bahnsteigs des Bahnhofs Ickenham in der Nähe von Uxbridge arbeitete, auf eine Frau mittleren Alters, die einen roten Schal trug und ihm winkte. Sie deutete ihm, er solle ihr die Treppen hinunter folgen. Er gehorchte ihr, jedoch entschwand sie plötzlich aus seinem Blickfeld, als sie die letzte Stufe der Treppe erreicht hatte. Der Ingenieur begriff immer noch nicht, dass er einem Geist gefolgt war und hielt weiter nach ihr Ausschau; dann erst verstand er. Auch andere Eisenbahnarbeiter wollen diesen Geist gesehen haben. Anscheinend war die Frau vor vielen Jahren auf eine Führungsschiene gefallen, und gelegentlich kehrt sie zum Schauplatz ihres tödlichen Unfalls zurück.

Der Bahnhof Highgate High Level, die sich an einem Einschnitt mit Tunnels an beiden Enden befindet, besitzt eine drückende Atmosphäre. In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts soll ein Mann in einen der Tunnels hineingegangen sein, einem Zug entgegen, um Selbstmord zu begehen - sein Geist soll an dem Ort spuken. Der Bahnhof wurde 1941 für die Erweiterung der Northern Line von Finsbury Park nach Alexandra Palace - East Finchley völlig umgebaut. Die Arbeit wurde jedoch nie fertiggestellt, und die Erweiterung wurde gestrichen. Die Linie wurde 1971 aufgelassen.

Das Bahnhofsgebäude steht verloren in dem Einschnitt, ohne Gleise und fast schon überwuchert von Laubwerk, was eine unheimliche Stimmung erzeugt. Menschen, die an dem Bahnhof standen, fühlten sich beobachtet. Andere, die in der Nähe der aufgelassenen Strecke bei Highgate und Crouch End leben, behaupten, sie hätten nachts das Geräusch von Zügen gehört.


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Die Elephant- & Castle-Untergrundstation wurde hingegen von mysteriösen laufenden Schritten, Klopfen und Pochen heimgesucht. Ein Gepäckträger berichtete Mrs. G. C. Watson aus Herne Hill, dass einige Geister regelmäßig die Station aufsuchten. Auf der Nachtschicht verbringe er die meiste Zeit in seinem Raum, dessen Tür fest verschlossen sei, aber zu seinem Erschrecken sei die Tür mehrmals von selbst aufgegangen. Er hatte nachgesehen, wer die Tür geöffnet hatte, in der Meinung, dass einer seiner Kollegen ihm einen Streich gespielt hätte, doch niemand war zu sehen. Dieses seltsame Vorkommnis trug sich einige Male zu.

Er hörte oft pochende Geräusche und den Lärm von jemandem, der läuft, aber wiederum konnte keine Ursache gefunden werden. Die geisterhaften Geräusche wurden meistens an Winternächten vernommen, und Schritte wurden auch auf der Treppe gehört, die zu jener Zeit verlassen dalag.

Ein Träger in Blackfriars, Mr. Horton, wehrte sich dagegen, die Nachtschicht in Elephant & Castle zu übernehmen, nachdem er im Raum der Träger in einer Nacht das Laufen gehört hatte. Horton musste sich auch Schritte anhören, die vor dem Raum anhielten; dann hörte er zwei Schläge an die Tür. Voller Angst öffnete er, doch der Bahnsteig war leer. Samstagnacht wurde die Station geschlossen, doch Vorüberkommende waren immer noch überrascht, das Geräusch eines Menschen zu hören, der läuft.

Bahnhöfe werden immer durchreist oder von Reisenden aufgesucht. Da bleibt nur, wer sonst keine Bleibe hat, den letzten Zug versäumt hat oder ein Geist, der am Bahnhof spukt. Manche Verstorbene können sich nicht von einem Ort trennen, der ihnen einmal etwas bedeutet hat. Im folgenden Fall hängt ein Geist an einem Lebenden und erscheint immer nur diesem.

Das häufige Auftreten einer melancholischen Gestalt hat dem Covent-Garden-Untergrundbahnhof den fragwürdigen Beinahmen des Bahnhofs des Londoner Transport-Systems eingetragen, auf dem es am häufigsten spukt. Es fing in der frühen 1960er-Jahren an, als Jack Hayden Diensthabender auf dem Bahnhof war. Man schrieb die Woche von Weihnachten, und Hayden war im Gemeinschaftsraum der Belegschaft, um etwas in ein Logbuch zu schreiben. Es war ungefähr halb eins mittags, und alles war ruhig, als plötzlich ein Türgriff knackte.

Der Diensthabende schaute von seiner Schreibarbeit auf und gewahrte eine Gestalt, die altmodische Kleidung trug, die an jene der Jahrhundertwende erinnerte, und sein Gesichtsausdruck war traurig. Mr. Hayden sagte: "Ich glaube, Sie haben sich verlaufen, Sir. Die Aufzüge zu den Zügen sind oben." Der Fremde bewegte sich nicht. Als Mr. Hayden jedoch aufstand und Anstalten machte, dem Mann den Weg zu zeigen, löste sich die Gestalt in Luft auf.

Da er sich dachte, dass die Müdigkeit seinem Gehirn einen Streich gespielt habe, machte sich Mr. Hayden keine Gedanken darüber, bis am folgenden Montag morgen ein Gepäckträger kam, der auf dem Bahnsteig gearbeitet hatte und im Gemeinschaftsraum eine seltsame Gestalt vorfand, die Mr. Hayden ansah. Als der Träger den Raum betrat, löste sich die Figur auf. Der Träger war so schockiert, dass er ohnmächtig wurde. Als er sich wieder erholt hatte, beschrieb Mr. Hayden ihm den Fremden, und der Träger stimmte zu, dass es dieselbe Gestalt gewesen sei, die er gesehen hatte. Das traumatische Erlebnis hatte auf den Gepäckträger eine solch erschütternde Wirkung, dass er London Transport den Rücken kehrte und schwor, nie wieder den Bahnhof von Covent Garden zu besuchen.

Nach weiterem Nachdenken über die Sache entschied sich Hayden, dem Stationsvorsteher Mr. A. Jones von dem Vorkommnis zu unterrichten und seinen Rat darüber einzuholen, was die richtigen Maßnahmen unter diesen eigenartigen Umständen seien. Jones schlug vor, dass man sich an die Zeitschrift "Psychic News" wenden solle mit der Absicht, die Ereignisse zu untersuchen und vielleicht eine befriedigende Antwort zu finden. Die "Psychic News" waren sehr interessiert, und einer ihrer Forscher besuchte Jack Hayden und sprach mit ihm eingehend über die Geschichte.

Man kam zu dem Entschluss, dass in dem Gemeinschaftsraum eine Séance abgehalten werden solle und dass sie, je nachdem, wie das Resultat ausfallen würde, darüber sprechen würden, welche weiteren Schritte zu unternehmen wären, um den Geist zu identifizieren. Die Seance wurde durchgeführt, und Hayden bekam später einige Fotos zu sehen, auf denen er in dem Geist William Terris erkannte, der 1900 in The Strand ermordet wurde, das von Covent Garden gerade um die Ecke liegt.

Man nimmt an, dass William Terris einen Abendanzug trug, was daran denken lässt, dass er das nahegelegene Opernhaus von Covent Garden besucht hatte. Der Geist von William Terris schien eine Vorliebe für Mr. Hayden zu besitzen, weil ihn der Diensthabende fast jeden Tag in einem anderen Teil des Bahnhofs sah, etwa zwei Jahre lang. Er hatte keine Angst vor dem Geist und versuchte, mit ihm zu sprechen, aber die Gestalt war traurig und mürrisch, als ob sie von unbarmherziger Tragik umwittert sei.

Schließlich wurde Jack Hayden befördert und verließ den Bahnhof. Arbeiter der Instandhaltungsgruppe haben William Terris’ Geist bei zahlreichen Gelegenheiten gesehen, da sie meistens nachts arbeiten. Hayden hat offensichtlich eine starke Affinität zum Geist von William Terris, denn als er Bahnhof Covent Garden einen gezielten Besuch abstattete, sah er ihn wieder, "wie aus Fleisch und Blut", als ob er gewartet habe, dass Hayden zurückkommen würde.

Über den Autor
Manfred Poser (1957) studierte in seiner Geburtsstadt München Journalistik und war Nachrichtenredakteur bei dpa Hamburg (1985-1991). Danach war er Mitarbeiter am "Institut für Grenzgebiete der Psychologie" in Freiburg (1994-99) und freier Autor in Rom (bis 2004) sowie in St. Gallen (Schweiz).
Er ist Autor zahlreicher Bücher, darunter "Geister sind auch nur Menschen" (1997), "Halluzinationen und Grenzerfahrungen im Alpinismus" (1998), "Phantome der Berge" (1998), "Außer sich" (2005), Mörderisches Rom (Roman, 2007).


Quelle: manipogo.de
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