Freitag, 8. Februar 2013

Astronomen finden keine starken Schmalband-Signale aus Richtung potentiell lebensfreundlicher Kepler-Planeten


Das Green Bank Telescope.
| Copyright: Public Domain 


Green Bank (USA) - Ein Team von SETI-Astronomen um Jill Tarter, die Vorbild für Joodie Fosters Rolle der Ellie Arroway in dem Hollywood-Streifen "Contact" (1997) war, hat das Green Bank Telescope gezielt auf 86 Sterne im Suchfeld des NASA-Weltraumteleskops "Kepler" gerichtet, um aus Richtung der dort vermuteten Planeten innerhalb der habitablen - also lebensfreundlichen - Zone um besagte Sterne, nach Signalen auf Frequenzen zwischen 1 und 2 GHz zu lauschen. Im gleichen schmalen Frequenzspektrum also, auf dem irdische Mobil- und Funktelefone senden. Die Ergebnisse dieser schon 2011 durchgeführten Suche haben die Forscher aktuell veröffentlicht.

Um es vorweg zu nehmen: Auch diese Suche nach Signalen, die auf eine intelligente Zivilisation auf einem der anvisierten Planeten hindeutet, verlief bislang und offiziell erfolglos. Dennoch lässt auch dieses negative Ergebnis interessante Schlussfolgerungen zu.

Gezielt suchten die SETI-Astronomen innerhalb des besagten Frequenzbereichs nach Signalen, die nicht mehr als 5Hz des Spektrums beanspruchten, da es für derartig begrenzte Signale keine bekannten natürlichen Entstehungsprozesse gibt. "Derart schmalspurige Emissionen wären nach unserem derzeitigen Wissensstand ein unverwechselbarer Hinweis auf die Erzeugung dieser Signale durch eine intelligente Zivilisation", schreiben die Forscher in ihrem aktuell auf "arxiv.org" veröffentlichten Artikel (s. Link).


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Die große Herausforderung bei einer solchen Suche ist es, falsche bzw. auf der Erde erzeugte Signale auszuschließen. Die von Tarter und Kollegen zu diesem Zweck erdachte Methode ist vergleichsweise einfach und basiert auf dem Umstand, dass ein Signal nur dann interessant sein kann, wenn es zu der Zeit in den Daten auftaucht, wenn das Teleskop auch direkt auf den Zielstern gerichtet ist - nicht aber, wenn das Teleskop irgendwo anders hinzielt. "Auf diese Weise", so zitiert der "The Physics arXiv-Blog" (http://www.technologyreview.com/) aus der Studie, "werden 99,96 Prozent der Signal-Kandidaten allerdings schon vorab aussortiert."


SETI-Legende Jill Tarter.
| Copyright: seti.org

Übrig blieben nach diesem Prozess noch 52 weiterhin interessante Signale, die die Forscher auf einen möglichen irdischen Ursprung untersuchten - jedoch auch hier schlussendlich feststellen mussten, dass "gar keine außerirdischen Signale gefunden wurden."

Allerdings verweist der arXiv-Blog auch auf Vorbehalte angesichts einer solchen Schlussfolgerung: "Besonders wichtig ist jedoch die Frage, wie stark ein Signal (von diesen Sternen bzw. Planeten) hätte sein müssen, um vom Green Bank Telescope überhaupt aufgefangen werden zu können?"



Flattr this

Tarter und Kollegen selbst gehen davon aus, dass der stärkste Signalstrahl, den Menschen von der Erde aus ins All senden könnten, vom Arecio Radioteleskop auf Puerto Rico gesendet werden könnte. Wäre ein solcher Strahl von außerirdischer Seite genau während der durchgeführten Suche direkt in Richtung Erde gesendet worden, so wäre dieser - mit entsprechender zeitlicher Verzögerung - auch noch in Entfernungen von 10.000 Lichtjahren messbar. "Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit einer solchen zufälligen Koordination sehr klein", bemerkt das ArXiv-Blogteam.

Höher entwickelte Zivilisationen könnten, so spekulieren die Forscher weiter, über deutlich leistungsfähigere Sendeanlagen verfügen - dann etwa, wenn eine derartige Zivilisation in der Lage ist, die vollständige Energie ihres Zentralgestirns zu ernten. In einem solchen Fall spricht man von einer Zivilisation vom sogenannten Typ II auf der sogenannten Kardaschow-Skala. Derartige Zivilisationen sollten, wenn sie ihre Signale nicht selbst absichtlich abschirmen, auch entsprechend leichter zu finden sein.

(Anm. d. GreWi-Red.: Die Kardaschow-Skala wurde 1964 von dem russischen Astronomen Nikolai Kardaschow vorgeschlagen und ordnet die Entwicklungsstufen außerirdischer Zivilisationen nach deren Energieverbrauch und -nutzung ein. Laut dieser Skala nutz eine technisch entwickelte Zivilisation vom Typ I alle ihr auf/von ihrem Heimatplaneten zur Verfügung stehende Energie, während sich Zivilisationen vom Typ II der Gesamtenergieabgabe ihres lokalen Sterns bedienen ...wir berichteten.)



Teleskop bei Astroshop

Anhand des negativen Ergebnisses ihrer gezielten Suche nach starken Signalen im Schmalbandbereich aus dem Kepler-Feld wähnen sich die Astronomen um Tarter nun in der Lage abschätzen zu können, dass die Anzahl von Zivilisationen vom Typ II, die intelligente Signale im 1-2-GHz-Bereich senden, weniger als eine unter einer Millionen sonnenähnlichen Sternen entspricht.

Doch auch dieser zunächst schwindend gering klingende Wert lasse noch einen großen Interpretationsspielraum zu, weswegen die Forscher auch darauf hinweisen, dass es in der Entwicklung von Technologien zur Ortung von Radiosignalen gewaltige Fortschritte gibt und dass man schon in nicht allzu ferner Zukunft die heutigen Grenzen überwinden könne.

- Den Originalartikel finden Sie HIER

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

SETI: Erste VLBI-Suche findet keine außerirdischen Radiosignale aus dem "Gliese 581"-System 31. Mai 2012

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quellen: arxiv.org, technologyreview.com
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE