Samstag, 2. Februar 2013

Europa-Universität Viadrina: Alternativ-Wissenschaftlicher Studiengang und Institut bleiben erhalten


Eingangsportal der Europa-Universität Viadrina.
| Copyright: Ralf Lotys (Sicherlich), cc-by-sa 2.5


Frankfurt a.d. Oder (Deutschland) - Entgegen einer im vergangenen Jahr von einer externen Begutachtungskommission für Universitäten des Landes Brandenburg ausgesprochenen Empfehlung, das Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) an der Europa-Universität Viadrina, das unter anderem den Master-Studiengang "Kulturwissenschaften - Komplementäre Medizin" anbietet, zu schließen (...wir berichteten), hat die Viadrina nun mitgeteilt, diesen Studiengang der IntraG fortzuführen.

Im Gleichklang mit scharfer Kritik von Seiten des Naturwissenschafts-Mainstreams an den dortigen Studiengängen in Komplementärmedizin, einen Astrologen als dortigen Gastprofessor und Masterarbeit zu Themen wie dem sogenannten "Kozyrev-Spiegel" (hierbei handelt es sich in der Regel um einen manngroßen Spiegelzylinder, in dessen Inneren Personen die unterschiedlichsten angeblich übersinnlichen Erfahrungen gemacht haben wollen - von hellseherischen Erlebnissen bis hin zum Kontakt zu Verstorbenen oder gar Außerirdischen) und der Betitelung der Universität als "Hogwarts des Ostens" (Harry Potters Zauberschule lässt grüßen), empfahl die Expertenkommission im vergangenen Sommer aufgrund fachlicher Bedenken nicht nur die Abschaffung des Studiengangs sondern auch die Schließung des ganzen Instituts, das in seiner bisherigen Form höchstens privatwirtschaftlich weiter betrieben werden solle. (Den vollständigen Text der Begründung durch die Expertenkommission finden Sie HIER.)

Die sachliche Kritik der Kommission berücksichtigend und um "eine gleichermaßen auf kulturwissenschaftlichem und auf medizinischem Sachverstand basierende wissenschaftliche Qualitätssicherung in Lehre und Forschung zu gewährleisten, wird das Institut innerhalb der nächsten 24 Monate eine gleichberechtigte Trägerschaft mit einer medizinischen Fakultät eingehen", erklärt die Viadrina. Zusätzlich werde der Beirat durch die Kulturwissenschaftliche Fakultät neu besetzt.

Hintergrund

Für besonderes Aufsehen und höchste Erregung in einigen naturwissenschaftlichen Kreisen sorgte das IntraG unter anderem und nicht zuletzt durch die bereits erwähnte Masterarbeit zum sogenannten "Kozyrev-Spiegel". Diese gipfelte im vergangenen Herbst in der Verleihung des "Goldenen Bretts vorm Kopf 2012" an Prof. Dr. Dr. Harald Walach, den Leiter des IntraG, durch die österreichische "Gesellschaft für Kritisches Denken" und damit der
die Wiener Lokalgruppe der GWUP (Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften).

Prof. Dr. Dr. Harald Walach. | Copyright/Quelle: europa-uni.de

Tatsächlich wurden Arbeit, Inhalte und Aussage jedoch meist verzerrt und falsch dargestellt. Prof. Walach, Leiter des von einer unabhängigen Akkreditierungsagentur nach sorgfältiger Prüfung akkreditierten Masterstudiengangs, sagte dazu:

"Wir scheuen am IntraG nicht, uns auch mit dem, wovon andere die Finger lassen, wissenschaftlich auseinanderzusetzen. Wer uns hier unwissenschaftliches Vorgehen vorwirft, versteht nichts von Wissenschaft und hat die betreffende Arbeit von Herrn Conrad nicht gelesen: Die Tatsache, dass die Arbeit Kozyrev widerlegt ist von den aufbrausenden Kritikern offensichtlich übersehen worden."

In einer Stellungnahme zu den Vorwürfen erläuterte die Viadrina weiter:
"Peter Conrads Kozyrev-Experiment befasst sich mit der Frage, ob ein sog. 'Kozyrev-Spiegel' einen Effekt auf hellseherische Fähigkeiten der Versuchspersonen hat, wie in der zugrundeliegenden sehr spekulativen Theorie von Kozyrev angenommen. Die Hälfte der Anschlüsse war mit dem Spiegel verbunden, die andere Hälfte mit Imitaten. Das Wissen darüber, ob man mit einem Spiegel oder mit einem Imitat verbunden war stand den Versuchspersonen in der Hälfte der Experimente zur Verfügung. Das Ergebnis zeigt, dass insgesamt (880 Durchgänge) keine Abweichung von der Zufallserwartung gefunden wurde. Bei den 440 Versuchen bei denen die Versuchspersonen wussten, ob der Kozyrev Spiegel angeschlossen war, zeigte sich in der Bedingung ‚Spiegel angeschlossen’ (220 Fälle) ein signifikanter Effekt (p=.013) der in der Bedingung ‚Spiegel nicht angeschlossen’ nicht gefunden wurde. Somit widerlegt das Experiment die untersuchte Theorie, zeigt aber auch, dass unter speziellen Bedingungen eine von der Zufallserwartung abweichende Trefferquote vorkommen kann, was als erster Hinweis für 'Hellsehen' gewertet werden kann - nicht jedoch als hinreichender Beweis.

Walach stellt die Arbeit in den Kontext eines undogmatischen Wissenschaftsverständnisses, das dem ursprünglichen wissenschaftlichen Paradigma westlicher Prägung strikt folgt: 'Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit randständigen und von anderen gemiedenen Themen mit Hilfe solider wissenschaftlicher Methodik ist ein Kennzeichen guter Wissenschaft und die einzige Heuristik, die hilft, die Erkenntnis voranzubringen."

- Ausführlichere Informationen zur Sache lesen Sie im offenen Brief von Prof. Harald Walach und Prof. Stefan Schmidt HIER

- Die Internetseite des IntraG finden Sie HIER

 

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