Dienstag, 22. Januar 2013

ESA-Sonde zeigt Gletscherspuren in gewaltigem Flusstal auf dem Mars


Senkrechte Draufsicht auf einen Teilabschnitt von Reull Vallis. (Eine größere Bildversion finden Sie HIER).
| Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) 


Berlin (Deutschland) - Neue Aufnahmen der europäischen Sonde "Mars Express" zeigt faszinierende Ansichten des Oberlaufs der Mars-Region Reull Vallis. Das gewaltige flussartige Tal wurde wahrscheinlich einst von fließendem Wasser in die Promethei-Terra-Hochländer gegraben, bevor sich die Wassermassen in das Hellas-Becken ergossen. Die neuen Aufnahmen zeigen nun auch Schleifspuren am Boden des Tals, die auf einstige Gletscher deuten.

Die mäanderförmige Struktur zieht sich über fast 1.500 Kilometer durch die Marslandschaft, während seine fast senkrechten Klippen immer wieder auch von zahlreichen Zuflusstälern unterbrochen werden. Die neuen Aufnahmen zeigen einen Abschnitt dieses urzeitlichen Flusstals, an dem dieses nahezu sieben Kilometer breit und 300 Meter tief ist.



Perspektivische Ansicht des Talverlaufs. (Eine größere Bildversion finden Sie HIER)
| Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)


www.grenzwissenschaft-aktuell.de 
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Der Talgrund von Reull Vallis offenbart Ablagerungen, auf deren Oberfläche ein auffallendes Muster zu sehen ist, das auf ein Fließen des Materials deutet und zumeist parallel zu den Rändern des Tals verläuft, an manchen Stellen aber auch wie bei einem Zopf verschlungene Strukturen aufweist. "Wahrscheinlich wurde dieses Muster durch einen Eisstrom erzeugt, einen Gletscher, auf dessen Oberfläche viel Schutt und Geröll talwärts transportiert wurde", erläutern Forscher des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR), das die Stereokamera "HRSC" an Bord des ESA-Orbiters betreibt. Auf der Erde gibt es in alpinen und polaren Regionen vergleichbare Phänomene, die als Blockgletscher bezeichnet werden: Das Eis des Gletschers ist dabei vollständig von Geröll bedeckt, das seitlich auf das Eis gerutscht ist.



Spuren von Gletschertransport und Ablagerungen ergießen sich auch in nahe liegende Krater. (Eine größere Bildversion finden Sie HIER)
| Copyright: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

Ähnliche Strukturen wie im Talverlauf von Reull Vallis finden sich auch in der Füllung von Einschlagskratern in der Umgebung. Besonders gut ist dies in zwei kleinen Kratern im Nordwesten des Tals zu sehen.

"Zwischen den Bergen erkennt man die Konturen von großflächigen Schichten mit zungenförmigen Rändern und gelegentlich glatter Oberfläche, stellenweise aber auch mit einem der Topographie der Umgebung folgenden Muster ähnlich wie in den Kratern. Auch dies könnten Sedimente sein, die von Gletschereis hinterlassen wurden. Bei den Schichten mit glatter Oberfläche könnte es sich aber auch um vulkanische Ablagerungen handeln.

Ganz offensichtlich wurden große Mengen an Material von den Bergflanken abgetragen und in tiefer liegende Regionen verfrachtet, wo es sich vorzugsweise in Einschlagskratern angesammelt hat. Auch das schlierige, dem kreisrunden Kraterrand folgende Muster der Ablagerungen in diesen Kratern erinnert stark an Strukturen, die auf der Erde von Gletschern erzeugt werden. Abgestufte Terrassen an den Krater-Innenwänden zeigen möglicherweise an, dass durch das früher unter der Schutt- und Geröllbedeckung befindliche Gletschereis ein höherer 'Geröllpegel' bestand und erst durch das Verschwinden von Eis und Schmelzwasser die Sedimentschicht auf ihren heutigen Stand absackte."



Flattr this

Zwar schütze der Blockschutt das darunter liegende Eis viel länger vor dem Abtauen beziehungsweise - bei den frostigen Temperaturen auf dem Mars - vor der Sublimation (dem Übergang vom festen in den gasförmigen Zustand), doch dürfte sich in diesen "gemäßigten" Breitengraden auf dem Mars mit großer Wahrscheinlichkeit kein Eis mehr unter den vom Gletscher abgelagerten Sedimenten befinden, so das DLR.

Die Strukturen selbst wurden wahrscheinlich lange Zeit nach der Entstehung des Tales selbst gegraben. Dessen Entstehung vermuten die Forscher in die sogenannten Hesperianischen Periode des Mars, die irgendwann vor 3,5 bis 1,8 Milliarden Jahren zu Ende ging.

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Europäische Sonde zeigt Winterstimmung auf dem Mars 9. Dezember 2012
Europäische Sonde findet Spuren von Wasser, Eis und Wind an Bergkette auf dem Mars 3. November 2012

Bücher zum Thema
 
- - -

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quellen: esa.int, dlr.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE