Mittwoch, 20. Februar 2013

Rotkehlchen verfügen über erfahrungsbasiertes magnetisches Navigationssystem


Anhand der Flügelgröße bestimmten die Wissenschaftler das Alter der Vögel. | MPI für Ornithologie, Radolfzell, orn.mpg.de 

Radolfzell (Deutschland) - Bei ihrer jährlichen Wanderung in Sommer- und Winterquartiere nutzen Zugvögel eine ihnen genetisch angeborenen Vorzugsrichtung, sowie einen Magnetsinn, mit dem sie sich an den Feldlinien des Erdmagnetfeldes orientieren. Bislang ist jedoch unklar, ob die Vögel auch eine von einigen Forschern vermutete, auf Erfahrung basierende "Landkarte" verwenden, um an ihre Zielorte zu gelangen. Deutsche Ornithologen haben nun wilde Rotkehlchen während ihrer Reise einem starken, magnetischen Puls ausgesetzt und so kurzfristig deren Magnetsinn gestört. Als Folge konnten sich die zugerfahrenen Tiere schlechter orientieren, während sich die Peilung von jüngeren Vögeln, die zum ersten Mal zum jährlichen Vogelzug aufbrechen wollten, sich aufgrund der Puls-Behandlung nicht verschlechterte.

Offenbar, so Schlussfolgern die Forscher um Richard Holland vom Max-Planck-Institut für Ornithologie, hatten die Jungtiere aufgrund fehlender Erfahrung noch keine magnetische Karte aufgebaut. Das magnetische Kartensystem ist demnach erfahrungsabhängig und wird von solchen Pulsen gestört.

Nachdem die Forscher einige Tiere während ihres Vogelzuges an einem Rastplatz mit kleinen Radiotransmittern versehen hatten, konnten sie feststellen, in welche Richtung sie ihre Reise nach der Puls-Behandlung fortsetzen. Die Forscher unterschieden dabei zwischen älteren Vögeln, die schon einmal migriert waren und jüngeren, denen die erste Wanderung gerade erst bevorstand.


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Wie sich zeigte, zogen die erwachsenen Vögel nach der Behandlung sehr viel öfter in die falsche Richtung los, als die Tiere der Kontrollgruppe, die einem nicht-magnetischen Puls ausgesetzt waren. Am stärksten trat dieser Effekt bei Vögeln auf, die innerhalb von zehn Tagen nach der Behandlung losflogen. "Der Puls hat wohl die magnetischen Karten der Rotkehlchen zurückgesetzt", mutmaßt Holland. "Sie mussten sich deshalb auf andere Umweltinformationen verlassen und verflogen sich dann."

Dies würde auch erklären, wieso bei gleicher Behandlung der Jungtiere keine Verschlechterung der Peilung auftrat. "Die jungen Vögel waren noch nie migriert und hatten deshalb auch noch keine magnetische Karte aufgebaut, die wir zurücksetzen konnten". Der Magnetsinn der Rotkehlchen wird demnach maßgeblich durch die Erfahrungen beim Vogelzug beeinflusst.

Die Mechanismen des Vogelzuges werden Richard Holland und sein Team wohl auch weiterhin beschäftigen: "Wir wissen immer noch nicht mit Sicherheit wo das Sinnesorgan, mit dem die Vögel die Magnetfelder der Erde wahrnehmen, überhaupt sitzt", erklärt er. Eine Vermutung hierfür sind ferromagnetische Partikel im Schnabel, doch auch Systeme im Auge oder im Gleichgewichtsorgan der Vogelohren kommen dafür in Frage, die der Forscher.

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