Freitag, 1. Februar 2013

Lake Whillans: US-Team beprobt erfolgreich subglazialen See in der Antarktis


Blick der Bohrkopfkamera entlang des Bohrloches in den Whillans Lake.
| Copyright/Quelle: The Whillans Ice Stream Subglacial Access Research Drilling Project, NSF 


Washington (USA) - Nachdem erst kürzlich ein Team britischer Forscher die Bemühungen einer Beprobung des seit mindestens einer halben Million Jahren von der Außenwelt isolierten Ellsworth-See abgebrochen hatte (...wir berichteten) und auch russische Wissenschaftler noch keine Ergebnisse der Analyse des Tiefenwassers aus dem ebenfalls isolierten antarktischen Wostoksee veröffentlicht haben (...wir berichteten), haben US-Forscher nun bekannt gegeben, dass es ihnen gelungen ist, den subglazialen Lake Whillans anzubohren und erste Proben daraus zu entnehmen. Doch obwohl es sich auch beim Whillans um einen vom antarktischen Eispanzer verdeckten See handelt, unterscheidet sich dieser von den Seen Wostok und Ellsworth - und damit auch die Forschungsziele.

Während der Wostok und der Ellworth beide von einer drei bis vier Kilometer dicken Eisschicht seit bis zu einer halben Million Jahre von jeglicher Außenwelt und anderen Seen isoliert sind, liegt der Whillans gerade einmal rund 800 Meter tief verborgen und ist Teil einer ganzen subglazialen - also unter den antarktischen Gletschern verborgenen - Seenlandschaft, die miteinander verbunden sind und schlussendlich wahrscheinlich ins Meer fließen. Ihre Gewässer tauschen sich also innerhalb weniger Jahrzehnte immer wieder völlig aus.


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Während das Wasser selbst also innerhalb der Seen fortwährend ausgetauscht wird, hoffen die Forscher dennoch, mit den Sedimenten Jahrtausende alte Atmosphärenproben aus dem See gewinnen zu können und mehr über die Fließ- und Austauschdynamik des verborgenen Netzwerks der antarktischen subglazialen Seen zu erfahren.

Am 28. Januar vermeldeten die Forscher des "Whillans Ice Stream Subglacial Access Research Drilling"-Project (WISSARD) nun, dass sie mit Hilfe ihres Heißwasserbohrers in den vergleichsweise flachen See vorgedrungen seien und Proben der dortigen Sedimente entnommen hätten. Eine Kontamination des Sees mit Oberflächenmikroben wurde durch die kontinuierliche Bestrahlung des Bohrkopfs und der Systeme mit starkem UV-Licht verhindert.



Schaubild der antarktischen subglazialen Seenlandschaft (Illu.).
| Copyright: Zina Deretsky, NSF

Während die russischen und britischen Forscher in den Seen Wostok und Ellsworth auf Lebensformen gehofft haben, die sich seit bis zu 500.000 Jahren nicht mehr oder völlig anders weiterentwickelt haben, wie ihre Gegenstücke an der Oberfläche, so erhoffen sich die US-Wissenschaftler von den Bohrungen im Whillans die Entdeckung von Mikroben, die sich auch unter den einzigartigen Umweltbedingungen dieses See bzw. der subglazialen Seenlandschaft speziell an die ungewöhnliche Umgebungen angepasst haben, in der weder Tageslicht noch vielfältige Nährstoffe zur Verfügung stehen. Von entsprechenden Funden erhoffen sich die Forscher somit auch neue Einblicke in andere extreme Ökosysteme auf der Erde, aber auch auf fernen eisigen Himmelskörpern im Sonnensystem, wie etwa den Saturn- und Jupitermonden Europa und Enceladus.



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Jetzt sollen die gewonnen Proben in den Labors genau untersucht und analysiert werden. Bis dahin bleibt auch die Frage offen, ob und in welchen Formen es im Whillans Leben gibt...


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